Politik besorgt über große Pläne  Das „Monster“ vom Pferdemarkt

| | 04.11.2022 11:37 Uhr | 1 Kommentar | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Das neue Einkaufszentrum geht bald in Betrieb. Die oben aufgesetzten Wohnungen dürfen erst genutzt werden, wenn der Bebauungsplan überarbeitet wurde. Foto: Karin Böhmer
Das neue Einkaufszentrum geht bald in Betrieb. Die oben aufgesetzten Wohnungen dürfen erst genutzt werden, wenn der Bebauungsplan überarbeitet wurde. Foto: Karin Böhmer
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Im Aurich Bauausschuss wurde sehr kritisch über die weiteren Pläne des Investors für das alte Kaufhallen-Grundstück diskutiert. Es war von „Monster“ und Salamitaktik die Rede.

Aurich - Die Auricher Politik ist skeptisch und wählte am Donnerstag im Bauausschuss starke und kritische Metaphern. Bei der Betrachtung der Entwicklung auf dem früheren Kaufhallengelände sogar von einem „Monster“ die Rede.

Dabei freuen sich nach eigenem Bekunden alle Fraktionen grundsätzlich, dass am Pferdemarkt ein neues Einzelhandelszentrum entsteht, das die Nahversorgung der innenstädtischen Wohngebiete übernimmt und Käufer an das Zentrum heranlockt. Dass Investor Wilhelm Schomaker aber mit immer mehr Vorhaben herausrückt, die er auf dem Gelände verwirklichen möchte, trifft auf Widerstand.

Kommt ein Neubau, kommt auch eine Verkehrsregelung

Wie berichtet, eröffnen zur Adventszeit im früheren Kaufhallen-Gebäude ein XL-Combi und eine DM-Drogeriemarkt. Diese Nutzung ist dem alten Bebauungsplan zufolge zulässig. Baulich zulässig ist auch, dass der Investor auf das Gebäude Wohnungen und ein Hotel gesetzt hat. Noch nicht zugelassen ist die tatsächliche Nutzung dieser Einheiten. Deshalb soll es für diesen Kern des Geländes - Kaufhallengebäude plus Parkplätze - bald einen neuen B-Plan geben.

Oben auf dem Parkdeck ist immer noch Platz für Autos. Dort sind nun aber auch Wohnungen und Hotelzimmer im Bau. Foto: Romuald Banik
Oben auf dem Parkdeck ist immer noch Platz für Autos. Dort sind nun aber auch Wohnungen und Hotelzimmer im Bau. Foto: Romuald Banik

Gesondert davon soll es nach Angaben von Stadtbaurätin Alexandra Busch-Maaß einen gesonderten Bebauungsplan für den Bereich des Grundstücks geben, der an die Blücherstraße angrenzt (wir berichteten). Dort soll ein weiteres Gebäude mit einem Action-Markt und einer Fressnapffiliale und vielleicht einer Seniorenwohnanlage im Obergeschoss entstehen. Busch-Maaß betonte, dass für den Verkehr, der dadurch mehr entstehe, auch die Anbindung des Geländes ausgebaut werden muss und dass die Stadt mit dem Investor über die Kostenübernahme verhandele.

Kritik an Plänen für Seniorenwohnanlage

Doch nicht nur die Verkehrsanbindung sorgt für Kritik. Reinhard Warmulla (Linke) kritisierte, dass dort schon wieder ein Projekt für kommerzielles Seniorenwohnen geplant werde. Die Stadt müsse zuvor ein Konzept für alternative Wohnformen im Alter entwickeln.

Gila Altmann (Grüne) sagte, dass das Projekt zur Nahversorgung und mit einigen Wohnungen, welches sie ursprünglich begrüßt habe, inzwischen langsam zu einem Monster werde, „das mit Innenstadtentwicklung nichts mehr zu tun hat, sondern ein eigenes Gewerbegebiet wird“. Auch sie kritisierte die Idee für ein Pflegeheim auf dem Dach. Dies sei eine „Abstellfläche für alte Menschen“, mit dem Ziel, Gewinn zu machen. Plus zwei weitere Fachmärkte – „und das alles in einem Bereich, der verkehrlich schon komplett überlastet ist“, so Altmann. Die Wohnstraßen seien jetzt schon zugeparkt. Es dürfe daher bei der Erweiterung nicht nur darum gehen, welche Gutachten gebraucht würden, sondern darum, ob der Rat das überhaupt so wolle.

Neue Märkte noch lange nicht genehmigt

Busch-Maaß betonte, dass vor dem Neubau auf dem hinteren Gelände noch ein Moderationsverfahren liege. „Der Landkreis hat die Nutzung bereits als zweifelhaft dargestellt“, so die Stadtbaurätin. Man sei mit dem Investor im Gespräch. Die Entscheidung über den B-Plan für den Bereich obliege am Ende ohnehin dem Rat.

Auf dem Gelände zwischen dem Schützenhaus und dem Familienzentrum (im Hintergrund) plant der Investor ein weiteres Gebäude mit einem Action- und einem Fressnapf-Markt sowie Seniorenwohnen im Obergeschoss. Foto: Romuald Banik
Auf dem Gelände zwischen dem Schützenhaus und dem Familienzentrum (im Hintergrund) plant der Investor ein weiteres Gebäude mit einem Action- und einem Fressnapf-Markt sowie Seniorenwohnen im Obergeschoss. Foto: Romuald Banik

Sowohl Altmann als auch Bodo Bargmann (CDU) äußerten Verwunderung über die Vergrößerung des Bestandsgebäudes zum Pferdemarkt hin. Altmann prognistizierte bereits einen Antrag auf Fällung der dort stehenden Bäume seitens der Nutzer. Der Verwaltung zufolge ist diese Erweiterung zulässig.

Kritik an „Salamitaktik“

Rolf-Werner Blesene (SPD) sorgte sich um die Blücherstraße. Durch den Lastverkehr zur Baustelle sei diese ohnehin schon komplett kaputt, sagte er. „Wer dafür aufkommt, müsste schnell geklärt werden“, so Blesene. Keinesfalls dürfe diese Zufahrt später auch zu den Geschäften genutzt werden. Planungsamtsleiter Mirko Wento versicherte, dass dies planungsrechtlich nicht so vorgesehen sei.

Blesene kritisierte außerdem die „Salamitaktik“, mit der der Investor Nutzung um Nutzung präsentiere. Auch er sei enttäuscht. Er prognostizierte lange Staus an der Zuwegung Schützenstraße. Fraglich sei auch, ob die Zahl der Parkplätze auf dem Gelände ausreiche.

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