Wirtschaft hat mehr Bedarf  Ihlow als Standort für Wasserwerk in Prüfung

| | 03.11.2022 20:55 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Das Unternehmen Landguth ist der Riese im Gewerbegebiet Riepe. Foto: Romuald Banik
Das Unternehmen Landguth ist der Riese im Gewerbegebiet Riepe. Foto: Romuald Banik
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Dem OOWV liegt eine große Bedarfsanmeldung von einem Ihlower Betrieb vor. Nun beginnt eine aufwendige Prüfung. Und vielleicht muss sogar noch eine Alternative her.

Riepe - Eines der beiden neuen Wasserwerke, die der Oldenburgisch-Ostfriesische Wasserverband (OOWV) in seinem Verbandsgebiet errichten möchte, könnte möglicherweise im Bereich Ihlow entstehen. Das sagte auf ON-Nachfrage OOWV-Sprecher Heiko Poppen. „Wir haben von einem Unternehmen aus der Region eine größere Bedarfsanmeldung für Wasser.“ Um welches Unternehmen es sich handele, dürfe Poppen aus Datenschutzgründen nicht sagen. Nach ON-Informationen handelt es sich um den Premiumtierfutterhersteller Landguth in Riepe.

Die Firmenzentrale des Tierfutterherstellers Landguth. Foto: Romuald Banik
Die Firmenzentrale des Tierfutterherstellers Landguth. Foto: Romuald Banik

Wo die beiden vom OOWV geplanten Wasserwerke tatsächlich gebaut werden, sei derzeit aber noch völlig offen, sagte Poppen. Laut dem Sprecher ist dies das erste Mal, dass der OOWV einen Standort für eines der zwei geplanten Wasserwerke nennt, der geprüft wird. Mit einem wasserrechtlichen Verfahren und den Voruntersuchungen sei aber noch nicht begonnen worden.

OOWV: Zeit eilt, weil der Bedarf da ist

Es seien viele Voruntersuchungen, Gutachten und eine wasserrechtliche Genehmigung notwendig, bis Trinkwasser gefördert werden dürfe. Ob beispielsweise der Grundwasserleiter hinsichtlich der Quantität und der Wasserqualität im Bereich Ihlow ausreichend sei, müsse erst noch untersucht werden. Da es dort aber nun schon die erklärte höhere Nachfrage nach Wasser gebe, sei ein Standort in Ihlow alles andere als ausgeschlossen. „Die Zeit eilt, weil der Bedarf da ist“, so OOWV-Sprecher Heiko Poppen: „Wir geraten derzeit an unsere Grenzen.“

Das Gewerbegebiet in Riepe ist von wachsenden Unternehmen geprägt. Foto: Romuald Banik
Das Gewerbegebiet in Riepe ist von wachsenden Unternehmen geprägt. Foto: Romuald Banik

Der OOWV kann in seinem Verbandsgebiet jährlich rund 100 Millionen Kubikmeter Wasser fördern. 15 Prozent dieser Menge gelten als Reserve. Doch schon jetzt werden in dem Versorgungsgebiet, das sich über die Landkreise Aurich, Wittmund, Friesland, Ammerland, Oldenburg, Cloppenburg, Vechta und Wesermarsch erstreckt, mehr als 80 Millionen Kubikmeter Wasser pro Jahr verbraucht. Durch steigende Verbräuche in Haushalten, in der Landwirtschaft und der Industrie kommt die Wasserentnahme an ihre Grenzen. Wenn nun ein Unternehmen mehr Wasser brauche, um sich zu entwickeln, versuche der Verband zu reagieren. Aber so schnell, wie der Betrieb Wasser benötigt, wird es damit wohl nicht gehen.

Zwei Betriebe benötigen viel Trinkwasser

Wirtschaftswachstum sei meist nur möglich, wenn auch mehr Trinkwasser zur Verfügung steht. Wenn nun eine konkrete Anfrage vorliege, reiche die Zeit, die es für ein neues Wasserwerk braucht, für das Unternehmen aber möglicherweise gar nicht aus. Denn Untersuchung und Genehmigung sowie Bau könnten durchaus bis zu 20 Jahre dauern.

Sollte das Unternehmen schon früher mehr Wasser brauchen, gibt es laut Poppen – generell gesprochen – Alternativen, um die Firma zu versorgen. So sei es grundsätzlich auch möglich, eine eigene Wasserförderung für den Betrieb zu beantragen. Da dann nicht so große Mengen Wasser entnommen werden müssten wie bei einem normalen Wasserwerk, das eine Region versorgt, sei die Genehmigung etwas weniger aufwendig, so Poppen. Der OOWV hat in seinem Verbandsgebiet nach eigenen Angaben schon einige Versorgungsalternativen erdacht, wenn sich der Wasserbedarf von Unternehmen vergrößert hat. In Nordenham wird beispielsweise ein Gewerbegebiet über ein eigenes Brauchwassernetz mit dem gereinigten Abwasser aus der Kläranlage versorgt. Dies ist laut OOWV in Ihlow aber nicht möglich, weil der Betrieb eine Anfrage für Trinkwasser gestellt habe.

Keine Bestätigung von Landguth

Auch Ihlows Bürgermeister Arno Ulrichs weiß um den Bedarf eines Unternehmens in seiner Gemeinde nach mehr Trinkwasser. Einen Namen nennen möchte auch er nicht. Da sich grundsätzlich das Gewerbegebiet in Riepe sehr gut entwickele und die Produktionen ausgedehnt werden, werde auch mehr Wasser benötigt, sagte er den ON. Zwei Ihlower Betriebe brauchten für die Produktion auch viel Trinkwasser. Sie versuchten bereits, Wasser einzusparen oder wiederzuverwenden, so Ulrichs. Das reiche aber nicht für eine Expansion.

Ein weiteres Unternehmen im Lebensmittelbereich ist Trident Seafoods. Foto: Romuald Banik
Ein weiteres Unternehmen im Lebensmittelbereich ist Trident Seafoods. Foto: Romuald Banik

Laut ON-Informationen kommt die Anfrage vom Premiumtierfutterhersteller Landguth. Unternehmenssprecher Focke Hagen wollte auf Nachfrage einen erhöhten Wasserbedarf und eine entsprechende Anmeldung nicht bestätigen. „Im Verhältnis zur Unternehmensgröße haben wir sogar einen eher geringen Wasserverbrauch.“ Schon seit Längerem habe Landguth eine Produktionswasserrückgewinnung, um den Wasserbedarf möglichst gering zu halten, so Hagen, „auch im Sinne der Nachhaltigkeit“.

Starkes Wachstum seit der Gründung 2004

Das Unternehmen wachse seit Jahren stark – sowohl in der Produktion als auch hinsichtlich der Größe der Belegschaft. 2004 habe Landguth mit sieben Mitarbeitern begonnen. Inzwischen seien es 1100, sagte Hagen.

Wenn in Ihlow von der Wirtschaft nun ein höherer Wasserbedarf angemeldet worden sei, könne das auch mit anderen Unternehmen im Gewerbegebiet zusammenhängen, sagte der Landguth-Sprecher. Derzeit gibt es keine Hinweise auf Ansiedlung von neuen Vielverbrauchern.

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