Entwicklung am Pferdemarkt  Sorge vor zunehmendem Verkehr in Aurich

| | 29.10.2022 12:31 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Die Nutzung der Wohnungen auf der alten Kaufhalle ist im geltenden Bebauungsplan nicht erlaubt. Sie wird Thema bei der Bauleitplanung. Foto: Romuald Banik
Die Nutzung der Wohnungen auf der alten Kaufhalle ist im geltenden Bebauungsplan nicht erlaubt. Sie wird Thema bei der Bauleitplanung. Foto: Romuald Banik
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Anwohner äußerten Bedenken im Ortsrat Kernstadt: Sie fürchten eine dritte Zufahrt zur alten Kaufhalle vor ihrer Tür. Einige Befürchtungen hatten auch die Politiker.

Aurich - Anwohner der Blücherstraße und der Yorckstraße haben gegenüber dem Ortsrat Kernstadt Aurich Bedenken hinsichtlich der Pläne für das frühere Kaufhallengelände geäußert. Ihre Sorge richtet sich darauf, dass die jetzige Zufahrt zur Baustelle von der Blücherstraße aus möglicherweise eine dauerhafte Zuwegung zu den vom Investor geplanten weiteren Geschäften neben dem Schützenhaus werden könnte. Sie forderten den Ortsrat auf, dies frühzeitig zu verhindern.

Planungsamtsleiter Mirko Wento hatte die Pläne zuvor kurz erläutert. Neben den neuen Märkten im früheren Kaufhallengebäude plant der Investor auch einen Action-Markt und eine Fressnapf-Filiale im Erdgeschoss eines weiteren Gebäudes – und hat die Idee, darüber eine Senioreneinrichtung unterzubringen. Das Verfahren für eine so großflächige Einzelhandelsansiedlung ist komplex. Das ist der Grund, warum die Verwaltung überlegt, für das Areal zwei Bebauungspläne aufzustellen.

Unterschiedlich aufwendige Verfahren

Wento sagte auf ON-Nachfrage, dass der Gedanke hinter der Aufteilung sei, dass die Bauleitverfahren unterschiedlich aufwendig sind. Die Märkte im Kaufhallengebäude waren auf der Grundlage des bestehenden B-Planes genehmigungsfähig. Die Nutzung „Wohnen“ für die von Investor Wilhelm Schomaker bereits gebauten Wohnungen und für das Hotel auf dem Dach des Gebäudes ist hingegen bisher nicht im Bebauungsplan verankert. Dies soll in den neuen Plan aufgenommen werden.

Zudem plant Schomaker ein weiteres Gebäude neben dem Schützenhaus. Dort sollen ein Action-Markt und eine Fressnapf-Filiale einziehen. Darüber könnte möglicherweise eine Seniorenwohneinrichtung entstehen.

Prüfung weiterer Geschäftsflächen

Bevor sich auf dem früheren Kaufhallen-Gelände aber noch weiterer Einzelhandel ansiedeln darf, sind umfangreichere Prüfungen notwendig. Es muss zudem ein Moderationsverfahren geben. Würde man das Gebiet auf zwei Bebauungspläne aufteilen, werde die Bauleitplanung für das Kaufhallengebäude verschlankt, so Wento – ein Vorteil für die geplante Wohnnutzung, die dann potenziell eher möglich wird. Die komplizierte Bauleitplanung für das Zusatzgebäude mit Einzelhandel kann laut Wento dann unabhängig erfolgen, ohne die Gesamtentwicklung zu bremsen.

Noch sind die Pläne für zusätzliche Bauten recht vage. Das Bauleitverfahren steht noch ganz am Anfang, Skizzen oder konkrete Angaben lagen dem Ortsrat nicht vor. Ortsbürgermeister Timo Mehlmann (SPD) sagte, dass man sich jetzt noch nicht wirklich vorstellen könne, wie viel mehr Verkehr dort durch die Pläne des Investors fließen wird. Dass die Blücherstraße nicht für den jetzigen Lastwagenverkehr und schon gar nicht als weitere Anbindung geeignet sei, liege auf der Hand.

Sorge vor Überangebot an Seniorenpflege

Richard Rokicki (AWG) äußerte seine Bedenken, was den schon bald auftretenden Kundenverkehr angeht. Er freue sich ebenso wie viele Innenstadtbewohner über den neuen Nahversorger im Zentrum. Dass in den vergangenen zwei Jahren – seit Bekanntwerden der Pläne – aber nichts am Bebauungsplan gemacht worden sei, um die ab Dezember zu erwartenden Verkehrsflüsse zu kanalisieren, sei „mehr als fraglich und abenteuerlich“, so Rokicki gegenüber den ON. Gewiss sei die Kaufhalle früher auch gut besucht gewesen, aber der Verkehr habe sich trotzdem anders verteilt – auf damals mehr Nahversorger im Innenstadtbereich. Die Neueröffnung könne ein Verkehrsdesaster werden.

Heidrun Weber (GfA) bat darum, auch zu prüfen, ob es noch einen Bedarf an einer weiteren Senioreneinrichtung gibt. Die Pflegeheime in Aurich seien jetzt schon nicht ausgelastet. Nun werde im Divisionsgebäude der Blücher-Kaserne und im möglichen Baugebiet In der Diere auch Altenwohnen geplant. Es sei fraglich, dass Aurich noch eine Einrichtung brauche, so Weber.

Die Anwohner äußerten nicht nur ihre Sorge über die Anbindung der neuen Fachmärkte. Einer machte auch einen Vorschlag: Eine Überdachung von Parkplätzen mit Solaranlagen sei ohnehin bald vorgeschrieben. Der Ortsrat solle darauf drängen, dass dies auf dem Parkplatz am Einkaufszentrum umgesetzt werde.

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