Großprojekt in Emden EWE-Wasserstoff-Anlage ist „erster wichtiger Baustein“
Wasserstoff aus Windkraft gilt als Energieform der Zukunft. Der Oldenburger Versorger baut nun eine Erzeugungsanlage im Kraftwerksmaßstab. Daran knüpfen sich in Ostfriesland große Erwartungen.
Emden - Ein Vergleich dieser Größenordnung war Tim Kruithoff dann doch etwas zu hoch gegriffen. Der Moderator der Vorstellung der neuen Wasserstoff-Erzeugungsanlage in Emden, Edzard Wagenaar, hatte gemeint, der Bau sei vielleicht die wichtigste Investition seit der Ansiedlung des VW-Werks Anfang der 1960er-Jahre. Der Emder Oberbürgermeister Kruithoff sprach lieber von einem „ersten Baustein“ für eine Wasserstoff-Wirtschaft in Ostfriesland. Er hofft vor allem auf größere Industrieunternehmen, die sich rund um die Wasserstoffproduktion ansiedeln. Konkrete Anfragen gebe es bereits. „Ich bin optimistisch, dass uns noch ein großer Coup gelingen wird“, so Kruithoff.
EWE-Vorstandschef Stefan Dohler hatte zuvor die vielen Standortvorteile Emdens gepriesen: Die zahlreichen Windkraftanlagen, vorhandene Stromleitungen und Umspannwerke und nahe Kavernenspeicher. „Hier kommen viele Voraussetzungen zusammen. Da schauen die Bayern neidisch drauf“, so Dohler.
Ab 2023 soll deshalb nun am Wykhoffweg zwischen Autobahn 31 und dem Stadtteil Borssum auf sechs Hektar Fläche eine der größten Wasserstofferzeugungsanlagen Deutschlands entstehen. Dafür soll eine halbe Milliarde Euro investiert werden. Für die EWE, schon kein kleiner Spieler im Energiegeschäft, eine der größten Einzelinvestitionen ihrer Geschichte.
Wasserstoff als „Multitalent der Energiewende“
Der Konzern bezeichnet Wasserstoff als „Multitalent der Energiewende“. Er sei nutzbar für Industrieprozesse und Schwerlastverkehre, sei speicherbar und könne Schwankungen im Stromnetz ausgleichen.
„Ohne Wasserstoff wird die Energiewende nicht gelingen“, sagte EWE-Chef Dohler. Das Unternehmen wolle zunächst bis zu einem Gigawatt Wasserstoff-Erzeugung aufbauen und so ein Rückgrat für die neue Infrastruktur schaffen. Am Anfang sei das sicher noch nicht wirtschaftlich, man gehe ins unternehmerische Risiko, so Dohler. Der EWE-Chef betonte zugleich: „Ohne massiven Ausbau der erneuerbaren Energien können wir es vergessen.“
Die EWE hatte sich bereits im vergangenen Jahr für eine Förderung im Rahmen eines europäischen Wasserstoffprojekts beworben. Man hoffe auf einen Förderbescheid bis Ende des Jahres, hieß es.
Tim Meyerjürgens, Vorstandsmitglied beim deutsch-niederländischen Stromnetzbetreiber Tennet, sagte, die küstennahe Erzeugung von grünem Wasserstoff habe viele Vorteile. Letztlich fördere sie auch die Unabhängigkeit von fossilen Energien. Tennet baut und betreibt seit mehr als zehn Jahren zahlreiche Offshore-Windstrom-Leitungen und Umspannwerke (Konverter) in Ostfriesland, auch im Borssumer Hammrich, nahe der künftigen EWE-Wasserstoff-Anlage.
Diese soll ab 2026 jährlich mehr als eine Terawattstunde grünen Wasserstoff herstellen. Das spare etwa 400.000 Tonnen Kohle in der Stahlindustrie und damit eine Million Tonnen CO2, heißt es.
Nur wenige Jobs in Anlage selber
Ein weiterer vorteilhafter Nebeneffekt der Anlage: Die ostfriesischen Windparks müssten bei zu viel Wind nicht mehr abgeschaltet werden, weil der Strom nicht abtransportiert werden kann.
Viele Arbeitsplätze entstehen in der Anlage selber nicht, rund 20 werden es laut EWE sein. Entscheidend sei das, was sich hoffentlich drumherum entwickele an Industrie. Sicher ist, dass ähnlich wie bei den großen Umspannwerken von Tennet, in der Bauphase sehr viele Menschen auf der Baustelle tätig sein werden.
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Der Auricher Landrat Olaf Meinen, sieht durch das Wasserstoff-Projekt in Emden Chancen für ganz Ostfriesland. „Die Unternehmen werden den Wasserstoff nachfragen“, ist Meinen sicher.
Der Emder Grünen-Ratsherr fragte kritisch nach, woher man denn die großen Wassermengen nehmen wolle, die für die Anlage gebraucht werden. Man verwende vor allem Oberflächenwasser, kein Trinkwasser, erläuterte Tjarks.