Überraschende Entwicklung  Unerwartet viel Gewerbesteuer für Aurich

| | 27.10.2022 18:35 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Der Auricher Haushalt war zuletzt äußerst klamm. Nun gibt es eine gute Nachricht. Foto: DPA
Der Auricher Haushalt war zuletzt äußerst klamm. Nun gibt es eine gute Nachricht. Foto: DPA
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Die Stadt nimmt in diesem Jahr rund 61 Prozent mehr Gewerbesteuern ein als gedacht. Die Freude im Rathaus ist nicht ungetrübt. Denn es steigen auch die Kosten.

Aurich - Gute Nachrichten für die Stadt Aurich: Die Gewerbesteuer hat sich in diesem Jahr weit besser entwickelt als gedacht. Geplant hatte die Stadt zu Beginn des Jahres mit 21 Millionen Euro. Doch nun entwickelt sich der Betrag deutlich nach oben. Das geht aus dem Finanzbericht für das dritte Quartal hervor.

Die Septemberprognose geht von Steuermehreinnahmen in Höhe von 14,59 Millionen aus. Alleine 13,27 Millionen davon gehen auf Mehreinnahmen bei der Gewerbesteuer zurück. Auch der kommunale Anteil an der Einkommensteuer fällt besser aus als gedacht. So wird aus einem eingeplanten Defizit plötzlich ein dickes Plus: Statt mit 4,54 Millionen Euro Miese schließt der Haushalt mit 9,48 Millionen Euro Plus ab.

Freude im Rathaus ist dennoch verhalten

Im Rathaus hatte man eine positive Entwicklung schon länger erwartet. Dass sie so hoch ausfallen würde, aber wohl nicht. Die Freude ist dennoch verhalten. Durch die Mehreinnahmen wird im nächsten Jahr der Betrag steigen, den Aurich in die Kreisumlage zahlen muss. Und es gibt noch mehr „Geldfresser“. Auch wenn im Rathaus niemand eine Ursache der Steigerung nennen will, lässt sich vermuten, dass die Auftragsmeldungen des Auricher Windkraftkonzerns Enercon damit zu tun haben. Mehrere Großaufträge wurden gemeldet, die Produktion in der früheren KTA-Halle in Sandhorst, im neuen E-Gondel-Werk, läuft wieder an.

Was diese Mehreinnahme für die Stadt bedeutet, wird der Auricher Bürgermeister Horst Feddermann im Finanzausschuss am Dienstag wohl noch einordnen. Die Aussichten sind aus mehreren Gründen düster. Eingeplant für den nächsten Haushalt war zu Jahresbeginn ein Defizit in Höhe von 2,36 Millionen Euro. Dieses Defizit muss ausgeglichen werden.

Kostensteigerungen bei Personal und Zinsen erwartet

Zudem muss die Stadt Kreisumlage auf ihre Steuereinnahmen zahlen. Laut Stadtsprecher Johann Stromann bleibt nach diesem Mechanismus noch rund ein Drittel des Geldes bei der Stadt. Und nicht nur die Energie und die allgemeinen Kosten steigen für die Kommune ebenso wie für jeden. Die Kommunen sehen sich mit hohen Tarifforderungen konfrontiert. Verdi und der Deutsche Beamtenbund fordern 10,5 Prozent mehr Geld. Die Verhandlungen laufen.

Nicht zuletzt fürchtet Feddermann sich auch vor steigenden Zinsen. Gestern hat die Europäische Zentralbank zum dritten Mal in diesem Jahr den Leitzins auf nun 2,0 Prozent erhöht. Das lang- und kurzfristig verschuldete Aurich, das in den kommenden Jahren noch rund 9 Millionen Euro an Investitionskrediten aufnehmen will und seine hohen kurzfristigen Kredite finanzieren muss, dürfte dies besonders spüren.

Das zusätzliche Geld droht also wie Wasser in der Wüste zu versickern. Eine gute Nachricht ist es dennoch. Sofern sich die positive Wirtschaftsentwicklung in der Stadt trotz Ukraine-Krieg und seinen Folgen fortsetzt, dürfte Aurich zumindest vor etwas geringeren Sorgen stehen als gedacht.

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