Auricher Schützen planen Großinvestition Aufstockung des Schützenhauses und moderne Technik
Der Verein plant eine Halle für die Bogenschützen, digitale Anzeigen im Schießstand für Feuerwaffen und neue Außenanlagen. Damit soll Aurich für Kadertrainings interessant werden.
Aurich - Nebenan wächst das wuchtige frühere Kaufhallengebäude weiter in die Höhe. Das Vereinsheim der Auricher Schützen sieht fast klein daneben aus. Doch der Eindruck täuscht. Schon jetzt gibt es dort nicht nur den Saal, Büros und die Luftgewehrbahnen, sondern im Anbau auch den langgestreckten Großkaliberschießstand.
Das reicht den Auricher Schützen aber nicht mehr. Auch sie wollen jetzt hoch hinaus und planen ein Obergeschoss auf dem Großkaliberschießstand, neue technische Anlagen sowie eine umfangreiche Sanierung ihres Hauses.
Grundlegende Modernisierung in allen Bereichen
Die Bogenschützen sollen im neuen Obergeschoss eine eigene Halle für die Wintersaison bekommen. Nach dem Luftgewehrbereich soll auch der Klein- und Großkaliber-Schießstand mit einer digitalen Anzeige ausgerüstet werden. Damit soll sich das Auricher Schützenhaus als Kadertrainingsort für die norddeutschen Schützenbünde qualifizieren.
Der Grund für die Großinvestition liegt im Großprojekt Kaufhalle. Das Grundstück, auf dem das Gebäude steht, gehörte bis vor einigen Monaten dem Auricher Schützenverein (ASV). Er hatte es in Erbpacht an die damalige Kaufhalle gegeben. Im Vertrag stand aber ein Passus, der dieses Vertragsverhältnis auslaufen ließ: Nach 50 Jahren wurden dort dem Besitzer der Fläche ein Vorkaufsrecht eingeräumt.
Geld aus Verkauf wird reinvestiert
Diese Option nutzte Investor Wilhelm Schomaker aus Dörpen, als er die Entwicklung der Immobilie zu einem neuen Einkaufszentrum begann. Das Geld, das der ASV so einnahm, muss er nun wieder in den Verein investieren. Deshalb wird nach Angaben des Vereinsvorstandes gut eine Million Euro in den nächsten zwei bis drei Jahren in das Schützenhaus gesteckt. Im ersten Schritt rund 500.000 Euro. Den hinteren Teil des Geländes hat der ASV weiterhin in Erbpacht vergeben und erzielt regelmäßige Einnahmen.
Burkhard Siepermann führte als Vorsitzender des ASV die Verhandlungen mit Schomaker. Im März löste Stefan Dunkmann ihn an der Vereinsspitze ab. Siepermann ist nun sein Stellvertreter. Beide haben große Pläne für den Umbau des Hauses, der möglichst in zwei bis drei Monaten beginnen soll. Noch fehlt allerdings die Baugenehmigung. Vonseiten der Stadt sei aber signalisiert worden, dass die Wünsche realisierbar seien.
Zwei Sparten müssen sich bislang eine Halle teilen
Der ASV hat derzeit rund 230 Mitglieder, davon rund 95 in der Bogenschießabteilung. Sommers schießen sie in Sandhorst in der Nähe des Hofes Harms. Winters müssen sie ins Schützenhaus wechseln und auf 18-Meter-Bahnen weitermachen. Dazu ziehen sie mit auf den Feuerwaffenstand, der zehn 25 Meter lange Bahnen hat – zum Präzisionsschießen und zum Duell-Schießen.
Ein Kompromiss, der funktioniert, aber nicht optimal ist. Denn der Aufbau der Bogenschussscheiben ist aufwendig. Entsprechend sollen in einer gut 2,60 Meter hohen Halle unter einem Mansarddach acht Bogenschussbahnen entstehen.
Mögliche neue Heimat für Schützen aus dem Umfeld
Der Vereinsvorstand beobachtet das langsame Sterben kleinerer Traditionsvereine im Umfeld von Aurich. Zum einen möchten die Auricher Schützen den Schießsportlern von dort ein Angebot machen, um dem Hobby treu zu bleiben. Und sie wollen den Bogenschützen eine Alternative für die kalte Jahreszeit bieten. Zudem wollen sie den Verein noch weiter auf modernen Schießsport ausrichten.
Gerade junge Schützen legten Wert auf moderne Ausrüstung, sagt Siepermann. Deshalb sollen zehn elektronische Schießanlagen à 10.000 Euro für den Feuerwaffenstand angeschafft werden. Auch sonst wird diese Schießhalle modernisiert. Wo nun Lagerräume sind, werden eine Treppe und ein Lift oder Aufzug ins Obergeschoss führen.
Bald als Zentrum für Kadertrainings geeignet
Auch die Außenanlagen inklusive neuer Parkplätze sollen angelegt werden. Die energetische Sanierung steht an, inklusive neuer Fenster, LED-Lampen und in einigen Monaten einer Fotovoltaikanlage.
Ein neuer Seminarraum mit moderner Technik wird außerdem in Richtung Blücherstraße angebaut. Dort soll Fortbildung möglich sein. Der Nordwestdeutsche Schützenbund sei auf der Suche nach einer Trainingsmöglichkeit, so Dunkmann. Die nächste geeignete Anlage sei an der südniedersächsischen Grenze. Die Auricher haben sich als Alternative angeboten. Ab etwa Mai will der ASV die Bedingungen dafür erfüllen.