Ende der Baustelle  Popenser Straße ist fertig – und fahrradfreundlicher

| | 25.10.2022 17:34 Uhr | 3 Kommentare | Lesedauer: ca. 5 Minuten
Der Ostfrieslandwanderweg hat nun Vorfahrt vor dem Verkehr auf der Popenser Straße. Diese Stelle hatten sich die Vertreter aus dem Rathaus und von der Baufirma ausgesucht, um symbolisch die Straße freizugeben. Foto: Romuald Banik
Der Ostfrieslandwanderweg hat nun Vorfahrt vor dem Verkehr auf der Popenser Straße. Diese Stelle hatten sich die Vertreter aus dem Rathaus und von der Baufirma ausgesucht, um symbolisch die Straße freizugeben. Foto: Romuald Banik
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Eine Huckelpiste weniger: Nach einem Jahr sind die Bauarbeiten beendet. Ganz neu in Aurich sind der Schutzstreifen für Radler und die Vorfahrt des Ostfrieslandwanderweges.

Aurich - Schon kurz nach der Jahrtausendwende wurde überlegt, die Popenser Straße zu sanieren. Nun ist sie fertig und freigegeben. Am Dienstag schnitten Vertreter aus dem Rathaus und der Baufirma Strabag feierlich ein Band durch.

Sie taten dies an prominenter Stelle in der Straße. Denn in der ganzen Popenser Straße zwischen dem Combi-Markt und dem Kreisel wurde die Verkehrsführung für Radfahrer deutlich geändert. Am stärksten an der Querung des Ostfrieslandwanderweges. Erstmals haben querende Radfahrer dort Vorfahrt vor dem Verkehr auf der Straße – ein Vorhaben, das laut Masterplan Radverkehr auch an anderen Stellen in Aurich angestrebt ist. Laut dem Auricher Tiefbauamtsleiter Bernd Ewerth äußerten sich bereits zahlreiche Radfahrer vor Ort positiv über die Veränderung.

Kanal ebenfalls erneuert

Ein Jahr haben die Arbeiten an der Straße und den Nebenanlagen gedauert. Zuvor war bereits der Kanal erneuert worden. Er hatte zuletzt an mehreren Stellen für Probleme gesorgt. Unter anderem im Bereich der Einmündung in die Bundesstraße waren Rohre eingebrochen.

Bürgermeister Horst Feddermann zeigte sich erleichtert über den Abschluss der Arbeiten. Der Kanal habe für genug Verdruss gesorgt. Auch die Straße sei lange Zeit eine Huckelpiste gewesen. Und die Bauphase, vor der auch noch Versorger neue Leitungen verlegten, sei nun lang genug gewesen.

Nicht ohne Vollsperrung machbar

Anfangs sei beabsichtigt worden, eine Vollsperrung bei den Bauarbeiten zu vermeiden, so Ewerth. Es habe sich aber gezeigt, dass die Beschilderung verschiedentlich missachtet wurde, sodass doch eine Vollsperrung eingerichtet wurde.

Während der gesamten Bauphase habe es aber keine großen Beschwerden von Anliegern gegeben, sodass davon auszugehen sei, dass diese mit den Einschränkungen umzugehen wussten.

Im Bereich der Querung des Ostfrieslandwanderweges wird der Autoverkehr durch Rampen runtergebremst. Foto: Romuald Banik
Im Bereich der Querung des Ostfrieslandwanderweges wird der Autoverkehr durch Rampen runtergebremst. Foto: Romuald Banik

Werner Schlender (SPD) vertrat den Ortsrat Popens bei der Eröffnung. Er sei sehr zufrieden mit dem jetzigen Zustand der Straße. Allein die parkenden Autos seien an einigen wenigen Stellen noch ein Problem. Für Radfahrer habe sich vieles verbessert.

Erster Schutzstreifen für Radfahrer in Aurich

Das Parken ist eines der Dinge, die anders geworden sind auf dem rund 630 Meter langen Ausbauabschnitt. War es früher recht verbreitet, dass Autos an den Straßenrändern abgestellt wurden, ist dies nun verboten. Dieser Platz ist jetzt den Radfahrern vorbehalten. Sie haben an beiden Seiten der insgesamt acht Meter breiten Straße für Kraftverkehr einen je 1,50 Meter breiten Schutzstreifen bekommen.

Einen solchen Schutzstreifen gab es bisher nicht in Aurich. Er wird durch eine gestrichelte Linie von der Fahrbahn abgegrenzt und darf nur im Bedarfsfall, beispielsweise bei Begegnungsverkehr von Lastwagen, von Kraftfahrzeugen befahren werden. In den nächsten Tagen sollen Banner aufgehängt werden, die auf den Schutzstreifen und die Regeln hinweisen, so Ewerth.

Querung am Ostfrieslandwanderweg deutlich hervorgehoben

Die Gehwege sind durch Hochborde von der Fahrbahn getrennt. Der Platz in der Straße sei allerdings sehr knapp, sagte Ewerth. Auf einer Seite steht den Fußgängern ein gut 2 Meter breiter Gehweg zur Verfügung. Auf der anderen Seite ist dieser 1,53 Meter breit.

Dort, wo Radfahrer auf dem Ostfrieslandwanderweg die Popenser Straße queren, wurde rot gepflastert. Rampensteine sollen Autofahrer dort deutlich runterbremsen. Die Steine seien aber für den Linienbusverkehr geeignet, so Ewerth. Die Radfahrer auf der Popenser Straße werden auf eigenen Spuren sanfter über die Querung geleitet. Vor ihnen liegt nicht die Rampe, sondern eine Anpflasterung.

Rechts vor links ist Geschichte

Laut Ewerth wird die Entwicklung in diesem Bereich nun beobachtet. Ein Zählgerät ermittelt die Zahl der Radler auf der Popenser Straße und auf dem Ostfrieslandwanderweg.

Im Bereich der Popenser Straße wurde mit dem Umbau nun auch die Vorfahrtsreglung geändert. Die Radfahrer sollen Vorfahrt haben, deshalb ist die Rechts-vor-links-Regelung passé. In der gesamten Straße gilt Tempo 30.

Radfahrer haben nun einen Schutzstreifen, auf dem kein Auto parken darf und den Kraftfahrzeuge nur ausnahmsweise im Begegnungsverkehr befahren dürfen. Foto: Romuald Banik
Radfahrer haben nun einen Schutzstreifen, auf dem kein Auto parken darf und den Kraftfahrzeuge nur ausnahmsweise im Begegnungsverkehr befahren dürfen. Foto: Romuald Banik

Laut Stadtbaurätin Alexandra Busch-Maaß ist es für Radfahrer besonders attraktiv, wenn sie im Fahrfluss bleiben können. Dass die Popenser Straße als Fahrradstraße im Masterplan Radverkehr steht, sei jetzt noch nicht umgesetzt, aber auch noch nicht vom Tisch. Im Zuge des Verkehrskonzeptes sollten die Verkehrsströme und die Bedürfnisse der Verkehrsteilnehmer ganzheitlich betrachtet werden. Wichtig sei es grundsätzlich, Straßen für den Radverkehr attraktiver zu machen. Und das sei in der Popenser Straße schon jetzt gelungen.

Bürgermeister: Diskussion über Fahrradstraße weniger eng führen

Bürgermeister Horst Feddermann, dem von Radfahrlobbyisten zeitweise eine Nähe zum Autoverkehr unterstellt wurde, reagierte ungewöhnlich leidenschaftlich auf die Frage nach Fahrradstraßen. Er habe die Neutorstraße in Emden angeguckt, die man einfach zur Fahrradstraße erklärt habe – auch wenn dort der Autoverkehr vorherrschend sei. Auch in Bremen und anderen Städten würden die rechtlichen Vorgaben für Fahrradstraßen nicht so eng gehandhabt wie in der Auricher Diskussion. Zur Erinnerung: Der Grüne Weg ist als Fahrradstraße ausgewiesen worden, was dazu führte, dass Anwohner dort keine Autos mehr am Rand abstellen durften und dass die Straße nur noch für Anlieger freigegeben ist.

Wichtig sei es, die Diskussion nicht so sehr auf eine Nutzergruppe zu verengen, dass andere darauf negativ reagieren. „Wenn wir Fahrradstraßen wollen, müssen die auch Akzeptanz bekommen“, so Feddermann. Den Radverkehr weiterzuentwickeln sei grundsätzlich gut für die Verkehrsentwicklung in der Stadt. Wichtig sei es, Veränderungen so mit Anliegern, Gewerbetreibenden und den tatsächlichen Gegebenheiten abzustimmen, dass der Radverkehrsfluss gefördert wird.

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