Baustelle an Fockenbollwerkstraße Anlieger werden Planungsfehler wohl noch spüren
Laut dem Leiter der Landesstraßenbaubehörde gibt es noch viele offene Fragen bei der Baustellen-Umplanung. Und das Potenzial für Verzögerungen.
Aurich - Frank Buchholz von der Landesstraßenbaubehörde in Aurich klingt ernüchtert bis besorgt, wenn er über die Baustelle auf der Fockenbollwerkstraße spricht. Die viel befahrene Landesstraße wird einschließlich ihrer Nebenanlagen komplett erneuert und verändert. Die Planungen laufen seit Jahren - und wurden doch jäh auf den Kopf gestellt. „Für mich ist das jetzt der worst case“, so Buchholz.
Die Auswirkungen sind laut Buchholz gravierend, denn die Maßnahme ist umfangreich. Monatelang wurde im Vorfeld an einem Verkehrskonzept für die auf 18 Monate veranschlagte Bauzeit getüftelt, um die Anrainer so wenig zu belasten wie möglich. „Und die sind ja ohnehin schon heftig betroffen“, so der Behördenleiter.
Widerspruch zum Bürgermeister
Wie berichtet, hat die Stadt kurzfristig beschlossen, in diesem Umbaustadium ungeplanterweise noch den Regenwasserkanal zu erneuern und ihn dabei voraussichtlich auch tiefer zu legen. Laut Buchholz hat seine Behörde im Laufe der Planung sowohl das städtische Tiefbauamt als auch die Stadtentwässerung darüber informiert, dass der Abstand zwischen Regenwasserkanal und der Fahrbahn unüblich gering sein wird (Seite 1). Denn der Radweg, unter dem der Kanal verläuft, soll auf Fahrbahnniveau abgesenkt werden. „Das ist durchaus nicht erst im Juni neu aufgeploppt“, sagte Buchholz mit Blick auf eine Aussage von Bürgermeister Horst Feddermann. Der hatte gesagt, die Stadtverwaltung sei im Juni von der Baufirma auf das Problem hingewiesen worden.
Enge Kooperation zwischen Stadt und Landesbehörde
Die Stadt Aurich und die Landesstraßenbaubehörde haben bei der Planung zusammengearbeitet. Die Landesbehörde ist für die Fahrbahn der L 34 und den Radweg verantwortlich. Die Stadt für Gehwege, Kanäle, Parkstreifen und Beleuchtung. In enger Abstimmung hat die Stadt laut Frank Buchholz den Planungsauftrag für beide Behörden an ein Planungsbüro vergeben. Die Landesbehörde hat die Auftragsvergabe für beide Teile des Bauprojekts an das Bauunternehmen unterzeichnet.
Bilder der Kanalbefahrung habe seine Behörde aber in der Planungsphase nicht von der Stadt bekommen, so Buchholz. Deshalb sei ihm der Zustand der Rohre nicht bekannt gewesen. Fachlich halte die jetzige Entscheidung der Stadt nach Sichtung der Aufnahmen für das einzig Richtige.
Auf südlicher Fahrbahn soll Straße bis Jahresende wieder aufgebaut sein
Wie die Kanalerneuerung konkret ablaufen soll, müssten Stadt und das Planungsbüro nun schnell entscheiden, sagte Buchholz. Und der Auftrag müsse fix vergeben werden. Das sei wichtig, damit endlich Material bestellt werden könne. Bei den derzeitigen Lieferzeiten drohe sonst Verzug.
Auf der südlichen Fahrbahn stadtauswärts seien die Vorarbeiten nun so weit abgeschlossen, dass schweres Gerät zum Einsatz komme und die Baustelle in den Boden gehe. Bis Ende des Jahres sollten diese Arbeiten abgeschlossen sein - und die Nordseite in Angriff genommen werden. Doch da geht es nun zunächst um den Regenwasserkanal.
Buchholz rechnet mit komplizierten Arbeiten am Kanal
Es komme natürlich darauf an, wie dessen Erneuerung nun konkret ablaufen solle. Angesichts der Bodenverhältnisse, des anliegenden Seniorenheimes und der Feuerwehr sowie der vielen Leitungen im Boden sei diese Maßnahme aus seiner Sicht beispielsweise komplexer als die Kanalsanierung unter der L1 in Ochtelbur im vergangenen Jahr, sagte Buchholz. Die Anlieger der Nordseite werden ihm zufolge auf jeden Fall deutlich länger gebeutelt sein. Ab Jahresbeginn sei eine dritte Pflasterkolonne geordert. Er hoffe, dass an anderer Stelle bis dahin genug fertig sei, dass kein Leerlauf entstehe.
Spannend wird laut Buchholz noch, wie breit der Schacht wird, in dem der Regenwasserkanal verlegt wird. Die ursprüngliche Bauplanung sei mit Mühe so kalkuliert worden, dass immer Autofahrer und Radfahrer in eine Richtung passieren können. Sollte der Regenwasserkanal nun eine breitere Baugrube erfordern, könne es passieren, dass Radfahrer oder Autofahrer in beide Richtungen über eine andere Strecke geleitet werden müssen.
Kunden kommen nach langer Suche zu spät zu Terminen
Die anliegenden Betriebe und Arztpraxen spüren die Einschränkungen schon jetzt. Silvia Redmers betreibt mit ihrem Mann die Wäscherei und das Braut-Atelier Tüll und Spitze am Mühlenweg.
In der Wäscherei sei es deutlich ruhiger als sonst. Kunden von außerhalb mit Spezialreinigungswünschen fänden den Weg nicht. Das gelte auch für die Kunden im Brautatelier. Oft kämen sie von außerhalb - und deutlich verspätet, weil der Weg so schlecht ausgeschildert sei, so Redmers. Dass die Bauarbeiten so lange dauern, sei sehr ärgerlich und kaum nachvollziehbar.
Probleme für Rollstuhlfahrer
Während die Kunden fehlen, gebe es umso mehr Schleichverkehr im beschaulichen Mühlenweg. „Beim Frühstück ist das wie auf der Autobahn hier“, so Redmers. Abends ebenso.
Orthopäde und Unfallchirurg Dirk Nordhausen bekommt die Baustelle auch zu spüren. Mit dem Rollstuhl sei seine Praxis kaum zu erreichen. Und für ältere und an den Beinen verletzte Patienten nur mit Mühe. Nordhausen vermisst die Parkplätze, die es bislang vor seiner Praxis an der Straße gab. Die Stellplätze auf dem Grundstück reichten nicht für alle Patienten, zumal durch Zu-früh oder Zu-spät-Kommen wegen der Baustelle auch der Praxisplan ins Wanken gerate.
Baustopp droht an Auricher Verkehrsader
Planungsfehler ist Grund für Verzögerungen
Fockenbollwerkstraße weiterhin im Zeitplan
Großbaustelle droht erneute Verzögerung