Verbraucher achten aufs Geld  Im Supermarkt hat sich Einkaufsverhalten deutlich geändert

| | 17.10.2022 21:35 Uhr | 1 Kommentar | Lesedauer: ca. 5 Minuten
Das Leben in Deutschland hat sich in den vergangenen Monaten deutlich verteuert. Foto: DPA
Das Leben in Deutschland hat sich in den vergangenen Monaten deutlich verteuert. Foto: DPA
Artikel teilen:

Auricher greifen angesichts der Inflation im Supermarkt zu Eigenmarken und Sonderangeboten. Eingekauft wird auch an anderen Tagen.

Aurich - Bei 10 Prozent lag die Inflation im September und die Auricher halten angesichts drohender Nachzahlungen für Energie und des ohnehin meist teuren Jahresausklangs ihr Geld zusammen. Das ist auch in Auricher Supermärkten zu spüren.

Die Pressestellen der Discounter halten sich auf ON-Nachfrage zu dem Thema allerdings vergleichsweise bedeckt. Lidl möchte sich gar nicht zum Einkaufsverhalten seiner Kunden und der Umsatzentwicklung äußern. Aldi teilt auf Nachfrage lediglich mit, dass dem Unternehmen als Erfinder des Discount-Gedankens „gerade jetzt eine essenziell wichtige Rolle“ zukomme. 47 Prozent der Menschen in Deutschland müssten sich laut einer Umfrage aufgrund der Preissteigerungen sehr oder sehr stark einschränken, so die Aldi-Pressestelle.

Umsätze vor allem in der Preiseinstiegsklasse

Umsatzrückgänge verzeichnet der Bünting-Konzern aus Leer in seinen Famila- und Combi-Märkten nicht, wie Bünting-Sprecher Johannes Booken mitteilte: „Stattdessen verlagern sich die Umsätze in den Bereich der Preiseinstiegsklasse. Für mehr als 400 Produkte haben wir im Zuge unserer Aktion ,Inflationsstopp‘ den Preis bis Ende Oktober eingefroren.“ Dieses Angebot nehmen die Kunden laut Booken gerne wahr. Bünting fixiert bei dieser Aktion vor allem die Preise bei seinen günstigen Eigenmarken.

Thomas Bruns ist Inhaber des E-Centers am Dreekamp. Durch die Inflation und die Preissteigerungen greifen die Kunden ihm zufolge jetzt stärker auf Angebote und das Discountsortiment von Edeka zurück. „Unser Discountsortiment spiegelt die gleiche Preisschiene wie bei Aldi und Co., aber selbst hier entwickeln sich die Preise leider nach oben.“ Die Kunden reagieren auch darauf. Die Angebote im Handzettel werden noch stärker nachgefragt und das Kaufverhalten verlagert sich. „Der Samstag ist immer noch der stärkste Tag bei uns, verliert aber doch zugunsten des Montags – eben dann, wenn die neue Handzettel-Werbung gültig ist“, so Bruns.

Coordes: Der Trend wird sich noch verstärken

Laut Jens Coordes, dem Inhaber des E-Centers Parkkauf in Aurich, greifen die Kunden sehr verstärkt zur günstigen Eigenmarke von Edeka: „Wer das konsequent durchzieht, geht genauso günstig raus wie beim Discounter“, so Coordes.

Er erwartet, dass sich der Trend zum Kauf preisgünstiger Lebensmittel noch verstärken wird. Nach seinem Eindruck sind die Nachzahlungen für Energie, die auf fast alle Haushalte zukommen werden, noch gar nicht ganz im Bewusstsein der Kunden angekommen. „Für viele ist das noch nicht so greifbar, aber es kommt mehr und mehr an bei den Leuten“, so der Kaufmann. Coordes rechnet damit, dass der Trend zu Eigenmarken im Laufe des Winters noch zunimmt. Bislang kauften vor allem junge Kunden sehr preisbewusst.

Einkauf verlagert sich auf einen anderen Wochentag

Nicht nur der Griff ins günstige Sortiment ist zu beobachten. Coordes berichtet auch davon, dass die Kunden an den Frischetheken auf höherpreisige Spezialitäten verzichten und sehr gezielt nach den Sonderangeboten fragen. Das sei auch generell zu beobachten. Mehr als sonst achten die Kunden im E-Center Parkkauf in allen Bereichen auf Wochenangebote.

Und sie kaufen auch immer stärker donnerstags ein. „Die Kunden merken langsam, dass sich durch den Gutschein, den sie auf ab einem Warenwert von 75 Euro donnerstags an der Kasse kriegen, echtes Geld sparen lässt.“

Die Verbraucher machen sich nach der Beobachtung zweier Auricher Händler deutlich mehr Gedanken über ihren Einkauf als bisher. Foto: DPA
Die Verbraucher machen sich nach der Beobachtung zweier Auricher Händler deutlich mehr Gedanken über ihren Einkauf als bisher. Foto: DPA

Nicht alle Lebensmittel sind vom Sparwillen gleichermaßen betroffen. Keinen Rückgang der Nachfrage beobachtet Coordes im Gemüsebereich – auch wenn es sich beispielsweise um exotisches Obst handelt. Auch der Veggie-Bereich boome nach wie vor. Und ohne Veränderung ist nach seiner Beobachtung der Bereich der Bio-Waren.

Diskrepanz zwischen Preisschild am Regal und Kasse allenfalls morgens

Die Einkaufsmärkte stehen auf sozialen Plattformen wie Facebook hin und wieder in der Kritik, dass sie inzwischen Tagespreise verlangen würden. Und dass Waren an der Kasse teils teurer seien als am Regal ausgewiesen.

Laut Coordes ist dies aber keine Folge schwankender Marktpreise. „Wir bekommen jeden Morgen bis zu 600 Änderungen zu Produkten mitgeteilt“, so der Kaufmann. Mal ändere sich eine Nummer, mal ein Händler, mal der Preis. Allmorgendlich gebe es im Markt eine Menge Arbeit zu erledigen. Die Mitarbeiter kämen meist erst am Vormittag dazu, neue Etiketten an den Regalen zu stecken. So könne es vorkommen, dass im Kassensystem schon ein anderer Preis eingebucht sei.

Trend zum „Tagespreis“ beim Discounter

Generell werde bei Parkkauf beim Obst und Gemüse wöchentlich, in einigen Fällen zweimal wöchentlich der Preis angepasst.

Aldi arbeitet in seinen Wochen-Prospekten in jüngster Zeit verstärkt mit der Angabe „Tagespreis“ für Obst und Gemüse. Laut Aldi-Pressestelle liegt das daran, dass wegen vieler Unwägbarkeiten insbesondere frische Artikel noch höheren kurzfristigen Preisschwankungen am Markt unterliegen, als ohnehin schon üblich. Die Auswirkungen der Coronakrise, Verwerfungen in den weltweiten Liefer- und Logistikketten, steigende Energiepreise und der Krieg in der Ukraine wirken tagesaktuell auf die Preise am Markt und schränken langfristige Planungen ein.

Da das Kundenmagazin mit einigen Wochen Vorlauf produziert werde, verweise Aldi bei einigen Artikeln auf tagesaktuelle Preise. „So können wir im Sinne unserer Kunden auch kurzfristig auf mögliche Preissenkungen reagieren und ihnen das bestmögliche Preis-Leistungsverhältnis anbieten.“

Ähnliche Artikel