Wiederbelebung von Strecken in Ostfriesland  Bahn-Gutachten kommt für VEJ genau zur richtigen Zeit

| | 13.10.2022 22:00 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
VEJ-Geschäftsführer Tilli Rachner stellte die Studie am Donnerstag im Wittmunder Kreishaus vor. Foto: Romuald Banik
VEJ-Geschäftsführer Tilli Rachner stellte die Studie am Donnerstag im Wittmunder Kreishaus vor. Foto: Romuald Banik
Artikel teilen:

Seit Jahren wird über die mögliche Wiederbelebung von Bahnstrecken in Ostfriesland diskutiert, vor allem in Aurich. Tilli Rachner sieht derzeit beste Voraussetzungen, endlich voran zu kommen.

Aurich/Wittmund - Aus Sicht von Tilli Rachner kommt das neue Gutachten zu möglichen neuen Bahnstrecken in Ostfriesland genau zur richtigen Zeit. „Ich bin überzeugt, dass das ein Schwerpunkt der neuen Landesregierung sein wird“, sagte der Geschäftsführer der Verkehrsregion Ems-Jade (VEJ) am Donnerstag bei der Vorstellung des Gutachtens in Wittmund. Und VEJ-Vorsitzender Holger Heymann, Landrat des Landkreises Wittmund, ergänzte: „Um die Ziele der Verkehrswende zu erreichen, können Reaktivierungen von Schienenstrecken einen erheblichen Beitrag leisten.“ Solche Strecken seien immer ein wichtiger Standortfaktor für die wirtschaftliche Entwicklung einer Region.

Diese Strecken wurden im Gutachten geprüft. Grafik: VEJ/BPV Consult
Diese Strecken wurden im Gutachten geprüft. Grafik: VEJ/BPV Consult

Die VEJ hat deshalb vor einiger Zeit ein Gutachten bei der Beratungsfirma BPV Consult aus Koblenz in Auftrag gegeben, um zu untersuchen, welche Strecken am ehesten wiederbelebt oder neu gebaut werden könnten. Geschaut wurde unter anderem, wie Aurich als größte niedersächsische Stadt ohne Schienenpersonenverkehr wieder angebunden werden könnte – sei es in westlicher (Abelitz/Emden), südlicher (Leer) oder östlicher Richtung (Esens/Wittmund).

Ähnliche Artikel

Aurich-Abelitz ist „naheliegendste Variante“

Im nun präsentierten Ergebnis landet die Strecke Aurich-Abelitz-Emden ganz vorne. „Das ist eindeutig die naheliegendste Variante.“ Der Neubau einer Linie in südlicher Richtung nach Leer oder über Timmel Richtung Neermoor sei kaum umsetzbar, so Rachner.

Auf der Strecke Aurich-Emden gebe es viel Pendlerverkehr und der Raum sei mit den beiden größten ostfriesischen Städten und der Gemeinde Südbrookmerland relativ dicht besiedelt. Für Fernreisende sei die Frage, ob es per Bus vom Bahnhof Leer nicht schneller wäre als über Emden nach Aurich, zweitrangig, ist Rachner überzeugt.

Ein Ziel ist Anbindung weiterer Fährhäfen

Ein zentraler Punkt der Untersuchung sei zudem die Anbindung der Küste. „Die Anbindung der Fährhäfen zu den Inseln an den Bahnverkehr ist aus touristischer Sicht von herausragender Bedeutung“, erklärte Frieslands Landrat Sven Ambrosy. Von den Fährhäfen sind zurzeit nur Emden und Norddeich mit den Inseln Borkum, Norderney und Juist angebunden. Neßmersiel, Bensersiel, Neuharlingersiel und Harlesiel mit den Inseln Baltrum, Langeoog, Spiekeroog und Wangerooge haben keine Bahnanbindung.

Selbst für eine Strecke wie Emden-Greetsiel sieht das Planungsbüro gute Möglichkeiten. Für die Stadt Wiesmoor (13.000 Einwohner) gebe es allerdings derzeit keinen Vorschlag, sie an das Bahnnetz anzubinden, räumte Rachner ein.

Weitere Gutachten für drei Strecken geplant

Für die drei Bahnstrecken, die im Gutachten am besten bewertet wurden, nämlich Aurich-Abelitz, Norden-Esens und Varel-Zetel, sollen nun weitere Untersuchungen in Auftrag gegeben werden. Für die beiden letztgenannten Strecken macht das die VEJ, für Aurich-Abelitz der Landkreis Aurich. Untersucht werden soll dann auch das Nutzen-Kosten-Verhältnis, das am Ende entscheidend für die Realisierung sein dürfte.

Ob die 20 Millionen Euro, die BPV im Gutachten laut Rachner für eine „einfache“ Straßenbahn-Variante nennt, realistisch sind, bleibt abzuwarten. Denn bereits 2014 wurden bei der Planung des ersten Ausbauversuchs der Bahnstrecke nach Abelitz mit Kosten von bis zu 126 Millionen Euro gerechnet. Allein der Lärmschutz sollte seinerzeit mit einer zweistelligen Millionensumme zu Buche schlagen. Die Pläne, die auch die Verbreiterung der Trasse bis nach Emden vorsahen, scheiterten nach dem Rückzug von Enercon.