Behörden-Neubau in Aurich Staatsanwälte bald alle unter einem Dach
Viele Jahre lang dauerten die Planungen, es gab Verzögerungen und Kostensteigerungen. Doch jetzt steht das neue Gebäude für die Strafverfolgungsbehörde. Eine besondere Aufgabe wartet im Keller.
Aurich - Insgesamt sechs Übergänge wird es künftig vom Altbau in den Neubau geben. So können sich die rund 100 Mitarbeiter der Staatsanwaltschaft Aurich künftig alle unter einem Dach bewegen. Nach vielen Jahren der Planungen und dem Baubeginn vor gut zweieinhalb Jahren steht der markante Neubau zwischen Julianenburger Straße und Schlossplatz nun vor der Fertigstellung.
Die Fassadenarbeiten sind zum größten Teil abgeschlossen, der idyllische Innenhof mit Sitzgelegenheiten für die Mitarbeiter wurde bereits bepflanzt. Anfang des neuen Jahres sollen rund 50 Mitarbeiter, die bisher größtenteils in der Außenstelle an der Emder Straße (früheres Polizeigebäude) saßen, schrittweise umziehen. Das berichteten die Verantwortlichen vom Staatlichen Baumanagement Nord-West und der Staatsanwaltschaft den ON bei einer Baustellenbegehung.
Neuer Eingang gibt „neues Gesicht“
Der Eingang für Besucher der Behörde ist künftig in Richtung Julianenburger Straße, gegenüber dem Bundesamt für Verwaltungsdienstleistungen (BAV). Dort entsteht das „neue Gesicht der Staatsanwaltschaft“ mit barrierefreiem Zugang über eine Rampe und dem gesicherten Ein- und Ausgang. Der bisherige Eingang zum Schlossplatz wird geschlossen.
Der Neubau ist vollständig unterkellert. In den Keller werden dreieinhalb Kilometer Akten und Asservate aus Strafverfahren eingelagert, die derzeit noch im Garagentrakt der Außenstelle Emder Straße untergebracht sind. Das werde eine anspruchsvolle Aufgabe, sagte Leitender Oberstaatsanwalt Florian Eiser.
Gründung auf mehr als 70 Pfählen
Eine Herausforderung war auch die Gründung des Gebäudes, für die mehr als 70 Pfähle in den Boden getrieben wurden. Im Erdgeschoss entsteht außerdem ein Vernehmungs- und Besucher zimmer, das es so bisher nicht gab. Außerdem gibt es einen Fahrstuhl, anders als im Altbau aus den 1960er-Jahren.
Die Leiterin des Staatlichen Baumanagements Nord-West, Cristina v. Pozniak-Bierschenk, sprach von einem Bauvorhaben, „das alle Krisen erlebt hat“, von Corona bis zur Materialknappheit. Man sei zwar nicht von Lieferengpässen verschont geblieben. Doch insgesamt sei alles weitgehend rundgelaufen. „Und wir haben das Grundstück sehr gut ausgenutzt“, so die Diplom-Architektin.
Baukosten verdreifacht
Die Baukosten haben sich allerdings in den vergangenen zwölf Jahren verdreifacht. 2010 war noch von 3,5 Millionen Euro die Rede, 2014 von 6,5 Millionen Euro, 2018 von 7,8 Millionen Euro, 2019 dann von 8,4 Millionen Euro, Ende 2021 von neun Millionen Euro – und die aktuelle Schätzung liegt bei rund 10,5 Millionen Euro. Wie berichtet, geht die Vorgeschichte des lang ersehnten Neubaus mehr als zwölf Jahre zurück und war voller Schwierigkeiten. Zunächst war geplant, eine Investoren-Mieter-Lösung gemeinsam mit der Stadt Aurich umzusetzen. Doch daraus wurde nichts. Schließlich sollte es 2015 endlich losgehen, doch immer wieder gab es Verzögerungen.
Im Mai 2020 wurde schließlich in Anwesenheit von Justizministerin Barbara Havliza (CDU) der erste Spatenstich gefeiert. Der Bau soll, so hieß es, ein „markantes architektonisches Zeichen“ setzen nahe dem Schloss-Ensemble mit Marstall, Staatsanwaltschaft und der gegenüberliegenden Bundesbehörde BAV. Deshalb kamen bei der Fassade ortstypische Verblendziegel zum Einsatz.
Zwei Dutzend Parkplätze für Landesbehörden
Ein Thema, das immer wieder für Diskussionen sorgt, sind die Parkplätze im Auricher Schlossviertel. Zur Julianenburger Straße hin entstehen mit dem Neubau rund zwei Dutzend Plätze. Diese dürfen von allen Mitarbeiter der Landesbehörden genutzt werden. Die Zufahrt erfolgt nicht mehr über die Julianenburger Straße, sondern über die Seite am Burgtor.
Energetisch ist das neue Gebäude auf dem neuesten Stand – mit moderner Dämmung und LED-Beleuchtung. Ein „Wermutstropfen“ ist laut Behördenchef Florian Eiser die Gasheizung. Doch als der Neubau geplant wurde, war die Energiekrise noch nicht absehbar.
Warm wird es voraussichtlich ab Anfang des neuen Jahres in dem neuen Gebäude mit einer Bruttogrundfläche von rund 2800 Quadratmetern. Dann sollen die ersten Mitarbeiter schrittweise umziehen – unter ein gemeinsames Dach mit ihren Kollegen.