Landtagswahl in Niedersachsen  Wo in Südbrookmerland die Stimmen der AfD herkommen

| | 10.10.2022 16:44 Uhr | 1 Kommentar | Lesedauer: ca. 3 Minuten
„Scholz & Co. die Quittung geben“, nennt es die AfD. In Südbrookmerland und insbesondere in Moordorf scheint das damit anvisierte Ziel erreicht worden zu sein. Rund jeder vierte Wähler gab seine Zweitstimme der umstrittenen Partei. Foto: Holger Janssen
„Scholz & Co. die Quittung geben“, nennt es die AfD. In Südbrookmerland und insbesondere in Moordorf scheint das damit anvisierte Ziel erreicht worden zu sein. Rund jeder vierte Wähler gab seine Zweitstimme der umstrittenen Partei. Foto: Holger Janssen
Artikel teilen:

Die umstrittene AfD hat in Südbrookmerland ihr bestes Ergebnis im Wahlkreis Aurich geholt. Drei Ortsteile stechen dabei heraus. Was die Ortsvorsteher sagen.

Südbrookmerland - Am Tag nach der Landtagswahl in Niedersachsen sind in Südbrookmerland viele immer noch schockiert vom Abschneiden der AfD in der Gemeinde. Eine Partei, die im Landtag seit Langem zerstritten ist und unter anderem wegen Verbindungen zu rechtsextremistischen Organisationen vom Verfassungsschutz beobachtet wird, kommt in Südbrookmerland auf mehr als 20 Prozent der Wählerstimmen.

Nirgendwo sonst im Wahlkreis Aurich holte die Partei ein so starkes Ergebnis und auch landesweit dürfte Südbrookmerlan in Sachen AfD-Wählergunst weit oben stehen. „Wo sitzen die AfD-Wähler“ wurde am Wahlabend im Südbrookmerlander Rathaus gefragt. Vor allem in Moordorf, Uthwerdum und Münkeboe lautet die Antwort.

Jede vierte Stimme für die AfD

In diesen drei Ortsteilen votierten auf Gemeindeebene prozentual die meisten Menschen für die häufig als rechtsradikal und verfassungsfeindlich bezeichnete Partei. In Moordorf etwa gab mit 26,03 Prozent mehr als jeder Vierte seine Stimme der AfD. In Uthwerdum (24,59 Prozent) und Münkeboe (24,09) Prozent holte die Partei ähnlich starke Ergebnisse.

Für den Moordorfer Ortsvorsteher Stefan Kleinert (SPD) ist das Wahlergebnis ganz klar ein Ausdruck des Protests. Dessen Ursachen seien aber nicht in Hannover und schon gar nicht in Südbrookmerland zu suchen, sondern vielmehr bei der Bundesregierung. Auch glaubt Kleinert nicht, dass sein Ortsteil durch das AfD-Ergebnis nun zu einer Hochburg der Partei geworden ist.

„Wir haben ja nicht plötzlich fast 30 Prozent Rechtsradikale.“

„Wir haben ja nicht plötzlich fast 30 Prozent Rechtsradikale.“ Die Folge des Ergebnisses dürfe nun keine Beschimpfung der Wählenden nach dem Motto „Wie könnt ihr nur?“ sein. Stattdessen müsse nach den Ursachen für die Unzufriedenheit gesucht werden. Die AfD habe auf viele komplexe Fragen einfache Antworten gegeben. Zwar ließen sich diese häufig gar nicht umsetzen. Dennoch müsse man sich fragen, ob man selbst immer die richtigen Antworten geben könne.

Gerold Meyer (FWG), Ortsvorsteher von Uthwerdum, tut sich mit einer Erklärung des AfD-Ergebnisses in seinem Ortsteil schwer. „Ich habe keine Erklärung dafür“, sagt er gegenüber den ON. Auch er geht davon aus, dass die Stimmen vor allem von Menschen kommen, die mit der aktuellen Politik unzufrieden sind. „Die fahren auf die AfD-Propaganda ab und fallen darauf herein“, so Meyer. Inhaltlich habe die Partei schließlich kaum etwas anzubieten. Aber es gelinge ihr, die Menschen davon zu überzeugen, dass mit ihr an der Macht alles besser werde. Das sich viele der gemachten Versprechungen gar nicht umsetzen ließen, werde dabei außer Acht gelassen. Einige, die sich vor der Wahl offen zur AfD bekannt haben, kennt Meyer nach eigenen Angaben persönlich. „Die wissen gar nicht, was sie da machen und haben sich kaum intensiver mit der Sache beschäftigt“, so der FWG-Mann.

Münkeboer verbürgt sich für seine Nachbarn

Überhaupt keine Erklärung für das Abschneiden der AfD in seinem Ortsteil hat der Münkeboer Ortsvorsteher Erich Brungers. Im Ort kenne man sich, viele Einwohner seien dort aufgewachsen. Im Alltag erlebe er nicht, dass sich irgendjemand zu einem echten Anhänger der AfD entwickelt habe. „Dafür lege ich meine Hand ins Feuer.“ Wie seine Amtskollegen geht auch Brungers davon aus, dass es vor allem die sogenannten Protestwähler waren, die die AfD in Münkeboe so stark gemacht haben.

Für die Theorie der drei Ratsleute spricht, dass die AfD in der Südbrookmerlander Politik bislang überhaupt keine Rolle spielt. Selbst Wahlplakate der Partei waren in der Gemeinde rar gesät. Und dennoch spricht das Ergebnis für sich. Das gemeinsame Ziel der Südbrookmerlander Politik ist nun, diesen Trend umzukehren.

Ähnliche Artikel