Viel Fördergeld der EU  Ostfriesland bekommt einen Regionalmanager

| | 06.10.2022 13:21 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Bei der Förderbescheid-Übergabe in Aurich (vordere Reihe von links): Matthias Groote (Landrat Leer), Olaf Meinen (Landrat Aurich), Tim Kruithoff (OB Emden) und Matthias Wunderling-Weilbier (Staatssekretär Europaministerium) sowie (hintere Reihe von links) Wiard Siebels (Landtagsabgeordneter), Marco Stüber (Firma M-Con), Nikolaus Jansen (Amt für regionale Landesentwicklung) und Holger Heymann (Landrat Wittmund). Foto: Aiko Recke
Bei der Förderbescheid-Übergabe in Aurich (vordere Reihe von links): Matthias Groote (Landrat Leer), Olaf Meinen (Landrat Aurich), Tim Kruithoff (OB Emden) und Matthias Wunderling-Weilbier (Staatssekretär Europaministerium) sowie (hintere Reihe von links) Wiard Siebels (Landtagsabgeordneter), Marco Stüber (Firma M-Con), Nikolaus Jansen (Amt für regionale Landesentwicklung) und Holger Heymann (Landrat Wittmund). Foto: Aiko Recke
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Es gab schon einige Versuche für mehr Zusammenarbeit in der Region, nicht wenige blieben erfolglos. Nun gibt es einen neuen Anlauf, unterstützt durch viel Fördergeld der EU.

Aurich - Ein „digitaler Marktplatz“, die gemeinsame Vermarktung von Produkten oder Gründerförderung: Wofür die knapp fünf Millionen Euro EU-Gelder am Ende wirklich konkret eingesetzt werden, konnte bei der Übergabe des Förderbescheids für die „Zukunftsregion Ostfriesland“ noch keiner so ganz genau sagen. Doch weil Fördergelder immer eine gute Sache sind, waren die im Auricher Hotel am Schloss versammelten Landräte Olaf Meinen (Aurich), Matthias Groote (Leer) und Holger Heymann (Wittmund) sowie der Emder Oberbürgermeister Tim Kruithoff bester Dinge.

Die Verwaltungschefs beteuerten, sie würden ihre Zusammenarbeit nun „noch weiter intensivieren“. Das soll mithilfe eines Regionalmanagers passieren, der in einem eigenen Büro in Aurich für die entsprechende Vernetzung sorgen soll.

15-köpfige Steuerungsgruppe

Außerdem wird eine 15-köpfige „Steuerungsgruppe“ gegründet, in der neben den Landräten und dem Oberbürgermeister Vertreter von Kammern und Gewerkschaften sitzen sollen. Mit einem politischen Gremium wie dem Regionalrat Ostfriesland, der 2016 krachend gescheitert war, habe das nichts zu tun, beteuerten die Beteiligten.

Der Staatssekretär im niedersächsischen Europa- und Regionalministerium, Matthias Wunderling-Weilbier, sagte in Aurich: „Auch wenn Ostfriesland eine historisch gewachsene Region ist, war sie bisher institutionell bislang noch nicht hinreichend aufgestellt. Dieser Schritt wird mit der Zukunftsregion vollzogen. Ich bin überzeugt, dass sich die bereits gelebte Zusammenarbeit mit dem Aufbau eines schlagkräftigen Regionalmanagements und den finanziellen Möglichkeiten des Programms weiter vertieft.“

Landrat Meinen sieht „tolle Chance für uns als Küstenregion“

„Innovative Ideen mit bestehenden Strukturen kombinieren und das gemeinsame kulturelle Erbe weitertragen: Das ist eine tolle Chance, die sich uns bietet. Als Küstenregion haben wir viele Vorteile, die es anderswo nicht gibt und die ein hohes Potenzial bieten“, meinte der Auricher Landrat Olaf Meinen.

Außerdem festige die Förderung die bereits in vielen Bereichen bestehende Zusammenarbeit der ostfriesischen Landkreise und der Stadt Emden, so Meinen. Der Leeraner Landrat Matthias Groote meinte: „Früher haben wir uns die Köpfe eingeschlagen. Jetzt können wir gemeinsam sinnstiftende Projekte auf den Weg bringen.“ Der Emder Oberbürgermeister Tim Kruithoff sagte: „Ich glaube, dass man in Ostfriesland noch mehr zusammenarbeiten kann.“ Es gebe „viele Ansätze, die danach schreien“.

Sechs Themenfelder von Digitalisierung bis Tourismus

Marco Stüber von der Oldenburger Beratungsfirma Mcon, die das Projekt begleitet, nannte sechs Themenfelder: Digitalisierung (etwa ein virtueller Marktplatz für Unternehmen), Gründer-Förderung, innovative Arbeitsorte (etwa Co-Working-Spaces), Technologietransfer, kulturelle Identität sowie Tourismusentwicklung.

Das Programm „Zukunftsregionen in Niedersachsen“ beinhaltet rund 96 Millionen Euro aus EU-Mitteln für 14 „Zukunftsregionen“ in Niedersachsen. Es bietet aber lediglich eine Kofinanzierung. Das heißt, 60 Prozent der Projektkosten müssen die Kommunen beisteuern. Insgesamt könnten für Projekte zwischen 2023 bis 2029 also 12,5 Millionen Euro reserviert werden. Man sehe die EU-Förderung daher als „Hebeleffekt“, hieß es unisono.

Kritiker äußerten Befürchtungen

Doch manch einer schaut kritisch auf derartige Förderprojekte. Bei einer Vorstellung der „Zukunftsregion“ im Kreis-Wirtschaftsausschuss Ende Juni hatte die Auricher FDP-Kreistagsabgeordnete Sarah Buss ausgesprochen, was wohl viele dachten: „Viel Konkretes habe ich jetzt nicht gehört. Ich hoffe, dass wir nicht ein neues Gremium schaffen, wo vieles versickert. Die Gefahr sehe ich. Wir müssen die PS auch auf die Straße bringen und bei den Fördergeldern gucken, ob sie sinnvoll angelegt werden.“

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