Jubiläum und Schlussstrich 50 Jahre als Mann an der Wahlurne
Nach 50 Jahren als Wahlhelfer in Victorbur ist für Hinni Goes Schluss. Mit den ON sprach er über heitere und schockierende Erlebnisse.
Südbrookmerland - Ohne sie würde bei den Wahlen auf Kommunal-, Landes-, Bundes- und Europaebene wohl vieles nicht so klappen, wie es Wählerinnen und Wähler gewohnt sind: Dutzende Wahlhelfer sind jedes Mal in den verschiedenen Wahllokalen in Südbrookmerland im Einsatz, wenn ein neues Parlament gewählt wird. Einer der dienstältesten Wahlhelfer in der Gemeinde ist Hinrich „Hinni“ Goes aus Victorbur. Seit fünf Jahrzehnten ist er jedes Mal zur Stelle, um für einen reibungslosen Ablauf in „seinem“ Stimmbezirk zu sorgen. Bei der Landtagswahl am Sonntag wird der 82-Jährige zum letzten Mal im Einsatz sein. Gemeinsam mit den ON blickt er auf Erlebnisse seiner 50-jährigen Tätigkeit zurück.
Meist, so Goes, seien es stets die gleichen Menschen, die in den 22 Südbrookmerlander Wahllokalen als Helfer aktiv sind. Eingespielte Teams also, was für die Abläufe vorteilhaft ist. Jeder weiß, was er zu tun hat. Seit 1972 gehört Goes selbst zu einem dieser eingespielten Teams, nämlich im Stimmbezirk 291 West-Victorbur. Ursprünglich wurden die Wahlberechtigten in der ehemaligen Gaststätte „Friesenhof“ der Familie Hansen an die Urnen gerufen.
Ehrenamt bei Teeund Kuchen
„Am Wahlsonntag servierte Gastwirt Hermann Hansen unserer Mannschaft Tee und Kuchen“, erinnert sich Goes. Vereinzelt habe es aber auch das eine oder andere Kaltgetränk von spendierfreudigen Wählern gegeben, berichtet der 82-Jährige mit einem Schmunzeln. Später wurde das Wahllokal in die Grundschule West-Victorbur verlegt. Los ging es für Goes, wie in den meisten Fällen, als Beisitzer. Während seiner 50-jährigen Amtszeit habe er viele interessante und spannende Begebenheiten erlebt. So habe sich die Gemeinde zur Bundestagswahl im Jahr 1987 etwas Besonderes für ihre Wahlhelferinnen und Wahlhelfer einfallen lassen. Allen, die mindestens zehnmal „gesessen“ hatten, wurde eine dunkelblaue Krawatte mit eingewebtem Gemeindewappen überreicht.
Natürlich konnte der damalige Verwaltungschef Werner Meyer bei der Vielzahl der Jubilare diese Ehrungen nicht persönlich vornehmen, sodass einige Wahlvorsteher damit beauftragt wurden. Goes, mittlerweile selbst Wahlvorsteher in seinem Stimmbezirk geworden, durfte somit im Lehrerzimmer der Grundschule eine Krawatte an seinen dienstältesten Mitstreiter Willi Blumhoff überreichen. „Der wusste bis dato nichts von dem ,Wahlgeschenk‘ der Gemeinde“, so Goes. „De Schlips is prima. Up de Beförderung gäv ik en ut“, habe er daraufhin gesagt. Ob es dann bei einer Runde geblieben ist, ist laut Goes nicht überliefert. Einige Jahre später wurde erneut Krawatten verteilt. Stellvertretend für alle Wahlhelfer im Kreisgebiet wurden den Victorburern diese als Geschenk des Landkreises überreicht.
„In solchen Fällen hätte man besser auf den Urnengang verzichten sollen.“
Für Unverständnis und Heiterkeit zugleich sorgen bei der Auszählung der Stimmen immer wieder Stimmzettel, die statt mit den üblichen Kreuzen mit sinnlosen Protestäußerungen und anderen Kritzeleien versehen wurden. „In solchen Fällen hätte man besser auf den Urnengang verzichten sollen“, so Goes.
Grund zur Heiterkeit gibt es allerdings nicht immer. So hatten Unbekannte in der Nacht vor der Bundestagswahl 2017 ihr Unwesen auf dem Victorburer Schulhof getrieben und den Wahlhelfern damit eine Menge Arbeit beschert. „Am besagten Wahlsonntag war der Schulhof, der bei den Wahlen als Parkfläche dient, komplett mit Glasscherben übersät“, erinnert sich Goes. Mittendrin habe eine leere Bierkiste gestanden. „Ohne zu zögern haben meine Mitstreiter der Vormittagsschicht und ich uns mit Besen und Schaufeln bewaffnet und den Unrat beseitigt, sodass die Wahl nach dieser ungewollten Frühsporteinlage pünktlich um 8 Uhr eröffnet werden konnte.“ Bei den im Vorjahr stattgefundenen Wahlen mussten coronabedingt besondere Vorkehrungen getroffen und gewisse Hygienemaßnahmen beachtet werden. Ebenfalls etwas, das Goes in den Jahrzehnten zuvor noch nicht erlebt hatte.
Nach 50 Jahren an der Wahlurne ist für den Victorburer nach der Wahl am Sonntag Schluss. Er möchte sein Ehrenamt in jüngere Hände legen. Bei der Gemeindeverwaltung und in seinem Team ist das bereits bekannt. Zu beiden Seiten pflegte der 82-Jährige stets ein vertrauensvolles Verhältnis. „Es war ein gutes Miteinander. Für mich ist nun das nicht alltägliche Jubiläum ein schöner Abschluss“, so Goes zufrieden.