Autofabrik in Emden VW-Werk richtet Krisenstab für Gasversorgung ein
In der riesigen Autofabrik versucht man jetzt verstärkt Energie einzusparen. Daneben gibt es vor allem zwei große aktuelle Herausforderungen, wie bei der Betriebsversammlung am Freitag deutlich wurde.
Emden - Intensiv beschäftigen wird die Verantwortlichen im Emder VW-Werk in den kommenden Monaten die Versorgungssicherheit mit Erdgas. Es sei ein Krisenstab eingerichtet und es würden verstärkt Einsparungsmaßnahmen umgesetzt, sagte Werksleiter Uwe Schwartz am Freitag bei einer Betriebsversammlung vor rund 4000 Beschäftigten.
Weitere akute Themen seien die Teileverfügbarkeit und der Anlauf des ersten reinen Emder Elektroautos ID 4. Bis Ende des Jahres sollen das Niveau gesteigert werden auf 700 Fahrzeuge pro Tag. Gleichzeitig werden bereits die ersten Vorserien der ID Aero Limousine gefertigt, der Aero Variant wird in die Fertigung eingebunden. Mit der Aero Limousine ab Sommer 2023 und dem Aero Variant ab 2024 werde man an die langjährige Passat-Tradition anknüpfen, sagte Werksleiter Schwartz. „Noch ist der Aero ein gut gehütetes Geheimnis in unseren Hallen. Aber wir können uns auf ein emotional packendes Fahrzeug freuen, das mit einer hohen Reichweite von mehr als 600 Kilometern, einem außergewöhnlichen Platzangebot und einem Premium-Interieur überzeugt. Nach dem ID 4 wird der ID Aero das nächste Weltauto für Europa, China und die USA. Und Emden hat einen Riesen-Anteil daran.“
Personalvorstand aus Wolfsburg angereist
Aus der Konzernzentrale in Wolfsburg war VW-Personalvorstand Gunnar Kilian nach Emden gereist. Er sagte: „Weil Volkswagen sich immer wieder verändert und weiterentwickelt hat, ist Volkswagen erfolgreich Volkswagen geblieben. Deshalb treiben wir die Transformation des Konzerns zum softwareorientierten und nachhaltigen Mobilitätsanbieter weiter konsequent voran. Die Transformation des Standortes Emden steht symbolisch dafür. Mit den vollelektrischen Produkten wie dem ID 4 und dem Aero ist das Werk sehr gut für die Zukunft gerüstet. Diese gestalten wir zusammen mit der Belegschaft. Das zeigt unsere Qualifizierungsoffensive am Standort, die weiter auf Hochtouren läuft.“
Betriebsrat: Modernisierungen und 130 neue Parkplätze für Belegschaft
Betriebsratsvorsitzender Manfred Wulff begrüßte vor allem rund 1600 neue Kollegen sowie Auszubildende. In seinem Bericht ging er unter anderem auf den Modernisierungsfonds und die Entwicklung der Ausbildungsberufe ein, unterstrich die Bedeutung der gewerblich-technischen Berufe und forderte zusätzliches Bewerbermarketing für diese Berufsgruppen.
„Der Modernisierungsfonds ist ein Erfolg des Betriebsrats. Für fünf Jahre investieren wir in Emden jährlich rund 1,8 Millionen Euro in Modernisierungen, die den Kollegen direkt zu Gute kommen. Ein neuer Fahrradständer und ein Kommunikationscafé sowie neue Team- und Pausenräume sind einige der ersten Projekte. Zudem haben wir 130 neue Parkplätze als Erfolg verbucht und das Management aufgefordert, endlich eine nachhaltige Lösung zu finden“, so Wulff.
Lohnforderung: „Für Zurückhaltung gibt es keinen Grund“
Der Betriebsratschef unterstrich die Forderung der IG Metall zur laufenden Tarifrunde: „Unsere Forderung von acht Prozent mehr Geld ist mehr als gerechtfertigt. Für Zurückhaltung gibt es keinen Grund. Die Preise explodieren, das merken wir alle vor dem Supermarktregal und an der Tankstelle. Und gewiss auch diesen Winter mit Blick auf die Energiekostenabrechnung.“