Auricher Reaktionen auf Rede im Bundestag Linken-Ratsherr findet Wagenknecht für Partei weiter wertvoll
Mehrere prominente Mitglieder traten nach einer umstrittenen Rede aus. Reinhard Warmulla dagegen kann die harte Kritik an der Politikerin nicht nachvollziehen – und gibt ihr in einigen Punkten Recht.
Aurich - Nicht nachvollziehen kann der Auricher Linken-Ratsherr Reinhard Warmulla die teils harsche Kritik an seiner Parteikollegin Sarah Wagenknecht. „Natürlich überspitzt sie und vergreift sich manchmal in der Wortwahl. Aber sie ist weiter für unsere Partei wertvoll. Wir müssen das aushalten und verschiedene Ansichten tolerieren. Das ist mein Anspruch als Linker“, sagte Warmulla auf ON-Anfrage. Grundsätzlich teile der Wagenknechts Kritik an der Politik der Nato. Er glaube, es gebe genug Ansätze, den Krieg in der Ukraine zu beenden. „Krieg ist immer eine Niederlage für die Menschheit.“
„Ich freue mich, dass wir einen Bundeskanzler haben, der mit Putin telefoniert und besonnen agiert“, sagte Warmulla, der früher auch für die Linken im Kreistag saß. Die Kriegsrhetorik gerade in öffentlich-rechtlichen Talkshows wie „Maischberger“ mache ihm Angst, so Warmulla.
Wagenknecht sprach von „Wirtschaftskrieg“ gegen Russland
Zur Erinnerung: Ex-Fraktionschefin Wagenknecht hatte vergangene Woche in einer Rede im Bundestag der Bundesregierung mit Blick auf Russland vorgeworfen, „einen beispiellosen Wirtschaftskrieg gegen unseren wichtigsten Energielieferanten vom Zaun zu brechen“.
Der frühere Europa- und Bundestagsabgeordnete Fabio de Masi und zuvor der Hauptgeschäftsführer des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes, Ulrich Schneider, waren daraufhin aus der Partei ausgetreten. Das findet auch Reinhard Warmulla „eine Katastrophe“, wie er den ON sagte. Linken-Bundesvorsitzende Janine Wissler und ihr Vize Martin Schirdewan waren zur Äußerung von Wagenknecht auf Distanz gegangen.
Auricher Linken-Vorsitzender: Äußerungen helfen nicht im Wahlkampf
Eher distanziert äußert sich auch der Vorsitzende des Auricher Linken-Kreisverbandes, Jörg Erlautzki, auf ON-Anfrage. „Sarah Wagenknecht ist nicht allein die Linke“, ihre Aussagen stünden nicht für die mehreren Zehntausend Parteimitglieder. Als Pazifist schlügen „natürlich zwei Herzen in meiner Brust“, sagt Erlautzki. Natürlich wäre Frieden das Beste. Doch genauso klar sei, dass Russland den Angriffskrieg gegen die Ukraine gestartet habe. Der Kreisvorsitzende sagt zudem: „Es blutet einem das Herz. Aber die Ukraine muss sich verteidigen. Das wird wohl nicht ohne Waffenlieferungen gehen.“ Erlautzki fürchtet außerdem, dass die Äußerungen von Wagenknecht den Landtagswahlkampf für die Linken in Niedersachsen nicht unbedingt einfacher machen. Wichtig sei, dass die linke Partei sich nicht spalten lasse, so Erlautzki.