Rauschgift im Kreis Aurich  Hat Südbrookmerland ein Drogenproblem?

| | 14.09.2022 16:04 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Ein Drogensüchtiger spritzt sich Heroin. Foto: Boris Roessler/DPA
Ein Drogensüchtiger spritzt sich Heroin. Foto: Boris Roessler/DPA
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Mit seiner Aussage, Südbrookmerland habe ein Drogenproblem, sorgte Ratsherr Georg Wegener kürzlich für Wirbel. Die ON haben nun Experten gefragt.

Südbrookmerland - Es war ein Satz, den offenbar niemand so recht hören wollte: „Wir haben ein Drogenproblem“, sagte Ratsherr Georg Wegener (SBL) am Donnerstagabend im Ausschuss für Jugend, Sport und Kultur. Dann schilderte er Szenen, in den Polizisten „mit dem Colt in der Tasche“ und „Spürhunden“ durch Münkeboe liefen. Tatsächlich kommt es an Auricher Gerichten immer wieder zu Verfahren um Drogen, an denen Südbrookmerlander beteiligt sind. Doch ist das Drogenproblem in Südbrookmerland größer als in den Nachbarkommunen? Die ON haben nachgefragt.

Anlass für Wegeners Aussagen war eine Diskussion über die Jugendpflege in der Gemeinde. Dabei brachen alte unterschiedliche Ansichten zur Arbeit von Jugendpfleger Karl Echterhof wieder hervor. Für den sollte eine Tätigkeitsbeschreibung festgezurrt werden. Der Vorschlag der Verwaltung: Echterhof kümmert sich vor allem um den Betrieb des Jugendhauses in Moordorf, liefert Angebote für das Südbrookmerlander Ferienprogramm und verbessert das Netzwerk zwischen Jugendpflege und den Südbrookmerlander Vereinen. Grundsätzlich waren damit alle einverstanden. Manchen ist das aber noch nicht genug.

Georg Wegener sieht ein Drogenproblem in der Gemeinde Südbrookmerland. Foto: Holger Janssen
Georg Wegener sieht ein Drogenproblem in der Gemeinde Südbrookmerland. Foto: Holger Janssen

„Wir brauchen einen Streetworker“, brachte es Hermann Peters auf den Punkt. Eine ausgebildete Fachkraft, die insbesondere Jugendliche an ihren Treffpunkten besucht, mit ihnen spricht und so einen Beitrag dazu leistet, dass es nicht zu Vandalismus, Drogendelikten und anderen Straftaten kommt. Peters’ Meinung verbreitet sich im Ausschuss nach und nach immer weiter, wenn auch noch nicht alle Mitglieder davon überzeugt sind.

Polizei: Mehr Kontrollen bedeuten mehr Funde

Was das von Wegener angesprochene „Drogenproblem“ betrifft, ist man bei der Auricher Polizei zurückhaltender. Auf Anfrage der ON haben sich die Beamten die Zahlen etwas genauer angesehen. „Es gibt natürlich Drogendelikte in der Gemeinde Südbrookmerland“, sagt Polizeisprecher Matthis Rost. Aber: Gemessen an den Einwohnern sei die Zahl nicht höher als andernorts. Darüber hinaus müsse immer Berücksichtigt werden, dass die Zahl der festgestellten Delikte auch mit den Kontrollen zusammenhänge. Werde häufig kontrolliert, steige auch die Trefferquote und damit die Zahl der Delikte. Auch deshalb seien Zahlen allein nicht aussagekräftig. Gebe es in einem Jahr sehr viele Delikte innerhalb einer Gemeinde und im nächsten sehr wenige, müsse dies immer in Relation zur Zahl der Kontrollen gesehen werden. Gefunden würden bei solchen Kontrollen alle denkbaren Drogen, wobei die meisten Delikte in Zusammenhang mit Cannabis-Produkten stünden. Laut Polizei sticht Südbrookmerland also in Sachen Drogen nicht heraus.

„Wo Jugendliche sind, da sind auch Drogen“

Und diese Einschätzung wird auch von anderer Seite bestätigt. Michael Frantz-Wielstra von der Drogenberatungsstelle (DROBS) in Aurich kennt keine Gemeinde in seinem Zuständigkeitsbereich, in der es ein herausragendes Rauschgiftproblem gibt. „Wo Jugendliche sind, da sind auch Drogen“, sagt er. Vor allem handele es sich dabei um Cannabis. Die aktuelle politische Debatte über eine Legalisierung des Stoffes befeuere dies zusätzlich.

Dass in Südbrookmerland über die Beschäftigung eines Streetworkers nachgedacht werde, begrüßt Frantz-Wielstra grundsätzlich. Sollte es dazu kommen, hofft er, dass dieser dann auch Kontakt zur DROBS aufnimmt. Generell sei es immer hilfreich, Angebote für Jugendliche zu schaffen.

Diese Debatte dürfte in Südbrookmerland auch in Zukunft weitergehen. Und zwar nicht nur wegen eines vermeintlich größeren Drogenproblems. Immer wieder werden beispielsweise auch Vandalismus und Ruhestörungen durch junge Menschen beklagt. Dass es für sie in manchen Teilen der Gemeinde zu wenige Angebote außerhalb von Vereinsstrukturen gebe, ist in der Politik eine weit verbreitete Meinung. Lösungen dafür gibt es bislang aber kaum.

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