Zukunft der Krankenhäuser  Zentralklinik in Uthwerdum bekommt keine Herzchirurgie

| | 05.09.2022 18:51 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
So soll sie aussehen, die künftige Zentralklinik in Uthwerdum (Südbrookmerland). Grafik: Klinik-Trägergesellschaft
So soll sie aussehen, die künftige Zentralklinik in Uthwerdum (Südbrookmerland). Grafik: Klinik-Trägergesellschaft
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Im Kreis-Gesundheitsausschuss erklärte Klinik-Chef Claus Eppmann, warum es bestimmte Angebote in Uthwerdum nicht geben wird – und zugleich die Vorbereitung für neue Abteilungen schon läuft.

Aurich/Emden/Norden - Obwohl sie ein Krankenhaus der „Maximalversorgung“ werden soll, wird es eine Herzchirurgie in der geplanten Zentralklinik nicht geben. Das sei „nicht sinnvoll“, sagte der Geschäftsführer der Kliniken Aurich-Emden-Norden, Claus Eppmann, am Montag im Kreis-Gesundheitsausschuss in Aurich.

Man habe die Mitbewerber in der Region analysiert und das Thema intensiv mit den Chefärzten diskutiert. „Wenn man sich die Daten anguckt, wird schnell deutlich: Die Zentralklinik wird keine Herzchirurgie anbieten.“

Immer mehr Kathetereingriffe statt OPs am offenen Herzen

Ein wichtiger Grund laut Eppmann: Die sogenannte interventionelle Kardiologie, das heißt Kathetereingriffe wie sie derzeit in der Kardiologie der Ubbo-Emmius-Klinik (UEK) Aurich gemacht werden, würden immer häufiger. Operationen am offenen Herzen dagegen würden eher weniger. Und solche Angebote gebe es zum Beispiel in Oldenburg oder Bad Oeyenhausen bereits. „Es gibt daher keinen Anlass, eine solche Abteilung aufzubauen“, so Eppmann.

Eine genaue Definition, was ein Krankenhaus der „Maximalversorgung“ in Niedersachsen anbieten muss, gebe es derzeit noch nicht.

Trend zu ambulanten Behandlungen geht weiter

Der Klinikchef betonte zugleich: „Wir bewegen uns in einem knallharten Wettbewerb.“ Das finde er persönlich auch nicht gut, weil es in der Medizin eigentlich um Daseinsvorsorge gehe. Doch das derzeitige System sei nun einmal so. Ein anderes Beispiel sei die Thoraxchirurgie, also OPs im Lungenbereich. Es sei notwendig, diese bereits jetzt am Standort Emden aufzubauen, um sie ab 2028 in der Zentralklinik betreiben zu können.

Grundsätzlich müsse man bei der Planung berücksichtigen, dass kleinere Eingriffe wie etwa Leisten-OPs künftig noch häufiger ambulant gemacht werden. Der „Megatrend“ der „Ambulantisierung“ werde sich weiter verstärken, so Eppmann. Auch in der Psychiatrie gebe der Trend zu wohnortnahen Tageskliniken. Man müsse die Entwicklung der drei Standorte aus dem ableiten, was ab 2028 in der Zentralklinik vorgehalten werden soll, so Eppmann. Danach müsse sich alles ausrichten.

Eppmann: „Zentralklinik wird schwarze Null schreiben“

Auf Nachfrage des SPD-Kreistagsabgeordneten Kuno Behrends (Großheide) bekräftigte Eppmann noch einmal, dass die Zentralklinik positive Ergebnisse erwirtschaften werde. „Man wird sicher zwei bis zweieinhalb Jahre brauchen. Aber dann wird die Zentralklinik eine schwarze Null schreiben und auch Überschüsse erwirtschaften.“ Das werde auch nötig sein, um weitere Investitionen zu stemmen. Denn dabei werde das Land Niedersachsen wohl nicht helfen, so Eppmanns Prognose.

Insgesamt sei er optimistisch in Sachen Zentralklinik, da der Gesetzgeber den Druck auf kleinere Krankenhäuser stetig erhöhe. „Der Gesetzgeber will die kleinen Häuser vom Markt nehmen“, sagte Eppmann unverblümt. „Deshalb haben wir strategisch die absolut richtige Entscheidung getroffen.“ Gleichwohl würden, unabhängig von Zertifizierungen, an den drei Standorten schon heute medizinische Spitzenleistungen erbracht, so Eppmann. „Ich wünschte mir, dass das mehr in den Fokus kommt.“

Aufsichtsrat Gerdes: Wird unpopuläre Eingriffe geben müssen

CDU-Abgeordneter Hilko Gerdes (CDU, Südbrookmerland), der zugleich im Klinik-Aufsichtsrat sitzt, sagte, es werde an einzelnen Standorten „viele unpopuläre und schmerzhafte Eingriffe geben, weil es sie geben muss“. Die Betriebsräte hätten diese Notwendigkeiten längst erkannt. „Schlimm wäre es aber, wenn die Notwendigkeiten im Kreistag in Frage gestellt würden“, so Gerdes mit Blick auf mögliche Proteste gegen Abteilungsschließungen in Norden.

Auf Nachfrage des Abgeordneten Hans-Gerd Meyerholz (Gruppe Freie Wählergemeinschaft, Aurich) betonte Eppmann zudem: „Der Konsolidierungsprozess wird nur funktionieren, wenn man eine transparente Kommunikation in der Bevölkerung macht.“ Er räumte ein, dass das bei der Schließung von Geburtshilfe und Kinderklinik 2020/21 nicht so gut funktioniert habe. Ein positives Beispiel für einen Wandel gebe es derzeit im Emder VW-Werk. Der dortige Umstieg auf die Elektromobilität passiere „erstaunlich leise“, so Eppmann. Daran könne man sich ein Vorbild nehmen.

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