Plattdeutsch in Ostfriesland  Warum die Ostfriesische Landschaft auf eine einheitliche plattdeutsche Schreibweise setzt

| | 03.09.2022 12:01 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Grietje Kammler präsentiert das Motto des diesjährigen Plattdeutschmonats. Foto: Holger Janssen
Grietje Kammler präsentiert das Motto des diesjährigen Plattdeutschmonats. Foto: Holger Janssen
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Will die Ostfriesische Landschaft als eine Art Sprachpolizei das ostfriesische Platt vereinheitlichen? Die ON haben im Plattdeutschbüro nachgefragt.

Aurich - Plattdüütsk oder Plattdüütsch, Handy oder Mobieltje, Stoffsuger oder Huulbessen: Unterschiedliche Begriffe und Schreibweisen für die gleichen Dinge finden sich im Plattdeutschwörterbuch der Ostfriesischen Landschaft immer wieder. Nicht selten führt das zu Kritik, wenn Ostfriesen für sich beanspruchen, den einzig richtigen Begriff, oder die einzig korrekte Schreibweise zu kennen. Auch Vorwürfe, die Ostfriesische Landschaft wolle die plattdeutsche Sprache ohne Rücksicht auf regionale Unterschiede vereinheitlichen, werden manchmal laut. Anlässlich des am Donnerstag begonnenen Plattdeutschmonats hat Grietje Kammler vom Plattdeutschbüro der Ostfriesischen Landschaft den ON erklärt, warum dort auf eine einheitliche Schreibweise gesetzt und wie trotzdem die regionalen Unterschiede erhalten werden sollen.

„Mien Platt. Dien Platt. Uns Platt.“ lautet in diesem Jahr das Motto des Plattdeutschmonats. Es gehe darum, die Unterschiede der plattdeutschen Sprache in verschiedenen Regionen Ostfrieslands herauszustellen, zu erhalten und zu verdeutlichen, dass man sich trotz unterschiedlicher Herkunft „up Platt“ immer versteht. Bei der Ostfriesischen Landschaft habe man keineswegs die Absicht, als „Plattdeutschpolizei“ aufzutreten und jemandem zu vermitteln, seine Ausdrucksweise sei die Falsche, sagt Grietje Kammler. „Wir sind immer froh, wenn jemand überhaupt versucht, plattdeutsch zu sprechen oder zu schreiben.“

Landschaft setzt auf einheitliche Schreibweise

Gerade beim Schreiben kommt es aber immer wieder zu Verwirrungen, weil manche Begriffe völlig anders buchstabiert, als gesprochen werden. Das weiß auch Grietje Kammler. Sie ist aber überzeugt: Es braucht eine einheitliche Schreibweise und Grammatik. Allein schon wegen der vielen Bücher und Arbeitsmaterialien, welche die Landschaft zur Förderung der Regionalsprache bereithält. „Wir können ja nicht einmal so und einmal so schreiben.“ Wichtig sei das auch für die Schulen. Immer wieder machten sich Lehrkräfte die Mühe, für die Kinder in ihren Plattdeutsch-AGs selbst Lehrmaterialien zu erarbeiten. Die würden dann auch mit anderen Schulen geteilt. Gebe es keine einheitliche Schreibweise, könnten Materialien aus Norden beispielsweise nur schwer in Wiesmoor genutzt werden.

Mit Postkarten wirbt die Ostfriesische Landschaft für die plattdeutsche Sprache. Foto: Holger Janssen
Mit Postkarten wirbt die Ostfriesische Landschaft für die plattdeutsche Sprache. Foto: Holger Janssen

Eine einheitliche Schreibweise zu finden, sei dabei gar nicht so einfach. Plattdeutsch sei immer vor allem gesprochen und selten geschrieben worden. Historische Quellen seien deshalb rar. Vieles von den heutigen Schreibweisen und Grammatikregeln sei deshalb erst wenige Jahre alt, so Kammler weiter.

Eine Sprache mit Zukunft

Beim gesprochenen Platt ist das anders. Kaum eine andere Regionalsprache in Deutschland ist so lebendig und verbreitet wie das ostfriesische Plattdeutsch. Damit tritt Kammler auch einer Aussage der Hamburger Sängerin und Moderatorin Ina Müller entgegen. Die hatte vor einigen Wochen mit der Aussage, Plattdeutsch werde nur noch „künstlich am Leben erhalten“, für Furore gesorgt. In Ostfriesland sei das nicht der Fall, so Kammler. Das Interesse an der Sprache sei groß, auch bei Kindern und Jugendlichen, wie einerseits die Auslastung von Wahlpflichtkursen und AGs an Schulen und andererseits die Nutzung der Sprache im ostfriesischen Alltag zeige. „Platt hat in Ostfriesland auf jeden Fall eine Zukunft“, so Kammler. Und sie geht noch weiter: Aus Ihrer Sicht sind zwei Dinge essenziell für die Identifikation mit der Region. Einerseits sei das die ostfriesische Geschichte, die stets vom Streben nach Freiheit geprägt gewesen sei. Und andererseits sei es die ostfriesische Sprache.

Platt soll wieder „normal“ werden

Ist die Arbeit des Plattdeutschbüros der Ostfriesischen Landschaft damit überflüssig? Nein, sagt Grietje Kammler. Wünschenswert wäre aber, wenn sie es irgendwann würde. Auf einen Erfolg ist man in der Einrichtung aber schon jetzt stolz: „Wir haben es geschafft, dass Image der plattdeutschen Sprache zu verbessern.“ Anders als vor einigen Jahren und Jahrzehnten werde es nicht mehr als Makel angesehen, wenn Menschen Platt sprechen. Nun soll der nächste Schritt folgen. „Plattdeutsch zu sprechen muss wieder völlig normal werden.“ Und zwar so, wie es in der jeweiligen Region üblich ist.

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