Personalmangel am Krankenhaus  Klinik dementiert Gerüchte über Abteilungsschließungen in Norden

| | 02.09.2022 12:48 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 6 Minuten
Über den UEK-Standort Norden gibt es zahlreiche Gerüchte. Foto: Aiko Recke
Über den UEK-Standort Norden gibt es zahlreiche Gerüchte. Foto: Aiko Recke
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Seit Wochen gibt es Gerüchte über fehlende Ärzte in der UEK Norden. Die Trägergesellschaft räumt temporäre Engpässe ein. Einige Ärzte haben nun aber gekündigt.

Aurich/Norden - Viele Gerüchte über Abteilungsschließungen und die Bestätigung der Klinikleitung, dass es zum Jahresende Kündigungen in der Ubbo-Emmius-Klinik Norden geben wird. Was passiert derzeit im dortigen Krankenhaus?

Laut Internetseite der Trägergesellschaft der Krankenhäuser Aurich, Norden und Emden werden für Norden derzeit nur drei Ärzte gesucht: Ein Assistenzarzt in Weiterbildung für die Psychiatrie, ein leitender Oberarzt für die Psychiatrie sowie ein Assistenzarzt oder Facharzt für Anästhesiologie und Intensivmedizin. Geht man rein nach der Auflistung, scheinen die Stationen in Norden gut mit Ärzten versorgt.

Trägergesellschaft: Gerüchte über Standortschließung „reine Spekulation“

Dennoch halten sich im Umfeld des Norder Krankenhauses hartnäckig Gerüchte. Im schlimmsten Fall geht es um die Sorge, dass die Klinik zum Jahresende geschlossen werden könnte. Doch auch von einer absehbaren Schließung einzelner Stationen ist die Rede. Als Grund wird von allen Personen, die sich in den vergangenen Wochen an die ON wandten, Personalmangel genannt.

Die beschriebenen Gerüchte seien der Trägergesellschaft nicht bekannt und „reine Spekulation“, teilte Krankenhaussprecherin Annika Weigelt vor gut vier Wochen auf ON-Nachfrage mit. „Dies gilt insbesondere für die vermeintliche Schließung des Standorts Norden zum Ende dieses Jahres.“

Zahl der Stellenausschreibungen gestiegen

Es sei keine auffällige Personalfluktuation an den drei Standorten zu verzeichnen, so Weigelt weiter. Personalausfälle aufgrund von Coronainfektionen und sonstigen Erkrankungen träfen im Sommer allerdings auf die Urlaubszeit, sodass es punktuell zu personellen Engpässen komme. „Der häuserübergreifende Krisenstab unserer drei Kliniken beobachtet die Situation fortlaufend und erarbeitet gegebenenfalls gezielte Maßnahmen, um die Leistungsfähigkeit der Krankenhäuser, insbesondere der Notfallversorgung, aufrechtzuerhalten“, so Weigelt.

Gleichwohl ist die Zahl der Ärzte, die für die Krankenhäuser in Aurich, Norden und Emden gesucht werden, in den vergangenen Wioche gestiegen: von 19 auf jetzt 22. Für Aurich sind sieben Arztstellen ausgeschrieben, darunter ein Oberarzt, zwei Fachärzte und vier Assistenzärzte. In Emden sind acht Stellen zu besetzen, darunter ein Leitender Oberarzt, drei Oberärzte, ein Facharzt und drei Assistenzarztstellen. In Norden werden ein Leitender Oberarzt, ein Facharzt und ein Assistenzarzt gesucht. Hinzu kommen vier Ausschreibungen für das klinikübergreifende Notfallzentrum: ein Oberarzt, zwei Fachärzte und eine Assistenz.

Besorgte Leseranfragen

In Norden herrscht bei einigen Beschäftigten und Patienten Verunsicherung. Von zahlreichen Assistenzärzten, die die Klinik verlassen, ist seitens mehrerer Leser die Rede. Davon, dass der Betrieb mit Honorarärzten aufrecht erhalten wird. Und einige leitende Ärzte stehen kurz vor dem Ruhestand.

18 Ärzte sind auf der Internetseite der Anevita für den Standort Norden aufgelistet – vom Chefarzt bis zum Oberarzt. Nicht der Auflistung ist zu entnehmen, wie viele Fachärzte und Assistenzärzte das Führungsteam der Stationen jeweils verstärken.

260 Stellen - 22 Ausschreibungen

Auf ON-Fragen nach Zahlen ging Weigelt mit keinem Satz ein. Weder teilte sie mit, wie viele Arztstellen es am Krankenhaus Norden insgesamt gibt und wie viele davon derzeit unbesetzt oder vertretungsweise besetzt sind. Auch teilte sie nicht mit, wie viele Assistenzärzte in Norden oder für die Trägergesellschaft insgesamt mit ihren Kliniken in Aurich, Norden und Emden tätig sind. Auf eine andere Anfrage der ON hieß es vonseiten der Trägergesellschaft, dass es in den drei Häusern insgesamt rund 160 Assistenzarztstellen gebe. Alles in allem gibt es demnach an den drei Krankenhäusern rund 260 ärzliche Vollstellen, wofür derzeit in 22 Fällen neue Bewerber gesucht werden.

Andrea Janssen, Projektleiterin für die geplante Zentralklinik, berichtete Mitte August von einer „angespannten Personalsituation“ im Krankenhaus Norden. „Wie alle Kliniken - so verstärken auch die Kliniken in Aurich, Emden und Norden ihre Rekrutingmaßnahmen, um Engpässe zu vermeiden oder auch Leistungsangebote erweitern zu können“, so Janssen: „Aktuell gelingt es noch, längerfristige Vakanzen zu vermeiden. Dabei kommen temporär auch immer wieder Honorarkräfte sowohl bei den Ärzten als auch bei den Pflegekräften zum Einsatz. Deren Anzahl und die damit verbundenen Kosten differieren stark von Jahr zu Jahr.“

Kündigungen zum Jahresende

Auf die Frage, ob geplant sei, die UEK Norden zu schließen oder Abteilungen von Norden weg nach Aurich oder Emden zu verlegen, teilte Janssen mit: „Es gibt keine Pläne, den Standort Norden zu schließen oder Stationen von Norden nach Aurich zu verlagern.“

Janssen bestätigte, dass im August die Suchtstation im Klinikum Emden mit 20 Plätzen nicht voll besetzt werden konnte. Mitte August konnten nur 14 Plätze besetzt werden. Als grund gab Janssen Personalmangel unter anderem aufgrund von Corona- und anderen Krankheitsfällen an.

Kurzfristige Engpässe durch Erkrankungen

Da die ON mehrere besorgte Leser-Anfragen zur Personalsituation in der Inneren Abteilung der UEK Norden erreicht hatten, teilte Janssen auf Anfrage mit: „In der UEK in Norden sind bezogen auf die Innere Abteilung, hier ist Prof. Dr. Stefan Peters Chefarzt, zum heutigen Tag alle Stellen (Chefarzt, Oberarzt, Assistenzärzte) besetzt. Aktuell liegen der Personalabteilung bis zum Jahresende allerdings Kündigungen (Bereich Oberarzt/Assistenzarzt) vor, hier laufen intensive Gespräche, diese Lücke zu kompensieren.“ Gerüchte, dass Prof. Stefan Peters als Chefarzt der Station gekündigt habe, stimmen demnach nicht.

Janssen berichtete allerdings von kurzfristigen Engpässen auf der Station. Der de facto kompletten Besetzung des Stellenplans stünden aktuell im ärztlichen Dienst in der Inneren Abteilung in Norden aber besonders durch kurzfristige Ausfälle wegen Corona-Erkrankungen oder eingeschränkter Einsetzbarkeit aus gesundheitlichen Gründen personelle Engpässe gegenüber. Diese Engpässe würden zeitweise durch Honorarärzte kompensiert, so Janssen. „Im ersten Halbjahr war in Norden allerdings gar kein Einsatz von Honorarärzten erforderlich.“

Laut Janssen spricht der Fachkräftemangel für die Zentralklinik

Janssen verweist angesichts der Personalsituation erneut darauf, dass die geplante Zentralklinik eine der Maßnahmen sei, um auf die absehbaren Engpässe bei der Versorgung mit Ärzten zu reagieren. Es sei kein neues Phänomen, dass Arbeitnehmer in Ruhestand gehen. Es sei auch allgemein bekannt, „dass dies durch die sogenannten Baby-Boomer-Generation in den kommenden Jahren verstärkt der Fall sein wird“, so Janssen. „Selbstverständlich berücksichtigten die Kliniken bei Ihren Personalplanungen die bevorstehenden Renteneintritte und beschäftigten sich rechtzeitig mit Nachfolgeregelungen – auch für Norden.“

Es sei auch schon lange bekannt, dass durch den demografischen Wandel der Fachkräftemangel zunehmen wird. „All diese Tatsachen sind bereits 2014 von den Kliniken betrachtet und bewertet worden. Auch diese Argumente waren und sind Triebfedern, die für die Zentralisierung von medizinischer Versorgung und hierfür eingesetzten Arbeitskräfte sprechen“, so Janssen. Die Diskussion um die Zentralklinik habe sich aber bekanntermaßen hingezogen, der prognostizierte Fachkräftemangel sei aber bereits heute deutlich spürbar.

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