Krise der Krankenhäuser Kliniken machten 2021 zwölf Millionen Minus
Das Gesamtdefizit der drei Häuser in Aurich, Emden und Norden ist im Vergleich zum Vorjahr wieder gestiegen. Dafür nennen die Verantwortlichen ein Bündel von Gründen.
Aurich/Emden/Norden - Im Vergleich zum Vorjahr ist das Defizit der Kliniken Aurich-Emden-Norden 2021 wieder gestiegen. Das Konzernjahresergebnis liegt bei einem Minus von 12,1 Millionen Euro, wie die Klinik-Trägergesellschaft am Donnerstag mitteilt. Die Ubbo-Emmius-Klinik in Aurich und Norden trug dazu 5,2 Millionen Euro bei, das Klinikum Emden 6,1 Millionen. Dazu kommen mehrere kleinere Tochterfirmen wie ANE-Service, MVZ Emden und Ostfriesische Frischemenü.
Im Jahr 2020 hatte das Minus bei 11,4 Millionen Euro gelegen, 2019 gar bei 14,4 Millionen Euro. Die Verluste werden zu 70 Prozent vom Landkreis Aurich und zu 30 Prozent von der Stadt Emden ausgeglichen.
Mehrere Faktoren sorgen für negatives Ergebnis
Die bestimmenden Faktoren für das negative Jahresergebnis, das am Dienstag dem Aufsichtsrat und der Gesellschafterversammlung vorgestellt wurden, seien unverändert, heißt es. Dazu gehören Maßnahmen zur Pandemiebewältigung, Einflüsse der Rettungsschirme, Sonderfinanzierungen und Budgetverhandlungen.
Aufsichtsratsvorsitzender Olaf Meinen, Landrat des Landkreises Aurich, sagt: „Die Rahmenbedingungen im deutschen Gesundheitswesen und die Corona-Pandemie fordern die Beschäftigten der drei Kliniken weiter in hohem Maße. Trotz allem haben sie einen wichtigen Teil zur Bewältigung der Pandemie in Ostfriesland beigetragen und die Gesundheitsversorgung zu jedem Zeitpunkt sichergestellt.“ Das verdiene „unser aller Respekt“, so Meinen.
Eppmann fordert bessere Rahmenbedingungen von Politik
Um verlässliche Perspektiven für die 2400 Mitarbeiter zu schaffen, müssten einerseits Veränderungen in den Kliniken umgesetzt werden, sagte Geschäftsführer Claus Eppmann. „Dafür müssen aber auch die finanziellen Rahmenbedingungen geschaffen werden. Neben unseren Anstrengungen vor Ort ist die Politik in Berlin gefordert, gemeinsam mit den Krankenhäusern einen praktikablen und umsetzbaren Weg zu entwickeln, um die Versorgung der Patienten sicherzustellen“, so Eppmann.
Er sagt: „Unsere Vertretungen, die Deutsche und die Niedersächsische Krankenhausgesellschaft (DKG und NKG) sowie die Ärzteorganisationen und die kommunalen Spitzenverbände haben frühzeitig auf die Fehlentwicklung bei der Einführung von Personaluntergrenzen hingewiesen und konstruktive Alternativvorschläge zur Entlastung unserer Mitarbeiter gemacht. Es ist an der Zeit, diese Vorschläge jetzt konsequent umzusetzen.“
Auch müssten die aktuellen Kostensteigerungen angesichts hoher Inflationsraten einen angemessenen Ausgleich finden.
Rückläufige Patientenzahlen
Corona habe den Klinikbetrieb auch im vergangenen Jahr massiv beeinflusst und dazu geführt, dass die Patientenzahlen rückläufig gewesen sind. „Für die Mitarbeiter ist die Belastung aktuell durch krankheitsbedingte Ausfälle weiter sehr hoch“, hob Oberbürgermeister Tim Kruithoff als stellvertretender Aufsichtsratsvorsitzender hervor.
Eine weitere Hürde stellten nicht abgeschlossene Budgetverhandlungen für 2020 und 2021 mit den Krankenkassen dar, insbesondere die Finanzierung der Pflegebudgets per Selbstkostendeckungsprinzip. Gleichzeitig ging in den Häusern die erbrachte Leistung im Vergleich zu vor der Pandemie im Jahr 2019 um acht Prozent zurück. Bundesweit sank diese Zahl um 13 Prozent. „Bundesweit gehen die Experten nicht davon aus, dass sich das Leistungsvolumen wieder auf das Niveau vor der Pandemie entwickelt. Auf diese Entwicklung muss sich auch die Trägergesellschaft einstellen“, sagt Heiko Goldenstein, Prokurist der Klinik-Trägergesellschaft.
Ambulantisierung wird auch für Zentralklinik Faktor
Rückläufige Fallzahlen in den Kliniken und die damit einhergehende zunehmende Ambulantisierung seien wesentliche Faktoren, die die Leistungsentwicklung der drei Kliniken und der Zentralklinik bestimmen werden. Das sei Grundlage für die Berechnungen und Analysen, die in das Medizin- und Konsolidierungskonzept, das derzeit erarbeitet wird, einfließen. Dabei würden Einsparpotenziale in allen Klinikbereichen ermittelt und analysiert, heißt es.
Beschlüsse zur Konsolidierung Ende September
Erste Zwischenergebnisse wurden wie berichtet dem Aufsichtsrat und der Gesellschafterversammlung am Dienstag in Aurich vorgestellt. Eine umfassende Diskussion und Beschlussfassung sei für Ende September vorgesehen, kündigt die Trägergesellschaft an. „Nachdem wir erfreulicherweise die Förderzusage aus Hannover erhalten haben, gilt es, sich nun sehr intensiv um die Entwicklung der Bestandshäuser zu kümmern, so dass auf dem Weg zur Zentralklinik die bestmögliche stationäre Versorgung gewährleistet ist und der Übergang nach Uthwerdum optimal gestaltet wird“, betont der Emder Oberbürgermeister Kruithoff.