Bronze für Senioren-Kicker Hiesige Oldie-Fußballer überraschen bei WM in Dänemark
Die Ü70-Ostfriesland-Auswahl kam beim Turnier in Dänemark unerwartet weit. Auch am Rande sorgte die Mannschaft für positive Schlagzeilen.
Roskilde - Bloß nicht Letzter werden, lautete die Zielsetzung der Ü70-Ostfriesland-Auswahl für die Teilnahme an der Weltmeisterschaft im dänischen Roskilde. Die Oldie-Fußballer überraschten sich selbst und die Konkurrenz. Sie verloren nur ein Spiel und kehrten mit der Bronzemedaille zurück. Teammanager Franz Krieger blickte im Gespräch mit den Ostfriesischen Nachrichten vergnügt auf das dreitägige internationale Turnier vom 24. bis 26. August zurück. Er bekannte: „Wir waren kein Kanonenfutter und haben uns gut präsentiert. Nicht nur auf dem Fußballfeld sondern auch am Rande der Veranstaltung.“
In der Vorrunde traf die Ostfriesen-Auswahl, die als Team Deutschland gemeldet war und auch Nicht-Ostfriesen in den eigenen Reihen hatte, auf die beiden dänischen Vertretungen Zealand United und HIK Skovshoved. Die Ostfriesen gewannen beide Spiele mit 2:1 und qualifizierten sich vorzeitig für das Viertelfinale. Das letzte Gruppenspiel gegen United West (USA) hatte nur noch statischtischen Wert und endete 1:1.
Training zahlte sich aus
Der Einzug in die Runde der letzten acht Mannschaften war schon eine Überraschung, so Krieger. Er verriet den Grund für den unerwarteten Erfolg. „Wir haben hart trainiert und gegen jüngere Mannschaften gespielt. Das kam uns bei der WM zugute.“
Darüber hinaus machte das Funktionsteam einen guten Job. Ein Arzt und ein Physiotherapeut kümmerten sich um die Blessuren. Sie massierten und tapten die angeschlagenen Spieler und sorgten dafür, dass die Mannschaft täglich zwei Spiele ohne größere Ausfälle überstand.
Hitzeschlacht bei der WM
Noch mehr zu schaffen machte den Spielern die Hitze. Dazu merkte Krieger an: „Sie brachte uns an unsere Grenzen und war verdammt anstrengend.“ Für flinke Beine sorgte nicht nur die medizinische Abteilung sondern auch die Fans. Es gab einige Anhänger, die mit Fahnen und Trikots ihre Verbundenheit zur Ostfriesland-Auswahl demonstrierten und sie auch lautstark anfeuerten.
Dabei handelte es sich um Kinder und Enkelkinder der Senioren-Kicker. Krieger sprach von „rührenden Momenten“, die nicht folgenlos für das Spiel der Ostfriesen blieben. Sie trafen im Viertelfinale auf Wales. Ein starker Gegner, der athletisch und ballsicher auftrat und als Favorit ins Spiel ging. Nach einer schönen Einzelleistung gelang Jürgen Klockow der Führungstreffer für die Ostfriesen.
Torwart sorgt für Einzug ins Halbfinale
Wales antwortete mit wütenden Angriffen, die allesamt in der vielbeinigen ostfriesischen Abwehr versandeten oder in letzter Instanz von Torwart Wolfgang Greif entschärft wurden. Die Ostfriesen-Auswahl brachte den knappen Vorsprung über die Zeit und zog ins Halbfinale ein. Dort stand mit United East (USA) einer der Turnierfavoriten bereit. Die Amerikaner wurden ihrer Rolle gerecht und kegelten die Ostfriesen mit 3:0 aus dem Turnier. „Ein frühes Elfmetertor gegen uns, das war der Anfang vom Ende“, so Krieger.
Das Finale verpasst, aber am letzten WM-Tag bestritten die Ostfriesen das Spiel um Platz drei. Dort trafen sie erneut auf United West. Nach dem 1:1 aus der Gruppenphase schraubten sich die Ostfriesen im zweiten Aufeinandertreffen einen 2:1-Sieg nach Verlängerung zusammen. Alfons Größ schoss den Siegtreffer. Lohn war die Bronzemedaille. Im Endspiel setzte sich United East gegen Team Roskilde durch.
Schunkeln und Polonaise
Auch am Rande der Veranstaltung sorgte das Team Deutschland für positive Schlagzeilen. Auf dem Abschlussbankett glänzte die deutsche Delegation durch ein geschlossenes Auftreten. Dunkle Trainingshose und ein weißes Poloshirt mit dem DFB-Wappen auf der Brust machten Eindruck, so Krieger. Das weiße Poloshirt durfte nach Vorgabe von Krieger auch erst beim Festessen getragen werden. Das zahlte sich aus.
„Das war ein wunderbarer Anblick. Mit den weißen Shirts leuchteten wir im ganzen Saal“, sagte Krieger. Nicht nur das. Sie enterten auch die Bühne und brachten den Saal zum Schunkeln. Vorneweg Detlev Schoone mit dem Akkordeon. Dazu sangen Spieler und Anhang ostfriesisches Liedgut. Dabei durfte „wir sind Ostfriesenkinder“ auch nicht fehlen. Später gaben die Ostfriesen auch noch eine Polonaise im Saal zum Besten. Die kulturellen Zutaten kamen gut an.
Den anderen Mannschaften gefiel dieser Auftritt. Besonders den amerikanischen Teams. Ein Verantwortlicher kam gleich auf Krieger zu und fragte: „Next year in Germany?“ „Mal sehen, ausgeschlossen ist das nicht“, meinte Teammanager Krüger, „aber kurzfristig ist es nicht machbar. Dafür braucht man einen längeren Vorlauf“.