Landwirtschaft in Ostfriesland Landvolk „fassungslos“ über neue EU-Pläne
Die EU will strengere Regeln für den Einsatz von Pflanzenschutzmitteln in der Landwirtschaft. Die ostfriesische Landwirte-Lobby übt deutliche Kritik und sieht sogar die Versorgung in Gefahr.
Aurich Die geplanten Änderungen der Europäischen Union (EU) für die Verwendung von Pflanzenschutzmitteln sorgt bei Landwirten in Ostfriesland für „großes Unverständnis und Fassungslosigkeit“. Das zumindest teilte der Landwirtschaftliche Hauptverein (LHV) für Ostfriesland mit Sitz in Aurich mit. „Die Pläne der Kommission entziehen, sollten sie so wie geplant umgesetzt werden, uns faktisch die Arbeitsgrundlage. Die sichere Versorgung der Verbraucher mit Nahrungsmitteln aus der Heimat wäre gefährdet“, wird LHV-Präsident Manfred Tannen (Bensersiel) zitiert.
Ostfriesland wäre sehr stark betroffen, etwa die Hälfte der Ackerflächen unterliegen einem Schutzstatus. Man sei sich der Verantwortung gegenüber dem Naturschutz bewusst, sagt LHV-Vizepräsident Carl Noosten (Dornum). „Blühstreifen, die Teilnahme an Gänse- und Wiesenvogelschutzprogrammen und vieles mehr haben in den letzten Jahren stark zugenommen und der Verbrauch an Pflanzenschutzmitteln ist abnehmend“, so der Ackerbauer, dessen Flächen in einem Landschaftsschutzgebiet liegen.
LHV-Präsident: Ertrag und Qualität schlechter
Im Bereich des Pflanzenschutzmitteleinsatzes finde ein stetiger Wandel statt, mechanische Verfahren oder technische Erneuerungen (Sensortechnik) fänden Eingang auf die Felder. „Wir stellen uns den Anforderungen, die Lösung von Zielkonflikten, wie etwa die Schädigung von Gelegen beim Striegeln der Flächen gegen Beikräuter, ist jedoch eine hohe Herausforderung“, berichtet Noosten. Der Einsatz der Pflanzenschutzmittel erfolge längst nach dem Motto „So wenig wie möglich, so viel wie nötig“, da der Einsatz mit hohen Auflagen und hohen Kosten verbunden sei.
Aus Sicht der Landwirte bedeutete ein Pflanzenschutzmittelverbot , dass die Pflanzen anfälliger gegen Schädlinge, Pilze und Krankheiten werden. „Dadurch verringert sich einerseits die Ertragsmenge, aber auch die Qualität verschlechtert sich“, so LHV-Präsident Tannen. Das Angebot an lebensmitteltauglichen Ernten werde knapper. Damit verteuerten sich Lebensmittel noch weiter. „Das betrifft jeden Einzelnen, nicht nur uns Landwirte“, meint Tannen.