Ukrainischer Unabhängigkeitstag  Sorgen lassen Geflüchtete nicht los

Franziska Otto
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Von Franziska Otto
| 24.08.2022 18:03 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Maria Al-Battat legt ihre Tochter Adelina auf eine ukrainische Fahne, die von aus der Ukraine geflüchteten Frauen gehalten wird. Maria Al-Battat war auf der Flucht aus ihrer Heimat schwanger, Adelina wurde in Aurich geboren. Foto: Romuald Banik
Maria Al-Battat legt ihre Tochter Adelina auf eine ukrainische Fahne, die von aus der Ukraine geflüchteten Frauen gehalten wird. Maria Al-Battat war auf der Flucht aus ihrer Heimat schwanger, Adelina wurde in Aurich geboren. Foto: Romuald Banik
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Ukrainische Geflüchtete feiern am Mittwoch in Aurich den Unabhängigkeitstag ihrer Heimat. Die Stimmung ist wegen des Krieges getrübt – aber sie haben auch Hoffnung.

Aurich - Die Welt soll nicht vergessen, was ihrer Heimat angetan wird. Das ist das Ziel vieler ukrainischer Geflüchteter. Dazu kleideten sie sich heute in traditionelle Trachten und in ihre Nationalfarben Blau und Gelb. Für sie ist der 24. August, gut ein halbes Jahr nach dem russischen Angriff auf die Ukraine, kein gewöhnlicher Tag. Sie feiern heute den 31. Jahrestag der Unabhängigkeit ihrer Heimat.

Die Behörden in der Ukraine warnten zuvor vor möglichen Angriffen an diesem besonderen Tag und mahnten zur Vorsicht. Öffentliche Versammlungen in der Hauptstadt Kiew waren untersagt, in Charkiw galt eine Ausgangssperre.

Aus der Ukraine geflüchtete Menschen halten am Unabhängigkeitstag ihres Landes eine Flagge. Foto: Romuald Banik
Aus der Ukraine geflüchtete Menschen halten am Unabhängigkeitstag ihres Landes eine Flagge. Foto: Romuald Banik

Kämpfen für die Unabhängigkeit

Die Stimmung bei den geflüchteten Ukrainern ist getrübt – ihre Entschlossenheit haben sie aber nicht verloren. Sie wollen vereint auftreten. „Wir sind so stolz, dass jetzt alle Welt weiß, wir Ukrainer kämpfen für unsere Unabhängigkeit“, sagt Olga Kolchkova. Sie floh gemeinsam mit ihrer Tochter, ihrer Zwillingsschwester, deren Kinder und den Eltern aus Charkiw und fand in Aurich zumindest vorerst ein neues Zuhause. Für sie und ihre Schwester ist es besonders schwer, die Zerstörung ihrer Heimat mit anzusehen. Täglich verfolgen sie in den Sozialen Netzwerken, wie russische Bomben Gebäude zerstören.

Seitdem der Krieg in der Ukraine begann, kommen immer mehr Geflüchtete nach Aurich. Sie dürfen normal einreisen und müssen nicht zwangsläufig in eine Unterkunft für Geflüchtete. Dennoch sucht der Landkreis Aurich aktuell händeringend nach geeigneten Räumen. Ein leichtes Aufatmen gab es am Montag. In der Diskussion um die Nutzung der Kaserne konnte ein Kompromiss zwischen der Kreisverwaltung, dem Investor, der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben und der Stadt Aurich erzielt werden. Pro Woche erwartet der Landkreis Aurich zwischen 75 und 100 neue Geflüchtete.

Maria Al-Battat hält ihre Tochter Adelina. Um ihre Schultern ist eine ukrainische Flagge gelegt. Foto: Romuald Banik
Maria Al-Battat hält ihre Tochter Adelina. Um ihre Schultern ist eine ukrainische Flagge gelegt. Foto: Romuald Banik

Schwanger auf der Flucht

Die Bereitschaft der Auricher, den Menschen aus der Ukraine zu helfen, ist gewaltig. In einigen Gemeinden im Kreis Aurich bildeten sich Initiativen. Sie schafften Hilfsgüter an die Grenze und nahmen auf dem Rückweg Menschen auf der Flucht mit und brachten sie in Sicherheit.

Jedes Schicksal der Geflüchteten ist einzigartig. Maria Al-Battat war schwanger, als sie ihre Heimat mit ihren beiden Kindern und ihrem Mann verlassen musste. Ihre Tochter Adelina wurde vor einem Monat in Aurich geboren.

Katyrina Yurieva floh gemeinsam mit ihrem Freund Ilya Kovalchuk und seiner Familie aus der Ukraine. Ihre Eltern sind noch in Lugansk. Foto: Romuald Banik
Katyrina Yurieva floh gemeinsam mit ihrem Freund Ilya Kovalchuk und seiner Familie aus der Ukraine. Ihre Eltern sind noch in Lugansk. Foto: Romuald Banik

Allein in einem fremden Land

Die 18-jährige Katyrina Yurieva musste ihre Familie in Lugansk zurücklassen. Sie floh gemeinsam mit ihrem Freund und dessen Familie in ein für sie unbekanntes Land. Auf ihrem T-Shirt prangt am Mittwoch der Schriftzug „Peace and Love and Happiness“ (Frieden und Liebe und Glück).

Der 17-jährige Ilya Kovalchuk hat Fotos seiner zerstörten Heimat auf dem Handy. Manche Gebäude sind kaum noch zu erkennen, ein Bild des Chaos. „Die Ukraine braucht Unterstützung, um unsere Schulen, Kirchen, die Kultur und die Menschen zu beschützen“, sagt der 17-Jährige. Bevor er floh, schnitt er ein Stück aus einer ukrainischen Flagge aus. Er bewahrt es zusammen mit seinem Reisepass auf. So hat er immer ein Stück Heimat bei sich.

Olga Kolchkova lebt mit ihrer Familie in Aurich. Foto: Romuald Banik
Olga Kolchkova lebt mit ihrer Familie in Aurich. Foto: Romuald Banik

„Es ist sehr schmerzhaft, die Attacken zu sehen“, sagt Olga Kolchkova. Die Feier zur Unabhängigkeit will sie deswegen aber nicht ausfallen lassen. Voller Kummer denkt sie an die Jahrestage vor dem Krieg zurück. In den Zentren der Städte wurden Feiern organisiert, Musiker spielten, die Stimmung war ausgelassen und fröhlich. „Wir waren so fröhlich“, sagt sie. „Aber wir müssen jetzt mutig sein.“ Sie will sich in der Auricher Innenstadt mit Freunden treffen – selbstverständlich in traditionell ukrainischer Kleidung.

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