Diskussion um Kaserne  Kompromiss für Nutzung gefunden

| | 22.08.2022 16:20 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Das Divisionsgebäude kann bis mindestens 2025 für Flüchtlinge genutzt werden. Foto: Romuald Banik
Das Divisionsgebäude kann bis mindestens 2025 für Flüchtlinge genutzt werden. Foto: Romuald Banik
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Der Landkreis Aurich wollte große Teile der Blücherkaserne für die Flüchtlinge nutzen. Die Stadt und ein Investor hatten andere Pläne. Nun haben alle Beteiligten offenbar eine Lösung gefunden.

Aurich - In der Diskussion um die Nutzung von Gebäuden der ehemaligen Blücherkaserne in Aurich haben die Beteiligten jetzt einen Kompromiss ausgehandelt. Demnach wird der Landkreis auf dem Gelände in vier Gebäuden insgesamt rund 1000 Plätze zu Unterbringung von Flüchtlingen einrichten können, teilte die Kreisverwaltung am Montagnachmittag mit. Darauf hätten sich Investor, Kreisverwaltung, Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (Bima) und die Stadt Aurich verständigt, nachdem Landrat Olaf Meinen am Montag im Kreishaus ein Gespräch mit Investor Norbert Dittel geführt hatte. Das Treffen sei „sehr konstruktiv“ verlaufen, heißt es in der Pressemitteilung.

Der Landkreis ist nach eigenen Angaben dringend auf zusätzlichen Wohnraum für Geflüchtete angewiesen, da es kaum noch entsprechende Angebote aus der Bevölkerung gibt. Auch wiederholte öffentliche Aufrufe hatten nicht den erhofften Erfolg. Daher zeige sich der Landrat über die nun erzielte Lösung sehr erleichtert: „Das hilft uns sehr“, wird Meinen zitiert. Die vertragliche Ausgestaltung solle zügig erfolgen.

Feddermann: Übergangslösung steht Plänen der Stadt nicht im Weg

Der Kompromiss berücksichtige die Interessen aller Beteiligten, machten Bima-Vorstandsmitglied Paul Johannes Fietz sowie Investor Dittel deutlich.

Auch der Auricher Bürgermeister Horst Feddermann sprach von einer guten Übergangslösung, die den städtebaulichen Perspektiven der Stadt nicht im Wege stehe. Die Stadt habe sofort in der Planungsbesprechung zur Kaserne angefangen, den Entwicklungsplan mit den einzelnen Maßnahmen neu aufzustellen und die Unterbringung der Flüchtlinge einzubringen.

Divisionsgebäude mindestens bis 2025 für Flüchtlinge nutzbar

Bereits im Juni hatte der Landkreis ein erstes Gebäude auf dem Kasernengelände in Betrieb nehmen können, das Platz für 70 Personen bietet. Die nun erzielte Einigung sieht vor, dass dem Landkreis auch das frühere Divisionsgebäude für die Flüchtlingsunterbringung zunächst bis 31. Dezember 2024 zur Verfügung gestellt wird, bevor es an den Investor übergeht. Für das Jahr 2025 räumt der Investor dem Landkreis eine verbindliche Nutzungsoption ein.

Auch die Gebäude 11, 12 und 13 könnte der Landkreis mit unterschiedlichen Fristen nutzen, um Wohnraum für geflüchtete Menschen zu schaffen. In Gebäude 11 wäre dies bis Ende 2029 möglich. Danach soll dieser Trakt abgerissen werden. Für Gebäude 12 sieht der erreichte Kompromiss eine Nutzung durch den Landkreis bis Ende 2026 und danach den Eigentumsübergang vor. Beim Wirtschaftsgebäude sind laut Landkreis bezüglich der Nutzungsdauer noch weitere Gespräche erforderlich.

Räume sollen schnell hergerichtet werden

Die Räume sollen möglichst schnell für die Unterbringung hergerichtet werden, wobei der erforderliche Aufwand aufgrund des jeweiligen Zustands unterschiedlich sei. Ein vom Landkreis für die Flüchtlingsunterbringung eingerichtetes ämterübergreifendes Team werde sich mit den Vorbereitungen befassen, heißt es.

Wie berichtet hatte der Landkreis Mitte Juli verkündet, dass er in der früheren Kaseren Platz in neun Gebäuden 1300 Geflüchtete und Kriegsvertriebene schaffen wolle. Er stellte einen entsprechenden Antrag bei der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (Bima), der das Gelände immer noch gehört.

Daran hatte der Bremer Investor Norbert Dittel, der dort zusammen mit der Stadt Aurich Wohnungen bauen möchte, deutliche Kritik geübt und einen Rückzug nicht ausgeschlossen.

Zunächst Absage von Bundesanstalt

Vor zwei Wochen dann der nächste Paukenschlag im Poker um die Kaserne. Die Bima teilte dem Landkreis mit, dass keine weiteren Kasernengebäude für die Flüchtlingsunterbringung zur Verfügung gestellt werden. Landrat Olaf Meinen zeigte sich verärgert.

Kurz darauf setzten sich alle Beteiligten alle Beteiligten an einen Tisch, um einen Kompromiss zu finden – was nun offenbar zum Erfolg geführt hat.

Pro Woche rechnet die Auricher Kreisverwaltung in den nächsten Monaten mit 75 bis 100 Geflüchteten, die ein Quartier brauchen. Auf dem Wohnungsmarkt gibt es kaum noch Angebote.

Man wolle auch verhindern, dass Flüchtlinge in Turnhallen untergebracht werden müssen, hatte es vom Kreis geheißen. Wie berichtet wird die Emder Nordseehalle bereits ab Mitte September zur Flüchtlingsunterkunft umfunktioniert. Veranstaltungen werden abgesagt.

Turnhallen-Nutzung noch nicht ganz vom Tisch

Der Auricher Kreissprecher Rainer Müller-Gummels teilte am Montag auf ON-Nachfrage mit, dass die Nutzung von Turnhallen trotz des Kasernen-Kompromisses noch nicht vom Tisch sei – „zumindest nicht für die Übergangsphase bis zur Nutzung von Räumlichkeiten in der Kaserne“.

Grund sei, dass der Landkreis weiter hohe Zuweisungszahlen habe, sodass es durchaus noch zu Engpässen bei der Unterbringung kommen könne. „Eine wirkliche Entspannung wäre erst nach Inbetriebnahme des Divisionsgebäudes in Sicht“, so Müller-Gummels. Einen genauen Zeitrahmen könne man dafür aber noch nicht nennen. Weitere Inaugenscheinnahmen des Bauzustandes seien erforderlich.

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