Auricher Bahnträume Enercons neue Gondel passt nicht auf die Schiene
Die neuen Enercon-Modelle bringen Hoffnung auf Aufschwung. Aber sie bringen nichts für den Auricher Traum vom Bahnanschluss. Der Bürgermeister hat nun etwas anderes im Blick.
Aurich - Einst war er Auricher Windkraftkonzern Enercon einer der Motoren dafür, dass die Bahnstrecke zwischen Aurich und Abelitz reaktiviert wurde. Doch auch wenn Enercon durch den sich abzeichnenden Aufschwung der erneuerbaren, unabhängigen Energie neuen Aufwind erhalten sollte – als Motor für die Bahnanbindung Aurichs dürfte das Unternehmen künftig keine Rolle mehr spielen.
Denn das Maschinenhaus mit einer Größe von 14 mal 5 mal 3,40 Metern, das im Kompetenzzentrum Mechatronic in Aurich nun für die neuen EP5-E3-Anlagen gebaut wird, passt nach Angaben von Enercon nicht mehr auf die Schiene. Zum Vergleich: Überseecontainer gibt es in verschiedenen Größen. Doch selbst die großen 40-Fuß-High-Cube-Behälter haben ein Außenmaß von nur knapp 12,20 mal 2,44 mal 2,59 Metern.
Idee: Leichte Montage des Maschinenhauses auf der Baustelle
Die Produkte, die das Enercon-Werk nun verlassen, verlassen es per Schwertransport. Und die Idee hinter der neuen Gondel ist, dass sie auf der Baustelle nicht mehr zusammengesetzt werden muss. Sie kann zeitsparend komplett aufgesetzt und fertig verkabelt angeschlossen werden – per Plug-and-Play, also im Grunde mit einer Steckerverbindung. Vor Ort müssen – stark vereinfacht gesprochen – nur noch der Generator und die Nabe angesetzt werden.
In der Hochphase der Bahnnutzung durch Enercon war das anders. Fertigungsteile wurden per Bahn in die Hallen in Sandhorst und an andere Standorte geliefert, beispielsweise die Gussteile auf dem Gusszentrum Ostfriesland in Georgsheil. Auch die fertigen Produkte verließen teils auf Schienen, teils auf Schwertransporten das Werk.
Im ersten Jahr nach Reaktivierung mehr als 5000 Zugfahrten
Es waren so viele, dass 2008 die Eisenbahninfrastrukturgesellschaft Aurich-Emden GmbH gegründet wurde, an der neben der Stadt Aurich mit 51 Prozent auch Enercon mit 48 Prozent und die Firma Kerker mit einem Prozent beteiligt sind. Die 1996 stillgelegte, 13 Kilometer lange Gleisstrecke zwischen Sandhorst und Abelitz wurde von 2006 bis 2008 wieder so ausgebaut, dass Rotorblätter, Maschinenhäuser und Bauteile darüber transportiert wurden. Enercon gründete sogar die E.G.O.O, die Eisenbahngesellschaft Ostfriesland-Oldenburg, als eigene Tochter, um den Bahnverkehr selbst abzuwickeln. Im ersten Jahr gab es mehr als 5000 Zugfahrten auf der Strecke.
Doch 2015 kam die erste Kehrtwende. Seit Jahren wurde in Aurich an der Verbreiterung des Lademaßes des Abschnitts gearbeitet, denn für die immer größer werdenden Anlagen von Enercon reichte das Streckennetz nicht aus. Das Lademaß sollte auf 5,05 Meter verbreitert werden. Zugleich bestand die große Hoffnung auf die Reaktivierung des Schienenpersonennahverkehrs zwischen Aurich und Emden. Die Pläne scheiterten, als Enercon überraschend verkündete, durch technische Änderungen keine Lademaßverbreiterung zu benötigen. Angesichts stark gestiegener Kosten, gestiegener Lärmschutzanforderungen und des hohen Ausbauaufwandes in der Ortsdurchfahrt von Moordorf wurde das Projekt ad acta gelegt.
Enercon: Erhöhung des Bahnverkehrs für das Unternehmen nicht absehbar
Dennoch träumen viele in der Stadt Aurich weiterhin von einem Bahnanschluss auch für den Personenverkehr. Wenn Enercons Neuanfang nun keine Steigerung der Streckenauslastung im Güterverkehrbereich mit sich bringt, ist das nicht eher ein Hoffnungskiller?
Enercon-Sprecherin Linda Wehly teilte den ON mit, dass eine Erhöhung des Bahnverkehrs für das Unternehmen derzeit nicht absehbar sei. Der Auricher Landtagsabgeordnete Wiard Siebels (SPD), der am Donnerstag zusammen mit Ministerpräsident Stephan Weil die neue Enercon-Fertigung in Aurich besichtigt hat, hofft dennoch darauf, dass Enercon nach Möglichkeit an Bahntransporten festhält. Enercon habe damals aus eigenem Antrieb seine Logistik möglichst CO2-sparsam gestaltet. „Ich setze darauf, dass das auch weiterhin der Ansatz von Enercon bleiben wird und die Zahl der Züge sich mit steigender Produktion in Aurich auch wieder erhöht – wenigstens was die Anlieferung angeht.“
Feddermann: Erfolg hängt nicht am Güterverkehr
Bürgermeister Horst Feddermann sagte auf Nachfrage trocken: „Wenn man die Lademaßverbreiterung von sieben Jahren gemacht hätte, würde es jetzt passen. Jetzt passt er aber nicht.“ Vielleicht werde sich ja die Menge der für die Fertigung benötigten Rohstoffe noch erhöhen.
„Aber ob das Thema Bahn ausgeträumt ist, hat damit nichts zu tun“, so der Bürgermeister. Die Auricher Bahnhoffnungen hingen nicht mehr am Güterverkehr. Es sei zwar zu wünschen, dass sich weitere Unternehmen in Aurich finden, die die Gleise nutzen wollen. Es zeichne sich derzeit aber nichts in dieser Richtung ab.
Feddermann sieht eher die geplante Zentralklinik in Uthwerdum als Motor für einen möglichen Personenverkehr auf der Strecke Aurich–Abelitz. Kämen Personenzüge oder eine Straßenbahn auf diese Trasse, hätten Bürger aus Aurich, Emden und Norden die Möglichkeit, die Klinik über die Schiene zu erreichen. Aurich, Emden und Norden könnten viel enger zusammenwachsen, so Feddermann: „Das ist eine Riesenchance für Ostfriesland.“
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