Ministerpräsident Weil in Aurich Enercon und die Politik – warum sie einander wieder mögen

Ein Kommentar von Stephan Schmidt
 | 13.08.2022 10:51 Uhr  | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 2 Minuten
Der niedersächsische Ministerpräsident Stephan Weil (SPD, Mitte) lässt sich von Jost Backhaus, Chef des operativen Geschäfts (links) das zusammengebaute Maschinenhaus zeigen. Daneben stehen Benjamin Seifert (Regionalleiter Zentraleuropa, rechts) und Matthias Drong (Chef Kompetenzzentrum Mechatronic). Foto: Romuald Banik
Der niedersächsische Ministerpräsident Stephan Weil (SPD, Mitte) lässt sich von Jost Backhaus, Chef des operativen Geschäfts (links) das zusammengebaute Maschinenhaus zeigen. Daneben stehen Benjamin Seifert (Regionalleiter Zentraleuropa, rechts) und Matthias Drong (Chef Kompetenzzentrum Mechatronic). Foto: Romuald Banik
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Enercon strotzt nach schwerer Krise wieder vor Optimismus. Davon konnte sich Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) jetzt in Aurich überzeugen. Konzern und Politik mögen sich wieder. Ein Kommentar.

Es war ein dankbarer Wahlkampftermin für Ministerpräsident Stephan Weil (SPD). Begleitet von Journalisten inspizierte er am Donnerstag die Produktionshallen von Enercon in Aurich. Umgeben war er dabei von Managern, die vor Optimismus strotzten.

Vergessen waren die Entlassungswellen 2018 und 2019. Vergessen war auch, dass Weil die Enercon-Chefs damals scharf kritisierte. Unter Mitarbeitern herrsche ein „Klima der Angst“, sagte Weil seinerzeit. Die Konzernführung sei mitschuldig an der damaligen Misere gewesen.

Windige Firmengeflechte und Verachtung für Gewerkschaften

Vorbei. Heute haben sich Enercon und die Politik wieder lieb. Das ist die Botschaft des Weil-Besuchs. Dass dies so ist, hat mehrere Gründe.

Erstens: In der Chefetage von Enercon sitzen heute neue Akteure. Die Verachtung für die IG Metall stellen sie nicht mehr so zur Schau wie einst Firmengründer Aloys Wobben oder Ex-Geschäftsführer Hans-Dieter Kettwig. Die neuen Chefs verabschiedeten sich auch von windigen Firmengeflechten – unter anderem von einer Briefkasten-Konzernmutter im Steuervermeidungsparadies Niederlande. Es sollen wieder artig Steuern abgeführt werden. Der Krach mit der Politik ist auch zwischenmenschlich passé. Zumal sowohl Weil als auch Enercon einen gemeinsamen Hauptschuldigen der damaligen Krise auserkoren haben: Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU). Und der ist bekanntlich nicht mehr im Amt.

Enercon hat dazugelernt

Zweitens: Enercon hat verstanden, dass es ohne das Wohlwollen der Politik nicht geht. Die gesamte Energiebranche wird staatlich stark reguliert. Seit der Ukraine-Invasion mehr denn je. Da darf man es sich mit den Entscheidungsträgern nicht verscherzen – erst Recht nicht, wenn man Geld braucht. Jüngstes Beispiel: Enercon erhielt im Juli vom Bund eine Finanzhilfe von 500 Millionen Euro wegen der durch die Pandemie unterbrochenen Lieferketten.

Und drittens: Die Politik braucht Enercon. Mit einer desaströsen Gesetzesänderung trug die schwarz-rote Bundesregierung Mitschuld an den Entlassungen in Aurich. Das soll nicht noch einmal passieren. Grüne Energieformen gelten mehr denn je als systemrelevant. Davon kann Enercon massiv profitieren. Der Optimismus der Manager ist berechtigt.

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