Reichlich Zulauf für Feuerwehr  „Gesamtpaket“ macht Arbeit attraktiv

| | 09.08.2022 16:02 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Wenn es brennt oder zu einer anderen Notlage kommt, werden oft viele helfende Hände gebraucht. Foto: Karin Böhmer
Wenn es brennt oder zu einer anderen Notlage kommt, werden oft viele helfende Hände gebraucht. Foto: Karin Böhmer
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Vielerorts müssen sich Feuerwehren ordentlich strecken, um genügend Mitglieder zu bekommen. Der Chef der Südbrookmerlander Retter erklärt, warum es in seiner Gemeinde anders ist.

Südbrookmerland - Nachwuchssorgen sind bei vielen Freiwilligen Feuerwehren allgegenwärtig. Mit teils kreativen Aktionen versuchen Verantwortliche, junge Menschen für die ehrenamtliche Arbeit zu begeistern. In Südbrookmerland scheinen solche Aktionen bislang nicht nötig zu sein.

Allein die Ortsfeuerwehr Victorbur vermeldete kürzlich 13 neue Mitglieder in ihrer Einsatzabteilung. Aber was machen die Südbrookmerlander in dieser Hinsicht besser, als die Kameraden in anderen Regionen? Die ON haben bei Verantwortlichen nachgefragt.

Fast dreimal so viel Leute wie nötig

18 Mitglieder müsste die Feuerwehr Victorbur laut Feuerwehrverordnung eigentlich in ihrer Einsatzabteilung haben. Sie ist eine sogenannte Grundausstattungsfeuerwehr. Abgesehen davon, dass sich dieser Status voraussichtlich bald ändern wird, wissen erfahrene Führungskräfte aber, dass eine Ortsfeuerwehr eigentlich nie genug Personal haben kann. Schließlich ist nicht jedes Mitglied ständig verfügbar, wenn es brennt oder anderweitig Hilfe von Nöten ist. Dass die Victorburer fast dreimal so viele Einsatzkräfte in ihren Reihen haben, wie sie eigentlich müssten, wird also von den Verantwortlichen begrüßt.

2012 stellte der damalige niedersächsische Innenminister Uwe Schünemann (CDU) Plakate zur Mitgliederwerbung der Feuerwehren vor. Solche Aktionen sind in Südbrookmerland bislang nicht nötig. Foto: Peter Steffen/DPA
2012 stellte der damalige niedersächsische Innenminister Uwe Schünemann (CDU) Plakate zur Mitgliederwerbung der Feuerwehren vor. Solche Aktionen sind in Südbrookmerland bislang nicht nötig. Foto: Peter Steffen/DPA

Ausdrücklich gilt das auch für Vertreter aus Politik und Verwaltung. Die in der Feuerwehrverordnung angegebenen Zahlen seien Mindestanforderungen. Längst nicht jeder sei rund um die Uhr verfügbar, viele Mitglieder gingen außerhalb der Gemeinde ihrer Arbeit nach. „Wir brauchen die Leute deshalb.“ Das Geld, dass für Ausrüstung und Ausbildung der Leute ausgegeben werde, sei gut angelegt. „Da hat es bisher in keinster Weise Diskussionen gegeben.“

„Gesamtpaket“ steigert Attraktivität der Arbeit

Dass die Feuerwehren in Südbrookmerland für neue Mitglieder so attraktiv zu sein scheinen, ist für Westerbur kein Zufall. Er spricht von einem Gesamtpaket, das dazu führt, dass immer genügend junge Menschen nachkommen und ältere Kameraden, die aus dem aktiven Dienst ausscheiden, ersetzen. Seit Jahrzehnten werde in den Ortsfeuerwehren aktiv auf Nachwuchsarbeit gesetzt. Mit zehn Jahren können Kinder in die Jugendfeuerwehr eintreten, wo sie spielerisch und bei Wettbewerben auf ihren späteren Einsatz in den Einsatzabteilungen vorbereitet werden. Sämtliche Südbrookmerlander Ortsfeuerwehren haben solche Jugendabteilungen. In Oldeborg und Wiegboldsbur gibt es seit einigen Jahren darüber hinaus noch Kinderfeuerwehren, in denen die Mitgliedschaft ab sechs Jahren möglich ist.

In Übungen und Wettbewerben bereiten sich die Mitglieder der Südbrookmerlander Jugendfeuerwehren seit Jahrzehnten auf die spätere Arbeit in den Einsatzabteilungen vor. Das scheint sich auszuzahlen. Foto: Archiv
In Übungen und Wettbewerben bereiten sich die Mitglieder der Südbrookmerlander Jugendfeuerwehren seit Jahrzehnten auf die spätere Arbeit in den Einsatzabteilungen vor. Das scheint sich auszuzahlen. Foto: Archiv

Ein wichtiger Punkt sei aber auch die Öffentlichkeitsarbeit, durch die die Feuerwehren immer wieder auf sich aufmerksam machten. Im Gespräch bleiben und zeigen, wie vielfältig die Arbeit ist, ist dabei das Motto. Nicht zuletzt werde die Attraktivität ehrenamtlicher Arbeit in der Feuerwehr aber auch durch Angebote wie die Teilnahme am Hansefit-Programm gestärkt. Dank Zuschüssen der Gemeinde können Mitglieder dabei vergünstigt Schwimmbäder nutzen und in Fitnessstudios trainieren. Selbstverständlich auch, um für die teils schweren Aufgaben in Einsätzen fit zu sein.

Lob an die Gemeinde

Als weiteren Grund dafür, dass es Mitgliedersorgen in den Südbrookmerlander Feuerwehren nicht gibt, nennt Westerbur die Unterstützung und gute Zusammenarbeit mit der Gemeinde. Die habe in den vergangenen Jahren dazu geführt, dass in den Ortsfeuerwehren eine gute und moderne Ausstattung vorgehalten und weiter ausgebaut werde. Auch das lockt nach Meinung des Gemeindebrandmeisters ganz sicher die eine oder andere Einsatzkraft in die Ortsfeuerwehren.

Trotz der positiven Lage ist es laut Westerbur aber wichtig, am Ball zu bleiben. Keinesfalls dürfe man sich darauf ausruhen. „Dann fängt es oft an, schlechter zu werden.“ Bei den Führungskräften der Ortsfeuerwehren sei man deshalb stets bemüht, sich Gedanken darüber zu machen, wie man auch künftig für junge Menschen aus den Jugendabteilungen und Quereinsteiger attraktiv bleiben kann.

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