Kaum Photovoltaikanlagen  Aurich – Stadt der regenerativen Lücken

| | 08.08.2022 18:41 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Bild aus dem Jahr 2014: Aurichs Erster Stadtrat Hardwig Kuiper (vorne) und der damalige Vorsitzende der ABH, Hinrich Wilts, auf dem Turm des Energie-Erlebnis-Zentrums. Handwerker arbeiten daran, eine Photovoltaikanlage anzubringen. Foto: Romuald Banik
Bild aus dem Jahr 2014: Aurichs Erster Stadtrat Hardwig Kuiper (vorne) und der damalige Vorsitzende der ABH, Hinrich Wilts, auf dem Turm des Energie-Erlebnis-Zentrums. Handwerker arbeiten daran, eine Photovoltaikanlage anzubringen. Foto: Romuald Banik
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Aurich hat zwar viel neu gebaut, aber nur wenig neue Heiztechnologie installiert. Photovoltaik gibt es nur auf wenigen Gebäuden – und das Fernwärmenetz existiert „in der Theorie“.

Aurich - Manchmal fallen Löcher erst auf, wenn es spannt. Die Stadt Aurich hat sich jahrelang als „Stadt der regenerativen Energien“ vermarktet – denn der Windkraftkonzern Enercon hat hier seinen Sitz. Schlagworte wie „Power to Gas“ und „Fernwärme“ prägten die Diskussion. Und in dieser finanzstarken Zeit wurden die Sparkassen-Arena, das Energie-Erlebnis-Zentrum, das Familienzentrum, etliche Neubauten bei Schulen und Kitas, etliche Feuerwehrhäuser und Nutzgebäude wie die WC-Anlage am Großen Sett gebaut und Vereinsheime saniert.

Doch in der Zeit der vielen Bauten entstanden nur wenige Photovoltaikanlagen und vereinzelt moderne Heizkonzepte. Wie Bürgermeister Horst Feddermann bei der Pressekonferenz zum Energiespar-Programm der Stadt sagte, verfügen nur das EEZ, die Sparkassen-Arena und die Skatehalle über Photovoltaikanlagen auf ihren Dächern. Alle Gebäude gehören zur Tochtergesellschaft der Stadt, der Auricher Bäder- und Hallen-Gesellschaft, die diese Anlagen immer als einträgliche Posten in ihrer Bilanz aufführt.

Fernwärmenetz faktisch nicht in Betrieb

Bisher gebe es nur eine Wärmepumpe an einem städtischen Gebäude. Diese ist schon länger in Betrieb und müsste laut Feddermann überholt werden. Das Fernwärmenetz, das bereits seit mehr als zehn Jahren durch die Abwasserwärme der Molkerei Rücker betrieben werden könnte, ist nach Angaben von Feddermann faktisch gar nicht in Betrieb. Das Schwimmbad De Baalje sei angeschlossen worden, beim damaligen Gaspreis sei die Fernwärme aber nicht konkurrenzfähig gewesen. Die Leitung sei „in der Theorie“ da, die Technik auch. Aber beides wurde nicht lange verwendet. Stattdessen sei auf ein Blockheizkraftwerk gesetzt worden.

2011 hatte es geheißen, dass das Hotel „Brems Garten“ (die heutige „Stadtperle“), die Stadthalle, die Jugendherberge und die Ellernfeldhalle mit Fernwärme beheizt werden könnten. Doch auch das wird laut Feddermann tatsächlich derzeit gar nicht gemacht – zu günstig war die konventionelle Energie. „Inzwischen sieht das natürlich anders aus“, sagte der Bürgermeister.

Wärmetauschung wird wieder Thema

Zum Maßnahmenkatalog der Stadt – sowohl beim Energie-Einsparpaket als auch im Klimaschutzkatalog – gehört die Aktivierung des Fernwärmenetzes dazu. Laut Stadtbaurätin Alexandra Busch-Maaß müsse künftig mehr und mit den neuesten Erkenntnissen auf Wärmetauschung gesetzt werden. Jetzt werde aber zunächst der Sachstand beim Fernwärmenetz erhoben. In einem zweiten Schritt solle mit der Molkerei über tatsächlich abrufbare Wärmemengen gesprochen werden. Klaus Rücker hatte kürzlich gegenüber den ON gesagt, dass die eigene Energierückgewinnung im Unternehmen eine immer größere Rolle spiele, um der Energiekrise zu begegnen.

Dennoch gehen Feddermann und Busch-Maaß davon aus, dass die Molkerei-Abwärme von der Stadt genutzt werden kann, weil das Abwasser, das zum Klärwerk fließt, eine gewisse Temperatur haben müsse, um das enthaltene Fett fließbar zu halten.

Neubauten grundsätzlich auf energetisch neuestem Stand

Wo überall Photovoltaikanlagen installiert werden können, werde derzeit geprüft. Busch-Maaß warnte vor einer zu schnellen Festlegung auf bestimmte Energietechnologien. Es sei so vieles an neuen Technologien auf dem Markt, dass genau geprüft werden müsse, wo welche Technologie sinnvoll sei.

Auch wenn noch keine Wärmepumpen oder ähnliches in Schul- und Kita-Neubauten installiert wurde: Die Gebäudehüllen sind laut Busch-Maaß auf dem neuesten energetischen Stand.

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