Wege zum Energiesparen In Auricher Schulen, Kitas und Turnhallen wird es kühler
Die Stadt Aurich hat einen 25-Punkte-Plan entwickelt, wie kurz- und mittelfristig Energie gespart werden kann. Neben der Reduktion der Raumtemperatur spielt auch das EEZ eine Rolle.
Aurich - Die Stadt Aurich hat einen 25-Punkte-Maßnahmenkatalog vorgestellt, wie in den kommenden Monaten kurzfristig Energie eingespart und was längerfristig verbessert werden kann. Wie in anderen Kommunen auch spielen dabei Turnhallen, Schulen und Kitas eine Rolle. Aber auch das Rathaus selber: Das Energie-Erlebnis-Zentrum (EEZ) wird zur letzten Trutzburg der Verwaltung, sollte die Energiezufuhr massiv gedrosselt werden.
In den Turnhallen an der Finkenburgschule, der Realschule und der Grundschule Sandhorst soll die Raumtemperatur auf 17 Grad abgesenkt werden. Bisher werden die Hallen auf etwa 19 bis 20 Grad aufgeheizt, wie Bürgermeister Horst Feddermann am Montag in einem Pressegespräch sagte. Die Umkleidekabinen sollen nach Möglichkeit wärmer bleiben. Es werde geprüft, wie sich die Beheizung klug steuern lasse.
20 Grad als Standard für Schulen und Kita-Gruppenräume
In Klassenräumen in den 13 städtischen Schulen soll die Temperatur mit Beginn der Heizperiode auf 20 Grad eingestellt werden. Bislang waren 21 bis 22 Grad üblich. Als Hemmnis sind in der Auflistung noch die Reaktionen vonseiten der Eltern aufgeführt, sollte das Lernen in leicht kühleren Räumen schwierig werden. Auch in den städtischen Kitas soll die Temperatur leicht abgesenkt werden – und zwar auf 20 Grad in den Gruppenräumen, auf 18 Grad in den Schlafräumen, auf 24 Grad in den Waschräumen und auf 21 Grad in den Pausenräumen. Auch hier könnte es nach Problemen bei einem Praxistest und entsprechenden Rückmeldungen eventuell noch Änderungen geben. Feddermann betonte, dass mit Augenmaß gehandelt werden soll.
Auf fünf Grad Celsius soll die Temperatur der Fahrzeughallen der Feuerwehren und des Betriebshofs reduziert werden. Wichtig sei, dass es in den Hallen nicht friere und die Fahrzeuge unmittelbar einsetzbar seien, so der Bürgermeister. Die Friedhofskapellen sollen ebenfalls weniger Energie verbrauchen. Sie sollen nicht permanent geheizt sein, sondern nur bei Nutzung auf eine erträgliche, aber möglichst niedrige Temperatur gebracht werden.
Straßenbeleuchtung zu verschieden, um pauschal auszuschalten
Bei der Straßenbeleuchtung will die Stadt ebenfalls den Verbrauch reduzieren, aber nicht kategorisch eine Zeit der Abschaltung festlegen. Denn zum einen müsse in jedem Fall der Verkehrssicherungspflicht Genüge getan werden, sagte der Bürgermeister. Zum anderen gebe es einen Leuchten-Mix in der Stadt. 40 bis 50 Prozent der Leuchten seien bereits auf LED-Technik umgestellt worden, so Stadtbaurätin Alexandra Busch-Maaß.
Und es gebe Leuchten, die im gedimmten Zustand weniger Energie verbrauchen als beim Ein- und Ausschalten. Für die Bürger sei es nicht problemlos zu erkennen, warum die eine Leuchte vielleicht noch brenne, die andere aber ausgeschaltet werde. Das habe mit den verschiedenen Technologien zu tun.
EEZ soll für Sitzungen und vielleicht sogar für Büros genutzt werden
Doch nicht nur bei den Bürgern setzt der Maßnahmenkatalog an, den der Verwaltungsausschuss der Stadt am 1. August beschlossen hat. Auch im Rathaus soll die Heiztemperatur nicht mehr über 20 Grad steigen. Der Ratssaal, der nicht nur schlecht isoliert ist, sondern quasi nur Außenwände besitzt, soll künftig kaum noch genutzt werden. Die Sitzungen sollen nach Möglichkeit verlegt werden – und zwar in das Energie-Erlebnis-Zentrum in Sandhorst. Denn dort läuft die Beheizung über das Fernwärmenetz der Biogasanlage im Industriegebiet. Zudem gibt es ein Blockheizkraftwerk. Das Rathaus soll nach Möglichkeit nur noch in einem Kernbereich geheizt werden, wie Busch-Maaß erklärte. Dazu beitragen soll, dass die Rats- und Ausschusssitzungen in den großen Seminarraum des EEZ verlegt werden. Sollte Corona wieder größere Abstände zwischen den Plätzen verlangen, wird geprüft, inwieweit das EEZ-Foyer nutzbar wäre oder ob die Ratssitzungen doch wieder in die Stadthalle verlegt werden müssen.
Auch die Fraktions- und Gruppensitzungen sollen in kleineren Räumen als jetzt stattfinden, so Feddermann. Einige Fraktionen hätten dies schon umgesetzt, andere kämen immer noch im Ratssaal zusammen. Sie sollten künftig kleinere Räume nutzen. Es wird sogar geprüft, ob Arbeitsplätze aus dem Rathaus ins EEZ verlegt werden können, so Feddermann. Im EEZ seien zwar keine Büros frei, es sei jedoch vielleicht ein Großraumbüro im Ausstellungsraum denkbar. Im Rathaus soll insofern gespart werden, dass den Mitarbeitern wie in Corona-Zeiten Homeoffice nahegelegt wird und dass Mitarbeiter sich verstärkt Büros beziehungsweise Arbeitsplätze teilen.
Zudem wird geprüft, wie die Beleuchtung der städtischen Gebäude durch Zeitschaltuhren oder Ausschalten energetisch optimiert werden kann.
Einige Gebäude werden bei massiver Knappheit zuerst nicht mehr beheizt
Als weiteres Feld hat das Energiespar-Team Vereinshäuser und sonstige öffentliche Liegenschaften in den Blick genommen. Das Sanitärgebäude am Kletterwald soll beispielsweise geschlossen werden. Energieintensive Räume im Jugendzentrum sollen ebenfalls nicht mehr genutzt werden, die Angebote stattdessen ins erst 2015 gebaute Familienzentrum verlegt werden.
Auch die Vereine, die städtische Liegenschaften nutzen, seien schon kontaktiert worden, dass sie unbedingt Energie sparen sollen – allein schon wegen der Rechnung, so Feddermann. Sollte Erdgas im Winter rationiert werden, stehen die Vereinsheime ebenso wie das JUZ-Gebäude vor der „Herausnahme aus der Energieversorgung“, wie es im Katalog heißt. Auch mit den Sportvereinen werde gesprochen, damit die Nutzung von Flutlichtanlagen auf das Minimum reduziert wird, so Feddermann.
Klauseln in Verträgen durch Energiekrise in Auflösung
Auch die Stadthalle, die Sparkassen-Arena, die Stadtperle und der Hof Harms würden bei einem Gaslieferstopp aus der Versorgung herausgenommen. Sie alle gehören zur Auricher Tochtergesellschaft Auricher Hallen- und Bäder-Gesellschaft (ABH) und haben laut Feddermann derzeit Verträge mit Warmmiete. Die Stadt ist zudem dabei, weitere Verträge zu prüfen, beispielsweise für das Lokal „Hafenkiste“. Da bundesweit die Alarmstufe 2 bei der Gasversorgung ausgerufen sei, dürfe und müsse über die Energie-Vereinbarungen in geschlossenen Verträgen neu nachgedacht werden, sagte die Stadtbaurätin.
Genau diese Öffnung der Preisbindung kann auch der Stadt noch auf die Füße fallen. Sie schließt ihre Energieverträge über den Städte- und Gemeindebund ab, der seit Jahren günstige Konditionen für alle teilnehmenden Kommunen aushandelt. Durch die gesetzlichen Änderungen rechnet Busch-Maaß damit, dass die Energie auch für die Stadt teurer wird – und zwar nicht nur wegen der drohenden allgemeinen Umlage.
Photovoltaik, andere Heiztechnologien und Dämmbarkeit in der Prüfung
Neben den kurzfristigen Sparmaßnahmen sind auch längerfristige Projekte bereits in Angriff genommen worden. So wird derzeit eine Bestandsaufnahme des energetischen Zustands der städtischen Gebäude gemacht. Wo können Photovoltaikanlagen installiert werden, wo sprechen Wind- und Soglasten oder die Gebäudeausrichtung dagegen? Auch die kurzfristige Dämmbarkeit von Gebäuden werde von einer Projektgruppe aus dem Gebäudemanagement, dem Klimaschutzmanager und externen Energieberatern derzeit geprüft, so Busch-Maaß. Dies müsse aber immer auf den Einzelfall zugeschnitten werden. Nicht immer sei eine bessere Dämmung der Schlüssel zu mehr Energieeinsparung. Auch Photovoltaik oder Wärmepumpen seien nicht immer der Königsweg. Manchmal sei es sinnvoller, beispielsweise eine Infrarotheizung einzubauen und das Heizkonzept umzustellen, so die Stadtbaurätin. „Technologisch tut sich gerade sehr viel.“
Langfristig will die Stadt auch durch Vorgaben in Bebauungsplänen steuern, dass Neubauten energieeffizient gebaut und mit regenerativen Energien betrieben werden.
Sie unterstützt zudem das Projekt des Gymnasiums Ulricianum, wo 2014 das Ziel ausgegeben wurde, durch aufmerksamen Umgang mit der Heizung und dem Lichtschalter 20 Prozent Energie einzusparen. Dies sei der Schule gelungen, so Busch-Maaß. Das Konzept wolle die Stadt nun auch an ihre Schulen weitergeben, denn es zeige, wie viel Energie durch kleine Umstellungen im Verhalten eingespart werden könnte.
Bürgermeister legt sich nicht auf Zahl fest
Das Schwimmbad De Baalje ist nicht Teil des Maßnahmenkatalogs, sondern hat – wie berichtet – bereits Einsparungen vorgenommen. So wurden die Solebecken geschlossen und die Temperatur in den Sportbecken abgesenkt. Laut Feddermann verbraucht die Stadt bisher 20 Millionen Kilowattstunden Erdgas. Auf das Bad entfallen 8 Millionen dieser 20 Millionen Kilowattstunden. „Das ist der größte Brocken“, so Feddermann. Die Kläranlage, die gewöhnlich ebenfalls mit großen Verbräuchen in der Bilanz steht, erzeugt ihre Energie über den Faulturm hingegen selber.
Eines will der Bürgermeister derzeit nicht: sich angesichts des bisherigen Verbrauchs und der beschlossenen Maßnahmen auf ein klares Einsparziel festlegen. Was die Maßnahmen bewirken, werde in der Abrechnung festgestellt – und zwar erst im Nachhinein. „Wir haben keine festgelegt Marge, sondern wollen mit Augenmaß runterfahren und einfach das einsparen, was verträglich einzusparen ist“, so Feddermann.