Flüchtlingsunterkunft abgelehnt Auricher Kaserne geht an den Investor und die Stadt
Landrat Olaf Meinen wurde am Freitag von einer Nachricht der Bima überrascht: Der Kreis bekommt keinen Zugriff auf die Kaserne. Nun muss eine Alternative für Geflüchtete her.
Aurich Es war wie ein Schlag in die Magengrube von Olaf Meinen. Am Freitagmittag, zum Abschluss seines Urlaubs, bekam der Auricher Landrat von der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben per E-Mail mitgeteilt, dass keine weiteren Kasernengebäude für die Unterbringung von Geflüchteten zur Verfügung gestellt werden. Wie berichtet, wollte der Kreis neun Häuser übernehmen, um dort möglichst bald Wohnraum für Vertriebene zu schaffen.
Die Entscheidung fiel überraschend schon am Freitag. Meinen zeigte sich alles andere als erfreut. „Ich bin sehr überrascht. Gerade gestern hat das Land noch mal die Zahlen angepasst, wir sollen jetzt sogar 1248 Menschen aufnehmen. Der Druck ist enorm.“
Container in den Internationalen Gärten
Nun müssten rasch andere Lösungen her. Es seien bereits weitere Container bestellt, aber der Markt sei wie leergefegt, so Meinen. Am Montag werde im Kreishaus konferiert, wie es nun weitergehen könne. Mit der Stadt Aurich ist der Landkreis bereits in Gesprächen, ob er ein Grundstück übernehmen kann. Die Idee ist, Container in den derzeit ungenutzten Internationalen Gärten am Extumer Weg aufzustellen. Dass genug Container zu besorgen seien, könne er nur hoffen, so Meinen.
Doch auch ein paar provisorische Wohnunterkünfte seien keine wirkliche Lösung. Wöchentlich kämen derzeit 80 Geflüchtete im Landkreis Aurich an. „Wir haben schon 180 Wohnungen angemietet, die dem Wohnungsmarkt jetzt fehlen“, so der Landrat. Das sorge bereits für Nöte bei vielen Haushalten, die eine Wohnung suchen.
Meinen fürchtet sozialen Zündstoff
Auch eine Unterbringung in Containern biete sozialen Zündstoff. Noch mehr Konfliktpotenzial fürchtet Meinen aber, wenn er die Geflüchteten in Turnhallen untergebringen müsste. Das solle nach Möglichkeit verhindert werden. Ausgeschlossen ist nichts. „Wenn ich das tun muss, dann muss ich das tun“, so Meinen. Der Landkreis sei in der Pflicht, die Kriegsvertriebenen aus der Ukraine und andere Geflüchtete vernünftig und menschenwürdig unterzubringen.
Deshalb habe der Landkreis auf die Kaserne gehofft — wohlwissend, dass auch die Stadt Aurich und Investor Norbert Dittel aus Bremen dort große Pläne haben. Denn dort gebe es Platz. Die mit dem Investor vor Wochen ausgehandelte Übernahme zweier H-Gebäude (Gebäude 11 und 12) reiche bei Weitem nicht aus, so Meinen. Zudem seien diese Immobilien in schlechtem Zustand, die Herrichtung würde bis mindestens Mitte 2023 dauern und viel Geld verschlingen.
Landkreis würde gerne Divisionsgebäude übernehmen
Der Landkreis hätte deshalb gerne einen schnellen Zugriff auf das große Divisionsgebäude bekommen, dass bereits 2015/16 hergerichtet worden sei, so Meinen. Wie berichtet, plant Dittel, dort eine große Einrichtung mit mehreren Angeboten für Senioren zu schaffen. Er hatte Anfang der Woche den ON gegenüber angekündigt, sich zurückzuziehen, wenn der Landkreis die Gebäude bekomme und die Konversion ins Stocken gerate.
Darauf, dass auf dem Kasernengelände Wohnungen vom Investor fertig umgebaut sind, könne der Landkreis nicht warten, sagte Meinen. Denn es sei angesichts der Weltlage derzeit nicht abzusehen, dass die Zahl der Geflüchteten zurückgeht.
Hoffnung auf innerauricher Lösung
Meinen hofft weiterhin auf Gespräche mit der Stadt Aurich. Auch in seinem gerade beendeten Urlaub habe er mehrfach mit Bürgermeister Horst Feddermann telefoniert. Es gebe einen sehr guten Austausch zwischen beiden.
Meinen hätte damit gerechnet, dass die Bima eine Kompromisslösung anstreben würde, da leerstehende Kasernen bevorzugt zur Flüchtlingsunterbringung herangezogen werden sollten, wie er sagte. „Die Bima bietet nun Flächen für Container an, aber das löst das Problem nicht. Die Container sind ja gar nicht zu kriegen derzeit.“ Selbst innerhalb der Bima kam der Beschluss offenbar überraschend. Am Freitagmittag teilte eine Sprecherin auf ON-Nachfrage noch mit, dass mit einer Entscheidung erst Anfang der kommenden Woche gerechnet werde.
Er hoffe noch auf Gespräche mit der Stadt Aurich. Vielleicht lasse sich doch noch ein Kompromiss mit dem Investor finden. „Es stehen ja Menschen hinter diesen Zahlen. Frauen und Kinder, die eine vernünftige Unterkunft brauchen“, so Meinen. Das sei eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe.