Bürgermeister zur Kaserne  „Im Moment kann die Stadt nur abwarten“

| | 02.08.2022 17:39 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Der öffentliche Platz vor dem Kasernentor ist bereits zum Teil angelegt. Die Stadt möchte bald auch die Kaserne umgestalten und der Investor plant Sozialwohnungen im früheren Wachgebäude. Doch derzeit heißt es Abwarten. Foto: Romuald Banik
Der öffentliche Platz vor dem Kasernentor ist bereits zum Teil angelegt. Die Stadt möchte bald auch die Kaserne umgestalten und der Investor plant Sozialwohnungen im früheren Wachgebäude. Doch derzeit heißt es Abwarten. Foto: Romuald Banik
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Die Emotionen kochen in Aurich hoch, weil die Konversion der Kaserne wieder ins Stocken zu geraten droht. Der Bürgermeister rät zunächst jedoch zur Gelassenheit.

Aurich - Lange Diskussion im Verwaltungsausschuss der Stadt Aurich am Montagabend: Die Politiker wollten wissen, wie der Stand der Verhandlungen bei der Entwicklung der Blücherkaserne ist. Wie berichtet, steht der Bremer Investor Norbert Dittel seit rund drei Jahren mit der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (Bima) und der Stadt Aurich in Verhandlungen, weil er die Kaserne erwerben und die Immobilien dort zu einem neuen Quartier entwickelt will. Jäh unterbrochen wurde der Planungsprozess vor zwei Wochen von der Forderung des Landkreises, in den Gebäuden Geflüchtete unterzubringen. Die Zahl der aufzunehmenden Menschen sei deutlich gestiegen, der Wohnungsmarkt und die Kapazitäten in den Aufnahmeeinrichtungen seien erschöpft, so der Kreis.

Die Stadt Aurich steht derzeit zwischen den Stühlen. Laut Bürgermeister Horst Feddermann könne man es derzeit nur ostfriesisch halten: „Abwarten und Tee trinken.“ Für die Stadt sei die Kaserne sehr wichtig. Der Ball liege derzeit aber im Feld der Bima, die nach eigenen Angaben in der nächsten Woche entscheiden will, ob sie das Gelände dem Landkreis überlässt oder an Norbert Dittel verkauft.

Stadt konzentriert sich auf nächste Schritte

„Im Moment haben wir keine Möglichkeit zu agieren“, sagte Feddermann. Alles, was die Stadt jetzt tun könne, sei die Planungen für die Konversion voranzutreiben, also weiter am Bebauungsplan zu arbeiten und die noch nicht geklärten Punkte im städtebaulichen Vertrag mit Dittel zu klären. Nach jetziger Planung – und natürlich abhängig von der Entscheidung der Bima – sei mit einem Vertragsabschluss mit Dittel Ende August zu rechnen. „Aber wir wollen uns beide Seiten offenhalten und auch gut mit dem Landkreis zusammenarbeiten“, so der Bürgermeister.

Ein Gespräch mit der Bima und dem Kreis will die Stadt nach ON-Informationen Anfang der kommenden Woche führen. Wenn die Bima wie der Erste Kreisrat zu dem Schluss komme, dass leer stehende Kasernen bevorzugt für die dringende Unterbringung von Geflüchteten zur Verfügung gestellt werden sollen, „dann sind wir erst mal raus und führen unsere Planungen zugleich aber weiter“, so Feddermann. Dann sei der Landkreis künftig der wichtigste Vertragspartner der Stadt, mit dem man abstimmen müsse, wie die Konversion möglichst parallel weitergetrieben werden könne. Bekomme Dittel den Zuschlag von der Bima, gehe die Planung weiter wie bisher.

Derzeit kochten die Emotionen hoch, weil die Kaserne so wichtig für die Stadt Aurich sei. Im Verwaltungsausschuss sei am Montag lange über das Thema gesprochen worden, so Feddermann. Aber alle Seiten wüssten um die Bedeutung, die das Gelände für die Stadtentwicklung habe. Und dass es 2015 schon mal eine Unterbrechung zum Schaden der Quartiersentwicklung gegeben habe, wüssten Bima und Landkreis auch. „Wir machen, was möglich ist, sind nun aber erst mal zum Abwarten verdammt“, sagte Feddermann.

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