Besuchertag der Bundeswehr am Badesee  Badehosenbunt trifft Olivgrün

| | 31.07.2022 19:11 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Sogar einen mobilen Operationssaal konnten sich die Besucher am Badesee anschauen. Foto: Karin Böhmer
Sogar einen mobilen Operationssaal konnten sich die Besucher am Badesee anschauen. Foto: Karin Böhmer
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Am Badesee in Tannenhausen stellten sich am Sonnabend verschiedene Verbände der Bundeswehr vor. Dort gibt es eine Vielzahl von Berufen. Und etwas, das noch über der fachlichen Seite steht.

Tannenhausen - Es war schon ein seltsames Bild. Badegäste fast jedes Alters standen am Sonnabendnachmittag in Bikini oder Badehose vor Soldaten in Uniform und ließen sich Ausrüstung der Bundeswehr zeigen oder Aufgaben im Dienst erklären.

Die Bundeswehr sucht Personal und hatte deshalb eine Art Besuchertag am Badesee in Tannenhausen organisiert. Abseits von Schule und mit der Aussicht auf freie Fahrten auf der Wakeboard-Anlage North Bound sollten sich junge Leute über die Karrieremöglichkeiten bei der Truppe informieren können. Bei einigen war dieses Interesse durchaus da. Ein Jugendlicher verließ den Stand des 4. Fregattengeschwaders aus Wilhelmshaven mit Infomaterial und der Anmeldekarte für einen dreitägigen Schnupperaufenthalt am Stützpunkt.

Körperliche Fitness ist die Grundlage

Das Kommando Spezialkräfte der Marine (KSM) aus Eckernförde war mit einem bis zu 80 Stundenkilometer schnellen Festrumpfschlauchboot vor Ort, das vor allem Kinder und ihre Mütter anzulocken schien. Das KSM ist einer von drei Spezialverbänden der Bundeswehr. Ein Hauptbootsmann berichtete, dass er sich wegen seiner Leidenschaft für Wasser und Boote dort als Berufssoldat verpflichtet habe. Er ist im technischen Bereich des KSM tätig. Körperliche Fitness und Belastbarkeit seien Grundlage für den Einsatz. „Wir haben schwere Ausrüstung und bis zu 50 Kilogramm am Mann“, so der Soldat.

Das Festrumpfschlauchboot des Kommando Spezialkräfte der Marine (KSM) aus Eckernförde erreicht Geschwindigkeiten bis 80 Stundenkilometern. Foto: Karin Böhmer
Das Festrumpfschlauchboot des Kommando Spezialkräfte der Marine (KSM) aus Eckernförde erreicht Geschwindigkeiten bis 80 Stundenkilometern. Foto: Karin Böhmer

Vor der Aufnahme in die Einheit stehen eine allgemeine militärische Ausbildung, eine eingehende medizinische Untersuchung und etliche spezielle Fachqualifikationen. Auslandseinsätze gehören dazu. „Aber das weiß man ja vorher und beschäftigt sich damit“, so der Hauptbootsmann.

Ein Krankenhaus im Zelt

Ähnlich ist es auch beim Kommando schnelle Einsatzkräfte Sanitätsdienst „Ostfriesland“ in Leer (Kdo SES). Das Kdo SES präsentierte modulare Sanitätseinrichtungen, darunter eine Luftlanderettungsstation mit zwei Notfallarbeitsplätzen und zwei Ambulanzarbeitsplätzen, in der die Erstversorgung von verletzten Soldaten sichergestellt wird. Nach Angaben eines Oberfeldarztes verfügt die Luftlanderettungsstation über Beatmungsgeräte, einen Defibrillator, Blutgasanalysegeräte, Ultraschall, Ausstattung zur Intubation und chirurgischen Wundbehandlung und weitere Diagnose- und Behandlungsgeräte. Aufgabe der Station sei es neben der Diagnose, die Patienten zu stabilisieren und auf den Weitertransport in größere Sanitätseinrichtungen vorzubereiten. Im Nachbarzelt gab es zudem einen OP zu bestaunen.

Beim Kommando SES in Leer arbeitet vor allem sanitätsdienstliches Unterstützungspersonal und Instandhaltungspersonal. Zu den Aufgaben gehören unter anderem Evakuierungsoperationen, wie zuletzt in Kabul. Soldaten aus Leer waren und sind in Krisengebieten wie im ehemaligen Jugoslawien, in Afghanistan und Mali, eingesetzt.

Karriereberater: Vereinbarkeit von Familie und Beruf ist deutlich gestiegen

Für den Sanitätsdienst der Bundeswehr können sich auch zivile Fachkräfte aus dem medizinischen Bereich für einen Quereinstieg in eine militärische Laufbahn bewerben. Sie benötigen im Anschluss selbstverständlich nur noch die militärische Ausbildung. Ohne medizinische Vorbildung durchlaufen die Soldaten zunächst die militärische Ausbildung und werden im Anschluss sanitätsdienstlich ausgebildet. In Leer arbeiten unter anderem Notfallsanitäter, Operationstechnische Assistenten, Medizinisch Technische Assistenten. „Das ist eine Berufung, kein Job“, so der Oberfeldarzt.

Laut Markus Meyer, Leiter des Karriereberatungsbüros in Aurich, gibt es neben dem militärischen Bereich auch einen großen zivilen Apparat der Bundeswehr mit technischen und handwerklichen Berufen oder Tätigkeiten in der Verwaltung. Auch die zivilen Bewerber in den Beamtenlaufbahnen müssten grundsätzlich davon ausgehen, dass ihre Ausbildung an verschiedenen Standorten in Deutschland stattfinden kann. So viele Standortwechsel wie vor 30 Jahren gebe es heute aber nicht mehr. Je nach Einsatzgebiet seien einige Stellen sogar teilzeitfähig und in lange nicht allen Bereichen gebe es Schichtdienst, so Meyer. Die Vereinbarkeit von Familie und Beruf sei deutlich gestiegen.

Dennoch sei klar, dass im militärischen Bereich der Bundeswehr jede Arbeitskraft in erster Linie Soldat und dann Fachkraft sei. „Ich bin auch Betriebswirt, aber vor allem Offizier“, so Meyer.

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