50 Jahre TuS Aurich-Ost  Keimzelle des Vereins war die Waldschule

| | 28.07.2022 16:39 Uhr | 1 Kommentar | Lesedauer: ca. 5 Minuten
Hedda und Reinhard Schönbohm gehörten Anfang September 1972 zu den Gründungsmitgliedern des TuS Aurich-Ost. Seit 2016 ist Paul Sobottka (rechts) erster Vorsitzender des Mehrspartenvereins, der gegenwärtig rund 1000 Mitglieder hat. Foto: Wolf-Rüdiger Saathoff
Hedda und Reinhard Schönbohm gehörten Anfang September 1972 zu den Gründungsmitgliedern des TuS Aurich-Ost. Seit 2016 ist Paul Sobottka (rechts) erster Vorsitzender des Mehrspartenvereins, der gegenwärtig rund 1000 Mitglieder hat. Foto: Wolf-Rüdiger Saathoff
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Vor 50 Jahren wurde der TuS Aurich-Ost gegründet. Ein Verein, der eng mit der Waldschule und ihrem Rektor verbunden war.

Wallinghausen - In wenigen Wochen jährt sich der Gründungstag des TuS Aurich-Ost zum 50. Mal. Am 2. September 1972 unterschrieben zwei Frauen und fünf Männer in der Waldschule Egels das Gründungsprotokoll. Mit dabei waren Hedda und Reinhard Schönbohm. Sie unterrichteten an der Waldschule. Dort war Alfred Meyer Rektor der Schule. Er war auch der erste Vorsitzende des TuS. Einer, der 35 Jahre die Geschichte des Vereins im Osten der Stadt Aurich prägte, wie kein anderer.

Vereinschef Paul Sobottka (links) mit Abteilungsleitern: Andreas Ringhand (Stehend von links, Kendo), Johann Siefken (Radwandern), Eugen Murer (Boule), Jens Mühring (Vorstand). Kniend: Uwe Bender (links, Tennis), Sven Rohl (Ju-Jutsu). Es fehlen Marion Geiken/Stefan Schewiola (Lauftreff), Franziska Hedemann (Kinderturnen), Ursula Schelten (Nordic Walking), Anja Ahrendt (Herzsport), Karin Degelmann (Gymnastik), Gerhard Olthoff (Emjak) und Gerrit Fiene (Tischtennis).
Vereinschef Paul Sobottka (links) mit Abteilungsleitern: Andreas Ringhand (Stehend von links, Kendo), Johann Siefken (Radwandern), Eugen Murer (Boule), Jens Mühring (Vorstand). Kniend: Uwe Bender (links, Tennis), Sven Rohl (Ju-Jutsu). Es fehlen Marion Geiken/Stefan Schewiola (Lauftreff), Franziska Hedemann (Kinderturnen), Ursula Schelten (Nordic Walking), Anja Ahrendt (Herzsport), Karin Degelmann (Gymnastik), Gerhard Olthoff (Emjak) und Gerrit Fiene (Tischtennis).

Hedda Schönbohm merkt im Gespräch mit den Ostfriesischen Nachrichten an: „Ohne das Wirken von Alfred Meyer wäre der Verein nicht das geworden, was er heute ist.“ Ein Satz, den viele Mitstreiter von damals ebenfalls ohne Zweifel unterschreiben würden.

„Es gab Widerstände“

Meyer war Initiator der Vereinsgründung. Sein Ziel war ein Mehrspartenverein mit einem Angebot, das es im Osten des Stadtgebietes noch nicht gab. Mit den beiden Fußballvereinen SG Egels-Popens und SV Wallinghausen sollte der neue Verein nicht in Konkurrenz treten. Es gab im Vorfeld der TuS-Vereinsgründung auch Stimmen, die eine Fusion der beiden Fußballclubs zu einem großen Sportverein befürworteten.

Der Auricher Bürgermeister Werner Stöhr (rechts) übergab Vereinschef Alfred Meyer bei der Einweihung des Gulhofes 1986 in Wallinghausen einen symbolträchtigen Schlüssel für das Vereinsheim des TuS. Es heißt fortan „Dat Wallinghus“. Dort trainiert auch die Ju-Jutsu-Abteilung. Fotos (2): privat
Der Auricher Bürgermeister Werner Stöhr (rechts) übergab Vereinschef Alfred Meyer bei der Einweihung des Gulhofes 1986 in Wallinghausen einen symbolträchtigen Schlüssel für das Vereinsheim des TuS. Es heißt fortan „Dat Wallinghus“. Dort trainiert auch die Ju-Jutsu-Abteilung. Fotos (2): privat

„Es gab Widerstände, sodass sich diese Idee nicht durchsetzte“, betont Reinhard Schönbohm. Der 84-Jährige hat auch das blau-weiße Vereinslogo entworfen. Ein Kreis, der die Worte TuS, Aurich und Ost, die übereinander angeordnet sind, umschließt. Blau und Weiß sind die Vereinsfarben des TuS. Allesamt Dinge, die bereits im Vorfeld der Gründungsversammlung vorbereitet wurden. Natürlich unter Federführung von Meyer, der bis 2007 den TuS führte.

Expansion von Anfang an

Der Verein expandierte von Anfang an. Bereits auf der Gründungsversammlung traten 18 Frauen und Männer dem TuS bei. Nach nur neun Monaten auf der ersten Jahreshauptversammlung waren es schon 429. Der positive Trend sollte sich fortsetzen und erreichte 1994 mit mehr als 1400 seinen Spitzenwert.

Das Angebot in der Anfangszeit umfasste Handball, Tischtennis, Leichtathletik sowie Gymnastik. Hedda Schönbohm engagierte sich in der Gymnastiksparte. Sie hatte bereits in den Jahren davor in der Volksschule Wallinghausen einmal wöchentlich Gymnastik angeboten. Unter bescheidenen Verhältnissen.

Enge Verbindung zwischen Schule und Verein

Das änderte sich aber mit dem Bau der neuen Sporthalle in Egels. Der TuS füllte die Halle nach dem Schulunterricht mit Leben. Nicht nur das. Zahlreiche Lehrkräfte der Waldschule übernahmen Aufgaben in den Sparten. Sie organisierten Wettkämpfe und Veranstaltungen und trainierten die Mitglieder.

Von Anfang an gab es eine enge Verbindung zwischen der Schule und dem TuS. Die große Klammer dazwischen war Alfred Meyer, so die Eheleute Schönbohm. Sie betonen: „Die Keimzelle war die Waldschule. Viele unserer Kollegen waren auch gleichzeitig in den Sparten tätig. Alle ehrenamtlich und unentgeltlich.“

Langer Weg zum Vereinslokal

Nicht nur das. Weil der Verein in den ersten Jahren kein Vereinslokal hatte, verlagerte Meyer die Zusammenkünfte in die Waldschule. Hedda Schönbohm befand mit lachendem Gesicht: „Das Lehrerzimmer war das Vereinsheim.“

Es sollten nach der Vereinsgründung 14 Jahre vergehen, ehe der TuS mit der Einweihung der Begegnungsstätte „Dat Wallinghus“ ein eigenes Zuhause bekam. Meyer hatte das Projekt auch gegen Widerstände aus dem Dorf durchgeboxt. Der TuS profitierte von Meyers politischem Einfluss als Kommunalpolitiker. Er nutzte seine Kontakte, überzeugte Mitstreiter und hatte Ausdauer, wenn es darum ging, für seine Ideen zu werben und zu kämpfen.

Handball als Aushängeschild

Der TuS machte sich mit Handball einen Namen. Die Sparte entwickelte sich zum Aushängeschild des jungen Vereins. Trainer wie Wolfgang Ladwig oder Peter Pasenau sorgten dafür, dass der TuS über die Grenzen Ostfrieslands bekannt wurde. Vor allen Dingen im Frauenhandball setzte der TuS Akzente.

Der sportliche Erfolg befeuerte im Verein eine langwierige Diskussion. Sollte der Verein Geld in die Hand nehmen, um mit auswärtigen Spielerinnen höhere Ziele zu verfolgen? Der Vorstand entschied sich dagegen und für den Breitensport. Mit Folgen: Trainer verließen den Verein, ebenso Spielerinnen. Die Handballsparte gibt es nicht mehr. Ein schmerzhafter Einschnitt, so Vereinschef Paul Sobottka, aber die Mitgliederverluste seien über neue Sparten und Angebote wieder ausgeglichen worden. Aktuell boomt die Tennissparte mit rund 400 Mitgliedern.

Breites Angebot mit motivierten Mitarbeitern

Der TuS bietet ein breit gefächertes Sportprogramm an. Dazu gehören neben den klassischen Sparten wie Lauftreff, Tennis, Tischtennis oder Gymnastik auch die eigene Bootssportabteilung sowie Boule, Ju-Jutsu oder Skisport. Dazu sagt der Vorsitzende Sobottka: „Die Angebote und Sparten funktionieren, weil sich einzelne Personen engagieren und die Dinge in die Hand nehmen.“

Das hat bisher gut funktioniert und Sobottka hofft, dass es auch zukünftig dabei bleibt. Sobottka gibt zu bedenken, dass sich das Verhalten der Mitglieder verändert hat. So wie die Familie Schönbohm, die seit nun mehr 50 Jahren dem Verein die Treue hält, ist es bei der großen Mehrheit der Mitglieder nicht bestellt.

Fit machen für die Zukunft

„Ein großer Teil ist nicht länger als fünf Jahre dabei. Sie sehen unseren Verein als Dienstleister und nutzen das Kursangebot so lange wie es Sinn macht. Vereinstreue, so wie ich sie noch kannte, ist nicht mehr so stark ausgeprägt“, so der Vereinschef. Deshalb hat der Vorsitzende ein Anliegen für die Zukunft: Den Verein stabilisieren und das Vermächtnis des Gründervorsitzenden Meyer bewahren.

Die Jubiläumsfeier „50 Jahre TuS Aurich-Ost“ findet am Sonnabend, 17. September, ab 14 Uhr auf der Tennisanlage am Böhnerweg statt. Auf dem Programm stehen ein Festvortrag des Vorsitzenden, Ehrungen sowie sportliche Vorführungen. Es wird gegrillt und ein Diskjockey sorgt für Musik.

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