SV Wallinghausen mit Megakader Experiment mit neuem Trainer und vielen Spielern
Fußball-Bezirksligist SV Wallinghausen hat einen neuen Trainer. Weshalb Ewald Mühlenbrock Neuland betritt und wie er den rekordverdächtig großen Kader betreuen will.
Wallinghausen - Ewald Mühlenbrock ist schlagfertig. Der neue Trainer des Fußballbezirksligisten SV Wallinghausen musste nicht lange überlegen, als er auf die Frage antwortete, was er nach der respektablen 17-jährigen Amtszeit seines Vorgängers Sven Bünting bei den Grün-Weißen erreichen will. „Ich hoffe, es läuft hier nicht wie bei Manchester United: Als Trainer Alex Ferguson nach langer Zeit (27 Jahre und 38 Titel, Anmerkung der Redaktion) aufhörte, haben seine Nachfolger nicht mehr viel gerissen“, flachste er mit Pressevertretern bei der Vorstellung der Mannschaft für die Saison 2022/23.
Der Kader ist deutlich größer als in den vergangenen Jahren. Auf der Liste stehen kurz vor Saisonbeginn 31 Namen. Ein üppig bestückter Kader, bei der fast die Hälfte der Spieler während der Saison mehr oder weniger zum Zuschauen verurteilt ist.
Trainer setzt auf Alternativen im Kader
Mühlenbrock, Jahrgang 1963, winkt ab und erklärt: „Wer weiß schon, wie es mit Corona weitergehen wird. Wir haben auch viele Studenten dabei. Einige von weiter weg aus Kiel oder Hannover. Die werden nicht immer dabei sein“, setzt der Trainer auf Alternativen im Kader. Keine Frage, bei der Aufstellung der Startformation gilt für den Trainer das Leistungsprinzip.
Für Mühlenbrock ist es die erste Station im Männerbereich. Zuvor hatte sich der gebürtige Ihlowerfehntjer als Nachwuchstrainer beim SV Großefehn und der JSG Großefehn einen Namen gemacht. Dort hat er von der C- bis zur A-Jugend bis 2014 trainiert. Dann war aus familiären Gründen Schluss.
Aus dieser Zeit stammten auch vier A-Jugendspieler, die vor zwei Jahren von Großefehn zum SVW wechselten. Spieler, die er damals noch betreut hat. „Wir wollten die jungen Spieler leistungsmäßig fordern und sie in den Herrenbereich überführen“, so formulierte Mühlenbrock seinen Auftrag als Juniorentrainer. Als der SVW bei ihm anfragte, ob er sich das Traineramt bei den Grün-Weißen vorstellen könnte, da lag seine Antwort auf der Hand. Mühlenbrock bekannte: „Weil die ehemaligen Jungs in Wallinghausen gelandet sind, hätte ich auch nichts anderes angenommen als diesen Verein.
Spaß haben und einstelliger Tabellenplatz
Nun steht er in der Verantwortung. Ihm zur Seite steht Co-Trainer Markus Dahlke, der auch schon unter Sven Bünting dabei war. Dahlke beschrieb die Zielsetzung für die neue Saison: „Die Spieler sollen Spaß haben und die Mannschaft funktionieren. Ein einstelliger Tabellenplatz sollte es schon sein.“ Ein bescheidenes Ziel? Mühlenbrock erklärte: „Wir sind noch nicht so weit wie die Spitzenteams. Da fehlt uns noch die nötige Aggressivität.“
Der SVW verzeichnet mit Jannes Hagena und Alexander Geis zwei Abgänge. Auf der Habenseite stehen zehn Namen. Dazu gehören junge Spieler mit Potenzial wie Finn Ottersberg und Malte Folkers aus der eigenen A-Jugend oder Torben Bender und Pascal Meyer. Dazu gesellen sich erfahrene Fußballer, wie die ehemaligen Wiesmoorer Hendrik Schulz und Bertony Konda. Unterm Strich bleibt der SVW ein sehr junges Team. Nur ein Fünftel der Mannschaft ist nach Auskunft des Trainers älter als 25 Jahre. Mühlenbrock begann bei Eintracht Ihlow mit dem Fußballspielen. Nicht nur das. „Ich habe als E-Jugendlicher noch den Rasen geharkt“, erinnerte sich der Vermögensberater der Sparkasse Aurich-Norden.
Mit Medizinbällen unterwegs
Als Jugendlicher wechselte er zur SpVg Aurich und lernte dort im Herrenbereich die Trainingsmethoden von Hans-Hermann Mindermann und Gerd Gastmann kennen. „Da haben wir Medizinbälle von einem Tor zum anderen getragen. Das vergesse ich nicht. Das Trainerdasein hat sich aber mittlerweile grundlegend geändert“, so Mühlenbrock.
Nach Aurich waren SV Wilhelmshaven, FC Norden, Germania Wiesmoor und SV Wittmund die weiteren Stationen als Spieler. Er spielte als Innenverteidiger oder im defensiven Mittelfeld. Als Trainer legt er viel Wert auf das Ehrlichsein. Dinge, die hinter seinem Rücken ablaufen, mag er nicht. „Da bin ich sehr empfindlich“, so Mühlenbrock und bekennt: „Ich bin offen für Kritik.“