Neue Mensa in Victorbur Grünes Licht im zweiten Anlauf
Nach dem Zaudern der Politik ist der Weg für eine neue Mensa an der Kita in Victorbur frei – in einem Punkt wurde aber offenbar mit zweierlei Maß gemessen.
Südbrookmerland - Nun also doch: Die Kita in Victorbur wird aller Voraussicht nach um eine Mensa erweitert. Eine entsprechende Empfehlung gab am Donnerstag der Südbrookmerlander Bauausschuss ab. Einige Ausschussmitglieder, darunter die drei Vertreter der SPD, waren damit zwar nicht einverstanden, trauten sich aber offenbar auch nicht, gegen das Projekt zu stimmen.
Hintergrund der Diskussion sind massive Kostensteigerungen. Die ON wollten von den SPD-Leuten wissen, warum sie die Mehrkosten in Victorbur derart monieren, während die Erweiterung der Kita „Moordörper Nüst“ trotz ähnlicher Kostensteigerungen durchgewinkt haben.
Fördermittel „aufgefressen“
Eines ist klar: Hätte sich die Gemeinde bereits vor Jahren, als das Thema erstmals aufkam, zu der Erweiterung entschlossen, wäre es deutlich billiger geblieben. Seinerzeit konnte man sich aber nur zum Krippenanbau, nicht aber zum Bau einer Mensa durchringen. Stattdessen sollte versucht werden, Fördermittel für den Bau einzuwerben. Das gelang zwar, dauerte aber. Dank der nun drohenden Kostenexplosion sind die zugesagten Fördermittel de facto „aufgefressen“. Das monierte am Donnerstag auch Hinrich Albrecht (SPD). „Wir haben die Leute zum Narren gehalten“, sagte er den ON nach der Sitzung. Das sei ein Grund dafür gewesen, warum die SPD dem Bau nicht zugestimmt habe.
Parteifreund Hange Ukena stellte klar, dass die SPD nicht gegen die Erweiterung sei. Das hatte er bereits in der Sitzung deutlich gemacht und es als „Unverschämtheit“ bezeichnet, dass Bürgermeister Thomas Erdwiens dies so dargestellt und Hinrich Albrecht „das Wort im Mund umgedreht“ habe. Vielmehr gehe es der SPD darum, neu auszuschreiben. Weil die Kosten überall stiegen, sei damit zu rechnen, dass sich die Auftragsbücher der Bauunternehmen leerten und das die Kosten wieder sinken lasse. Ein Lotteriespiel, denn: Eine erneute Ausschreibung kostet Zeit und statt sinkender, wären auch weiter steigende Kosten denkbar.
Keine Zeit für neue Ausschreibung
Darüber hinaus hat die Gemeinde mit Blick auf die Fördermittel keine Zeit mehr für eine erneute Ausschreibung. Sonst könnte ein Teil der Fördermittel verfallen, wie Frank Süßen vom Bauamt in der Sitzung sagte. Die Rede ist von 66.000 Euro, die dabei auf dem Spiel stünden. Ob eine erneute Ausschreibung eine Ersparnis bringen würde, die diesen dann möglicherweise verlorenen Betrag ausgleicht, ist fraglich. Von den Kostensteigerungen ist nicht nur die Kita in Victorbur, sondern auch die Kita „Moordörper Nüst“ betroffen. Neben einer Krippe, soll auch dort eine Mensa gebaut werden. Anders als bei der Victorburer Einrichtung, hatte die SPD diesem Projekt jedoch vorbehaltlos zugestimmt – und zwar schon im ersten Anlauf in der vergangenen Woche.
Warum machen die Genossen zwischen den beiden Einrichtungen einen Unterschied? Alle vorgebrachten Argumente gegen einen sofortigen Mensabau in Victorbur ließen sich schließlich auch auf Moordorf anwenden. Dem stimmte Albrecht nach der Sitzung gegenüber den ON zu. Eine schlüssige Erklärung für die unterschiedliche Bewertung blieben er und die anderen SPD-Leute schuldig. Gemeinsam mit Uwe Harms (FDP) hatten sie sich der Stimme enthalten. Dank der Stimmen von FWG, CDU und SBL gab der Bauausschuss aber die Empfehlung ab, am Mensabau in Victorbur festzuhalten. Das sorgte für Erleichterung im Zuschauerraum, wo mehrere Mitarbeiterinnen der Kita Victorbur die Sitzung verfolgten.
Schriftliche Abstimmung
Empfehlungsbeschlüsse gab es dann auch im nicht öffentlichen Teil, wo es darum ging, die Aufträge für den Bau der Mensa zu vergeben. Auch dort verweigerten die SPD-Vertreter bei einzelnen Gewerken ihre Zustimmung, wenn ihnen die Kostensteigerungen zu hoch erschienen. Letztlich gab es aber für alle Punkte eine Mehrheit.
Das letzte Wort in der Sache hat nun der Verwaltungsausschuss. Weil der vor der wegen der anstehenden Sommerpause aber eigentlich nicht mehr tagt, gibt es ein sogenanntes Umlaufverfahren. Dabei wird die Abstimmung gewissermaßen schriftlich durchgeführt. Nachdem FWG und CDU dem Projekt aber bereits im Fachausschuss zugestimmt haben, gilt eine Mehrheit im Umlaufverfahren als sicher.
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