Bauen in Südbrookmerland  Kostenexplosion bei Kitas in Moordorf und Victorbur

| | 12.07.2022 17:52 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
So soll die Kita im ehemaligen HRS-Gebäude in Moordorf einmal aussehen. Grafik: Architektenbüro Henninga
So soll die Kita im ehemaligen HRS-Gebäude in Moordorf einmal aussehen. Grafik: Architektenbüro Henninga
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In Südbrookmerland laufen die Kosten für Bauprojekte an Kitas in Moordorf und Victorbur völlig aus dem Ruder. Teilweise droht eine Verdopplung der Preise.

Südbrookmerland - Eine Kostenexplosion bei den geplanten Kita-Umbauten und Erweiterungen trifft aktuell die Gemeinde Südbrookmerland. Nach Auswertung mehrerer Ausschreibungsergebnisse zeigt sich, dass die im Haushalt berücksichtigten Summen nicht annähernd ausreichen. Bei einem Projekt könnten sich die Kosten sogar fast verdoppeln – auf rund fünf Millionen Euro.

In die Südbrookmerlander Kitas soll in diesem Jahr kräftig investiert werden. So zum Beispiel in die Erweiterung der Kita „Moordörper Nüst“ an der Ringstraße und in den Mensabau an der Kita in Victorbur. Größtes Projekt ist aber der Umbau des sogenannten rechten Flügels der Haupt- und Realschule. Dort soll nach langem Ringen die DRK-Kita einziehen. Doch das Projekt droht, zur Kostenfalle zu werden. Wie die ON erfuhren, reichen die für den Umbau angesetzten etwa 2,7 Millionen Euro bei Weitem nicht aus. Nach der Ausschreibung sollen die Kosten bereits bei deutlich über vier Millionen Euro liegen – und sie könnten noch weiter steigen. Insider berichten von möglichen Kostensteigerungen auf bis zu fünf Millionen Euro.

Entscheidung über ein Vorhaben vertagt

Und auch bei den anderen Projekten sieht es kaum besser aus. So wird bei der Erweiterung der Kita Moordörper Nüst mit einer Kostensteigerung von rund 215 000 Euro gerechnet. Mit einer Steigerung von ursprünglich rund 420 000 Euro auf über 700 000 Euro wird beim Mensabau für die Kita in Victorbur gerechnet. Bürgermeister Thomas Erdwiens und Kämmerer Wilfried Müller bestätigten den ON auf Anfrage, dass die Kosten massiv gestiegen sind. Die genannten Summen waren den Mitgliedern des Bauausschusses am Donnerstag in nicht öffentlicher Sitzung vorgestellt worden. Nach Informationen der ON empfahl der Ausschuss dennoch, die Aufträge für das Moordörper Nüst und den HRS-Umbau zu vergeben. Anders sah das offenbar bei der Kita in Victorbur aus. Hier wurde die Auftragsvergabe vertagt. Das letzte Wort hat dabei aber ohnehin der Verwaltungsausschuss, der sich am Dienstagabend mit dem Thema beschäftigen sollte. Ein Ergebnis stand bis Redaktionsschluss nicht fest.

Thomas Erdwiens nennt die allgemein steigenden Preise als Grund für die Kostenexplosion. Gleichzeitig befinde sich die Gemeinde aber auch in einer Zwickmühle: Wartet sie mit den Umbauten, oder streicht sie die Projekte ganz, drohen teils hohe Fördersummen wegzufallen. „Wer garantiert uns, dass es solche Fördertöpfe in naher Zukunft wieder geben wird“, fragt Erdwiens. Darüber hinaus seien die Erweiterungen und Umbauten Teil des dringend notwendigen Ausbaus der Kitaplätze.

Geld soll aus anderen Projekten kommen

Was aktuell „in der Pipeline“ ist, muss nach Worten von Wilfried Müller abgearbeitet werden. „Augen zu und durch“, so der Kämmerer. Bei möglichen neuen Projekten müsse man in Zukunft aber wohl genauer hinsehen.

Einen Plan, wie die Kostenexplosion haushälterisch aufgefangen werden soll, hat Müller bereits. Er spricht von Budgetübertragungen. So sei es möglich, dass im Haushalt angesetzte Geld von Projekten zu nehmen, bei denen dieses in diesem Jahr gar nicht mehr ausgegeben werden kann. Dass die Ansätze nicht in dem Jahr verbraucht werden, in dem sie im Haushalt auftauchen, kommt immer wieder vor und sorgt für sogenannte Haushaltsreste, die auch im kommenden Jahr noch zur Verfügung stehen. Statt solche Haushaltsreste zu bilden, soll das Geld nun zur Deckung der Kostenexplosionen genutzt werden. Im Umkehrschluss heißt das aber auch, dass die anderen Projekte im kommenden Jahr nachfinanziert werden müssen.

Fraglich ist, was die enormen Kostensteigerungen für künftige Bauprojekte der Gemeinde bedeuten. Schon bisher wurde vieles aus Kostengründen immer wieder aufgeschoben, oder komplett eingestellt. Bleiben die Kosten weiterhin auf derart hohem Niveau, oder steigen noch weiter an, dürften weitere Projekte betroffen sein und die Gemeindekasse massiv belasten.

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