Neues Flüchtlingsheim in Aurich  Alleinreisende Männer statt Ukrainer in Kaserne

| | 29.06.2022 18:23 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Baggern und buddeln: Für eine halbe Million Euro wurde das Gebäude 22 auf dem Kasernengelände hergerichtet. Foto: Romuald Banik
Baggern und buddeln: Für eine halbe Million Euro wurde das Gebäude 22 auf dem Kasernengelände hergerichtet. Foto: Romuald Banik
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Eigentlich sollten Kriegsflüchtlinge aus der Ukraine ins frühere Unteroffiziersheim ziehen. Doch nun hat die Auricher Kreisverwaltung umgeplant. Dafür nannte Ordnungsamts-Chef Marcel Schäfer Gründe.

Aurich - Immer wieder muss Marcel Schäfer in diesen Tagen auf neue Gegebenheiten reagieren, die er kaum selbst beeinflussen kann. Am Mittwoch berichtete der Leiter des Ordnungsamts des Landkreises Aurich, dass derzeit von den rund 50 wöchentlich zugewiesenen Flüchtlingen im Landkreis etwa die Hälfte ukrainische Familien sind – und die andere Hälfte alleinreisende Männer aus Ländern wie Afghanistan, Syrien und Afrika. Auch deshalb habe man entschieden, umzuplanen: In das ehemalige Unteroffiziersheim auf dem Gelände der früheren Auricher Blücherkaserne ziehen nun doch keine Kriegsflüchtlinge aus der Ukraine, sondern die genannten alleinreisenden Männer.

Spartanisch: Kreistagsabgeordneter Wilhelm Reinken begutachtete die Einrichtung der Zimmer. Foto: Romuald Banik
Spartanisch: Kreistagsabgeordneter Wilhelm Reinken begutachtete die Einrichtung der Zimmer. Foto: Romuald Banik

Die 37 Zimmer im Gebäude 22 können voraussichtlich ab Freitag oder Montag bezogen werden, sagte Kreis-Ordnungsamtsleiter Marcel Schäfer am Mittwoch bei einem Ortstermin. Insgesamt gibt es dort bei einer Doppelbelegung Platz für 74 Personen. Das Gebäude wurde für rund eine halbe Million Euro hergerichtet. Die Kosten übernimmt der Bund, dem das Gelände über seine Immobilienanstalt Bima gehört.

Arbeiten verzögerten sich aus mehreren Gründen

Zwar waren in dem zweigeschossigen Gebäude 2015/16 bereits Flüchtlinge untergebracht. Doch danach seien die Heizungen nicht mehr gelaufen und die Bauvorschriften seien strenger geworden, so Schäfer. So laufe eine Ringheizung über das Kasernengelände, doch unter dem benachbarten Offizierscasino fand sich ein Rohrbruch. Einmal fehlte plötzlich ein langes Stromkabel. Außerdem war der Außenbereich in den Jahren verwildert und zugewachsen. Und so verzögerten sich die Arbeiten aus mehreren Gründen.

Doch ab 1. Juli soll das Gebäude nun bezugsfertig sein. Die Verpflegung findet zunächst in einem Zelt statt, später sollen Container bereitgestellt werden, so Schäfer. Es handelt sich nach seinen Angaben ausdrücklich um eine Notunterkunft für Erstankömmlinge, in der die Flüchtlinge möglichst nur einige Tage bleiben sollen. Dementsprechend einfach ist die Einrichtung mit Hochbett, Tischen und Stühlen. Der Standard sei nicht vergleichbar mit den Integrationszentren, die der Landkreis etwa in Aurich oder Utlandshörn betreibt.

Nach Utlandshörn kommen vor allem Familien

Man wolle nicht nach Nationalität trennen, sondern eher nach familiärer Situation, so Schäfer. In Utlandshörn wolle man eher Familien unterbringen, im Integrationszentrum in Aurich-Extum und in der Kaserne eher alleinreisende Männer. So lebten in Utlandshörn bereits zwei afghanische Familien zusammen mit ukrainischen Familien. Das funktioniere, so Schäfer. Betreut wird die neue Flüchtlings-Notunterkunft auf dem Kasernengelände von den Johannitern, die bereits 2015/16 dort zuständig waren. Man werde mit qualifiziertem Fachpersonal vor Ort sein, bekräftigte Helene Frieden, Dienststellenleiterin beim Johanniter-Ortsverband Aurich.

In diesen Containern sind Toiletten und Duschen für die Flüchtlinge untergebracht. Foto: Romuald Banik
In diesen Containern sind Toiletten und Duschen für die Flüchtlinge untergebracht. Foto: Romuald Banik

Kreis-Fraktionsvorsitzender der Grünen, Gunnar Ott, bestätigte beim Rundgang durch das Gebäude dessen gute Bausubstanz. Ott muss es wissen,er arbeitet in der Bundeswehr-Verwaltung und war für den Standort Aurich zuständig. Weil in den nächsten Monaten und Jahren wohl mit vielen weiteren Flüchtlingen zu rechnen ist, prüft der Landkreis zudem die Nutzung zweier weitere sogenannte H-Gebäude auf dem Kasernengelände.

In H-Gebäuden wäre Platz für 300 weitere Menschen

Diese würden aber derzeit noch von der Dekra begutachtet was noch einige Monate dauern werde, so Schäfer. Dort könnten pro H-Gebäude noch einmal 150 Menschen Unterkunft finden, insgesamt also 300.

Das baugleiche Zwillingsgebäude Nr. 23, eine direkt benachbarte frühere Offiziersunterkunft, hätte der Landkreis durchaus auch gerne genutzt. Doch sie soll abgerissen werden und einem Regenrückhaltebecken weichen – schließlich plant die Stadt Aurich weiterhin einen ganz neuen Stadtteil auf dem riesigen Areal.

Erster Kreisrat Dr. Frank Puchert betonte beim Ortstermin die gute Zusammenarbeit mit der Auricher Stadtverwaltung. Deren Pläne würden stets berücksichtigt. Daher habe man sich auf Gebäude konzentriert, die nicht zur städtischen Planung gehören. Auch mit der Bima arbeite man gut zusammen. Der Bund habe viel Geld für die Herrichtung des Gebäudes in die Hand genommen, lobte Puchert.

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