Weniger Anmeldungen  Sinkende Zahlen lassen Sorgen an IGS wachsen

| | 23.06.2022 19:47 Uhr | 2 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Die Integrierte Gesamtschule in Moorhusen. Foto: Holger Janssen
Die Integrierte Gesamtschule in Moorhusen. Foto: Holger Janssen
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Nur noch fünf von einst acht Parallelklassen starten in diesem Jahr in den fünften Jahrgang an der IGS in Moorhusen. Nun drohen noch weitere Herausforderungen.

Moorhusen/Marienhafe - Es sind beunruhigende Zahlen für die IGS Marienhafe-Moorhusen: Obwohl in diesem Jahr 19 Südbrookmerlander Kinder mehr in die fünfte Klasse kommen als im vergangenen Jahr, wählen weniger die gemeinsame Schule mit der Samtgemeinde Brookmerland an. Nur noch fünf von theoretisch acht möglichen Parallelklassen wird es geben. Über die Gründe lässt sich nur spekulieren. In den kommenden Jahren, danach sieht es jedenfalls aus, dürfte es für die Verantwortlichen jedoch nicht einfacher werden. Sorgen bereitet vor allem eine immer wieder vorgebrachte Forderung bezüglich der Schulbezirke.

Der größte Teil der künftigen IGS-Schüler kommt nach wie vor aus Südbrookmerland. 74 Kinder und damit der überwiegende Teil der Fünftklässler aus der Gemeinde werden die Schule laut einer Erhebung des Landkreises ab dem kommenden Schuljahr besuchen. Zum Vergleich: In der Samtgemeinde Brookmerland entscheiden sich fast ebenso viele Familien für die KGS Hage-Norden, wie für die IGS. Statt die Schule in Trägerschaft der eigenen Gemeinde anzuwählen, werden lieber weitere Wege in Kauf genommen. Das Norder Ulrichsgymnasium meldet sogar mehr Anmeldungen aus dem Brookmerland als die IGS. Und das, obwohl seit einigen Jahren auch dort das Abitur gemacht werden kann.

Bedenken wegen Inklusion

Schulleiter Kai Hoop kann sich die sinkenden Zahlen an seiner Schule nicht erklären. Von einem Abwärtstrend will er zwar noch nicht sprechen. Dennoch beobachte er das Geschehen aufmerksam. Ein Grund dafür, dass weniger Eltern ihre Kinder an der IGS anmelden, sei sicherlich die Inklusion. „Es gibt eine Reihe von Eltern, die eine gemeinsame Beschulung ihrer Kinder mit Inklusionskindern nicht möchten“, so Hoop. Insbesondere die Integrierten Gesamtschulen würden aber von vielen Kindern mit erhöhtem Förderbedarf angewählt. Immerhin: Die IGS verzeichnet in den höheren Jahrgängen laut Hoop einen immensen Zulauf von Gymnasien und Realschulen.

Während sich über die bisherigen Gründe der sinkenden Anmeldezahlen an der IGS Marienhafe-Moorhusen nur spekulieren lässt, könnten demnächst ganz handfeste Umstände hinzukommen. Und zwar in zweierlei Hinsicht. Einerseits werden die Planungen für eine Außenstelle der Freien Christlichen Schule Ostfriesland (FCSO) in Moordorf weiter vorangetrieben. Andererseits gibt es immer wieder Forderungen, die Schuleinzugsbereiche so zu verändern, dass Kinder aus Moordorf wieder die IGS in Aurich anwählen können. Zur FCSO hat Kai Hoop, Leiter der IGS Marienhafe-Moorhusen, eine klare Meinung: Kommt die Außenstelle, gehen die Anmeldezahlen an seiner Schule weiter nach unten. Ähnlich sieht es auch Gerhard Ihmels, Bürgermeister der Samtgemeinde Brookmerland, die Schulträger der IGS ist.

Debatte über Schulbezirke

Zündstoff auf politischer Ebene beinhaltet die Forderung in Sachen Schulbezirke. Zuletzt hatte sich Heinrich Ubben, Ratsherr im Brookmerland und Mitglied des Kreistages, für eine Öffnung der IGS für Moordorfer Schüler ausgesprochen. Aktuell ist Kindern aus Südbrookmerland der Weg an die IGS in Aurich versperrt. Wollen diese eine IGS besuchen, müssen sie nach Moorhusen und Marienhafe. Ein Grund für derartige Bestrebungen ist, dass die Anmeldezahlen an der Auricher IGS deutlich hinter den Erwartungen liegen.

Nur 79 Kinder wurden für das kommende Schuljahr dort angemeldet. Gäbe es für Kinder aus den Einzugsbereichen der Grundschulen Moordorf und Wiegboldsbur die Möglichkeit, die Auricher Schule zu besuchen, wird mit steigenden Zahlen gerechnet. Allein etwa 50 der neu angemeldeten Schüler der IGS Marienhafe-Moorhusen kommen von diesen beiden Grundschulen. Kai Hoop spricht bei diesem Szenario von einem „echten Einbruch.“ Er hofft darauf, dass die beteiligten Gemeinden dafür Sorge tragen, dass die Schülerschaft weiterhin die IGS besucht.

Wie ernst gemeint die Überlegungen zur Anpassung der Schulbezirke sind, ließ sich am Donnerstag nicht in Erfahrung bringen. Der für Schulen zuständige Kreisrat Sebastian Smolinski war nicht zu erreichen. Mit einer klaren Aussage in der Sache ist aber ohnehin nicht zu rechnen. Der Landkreis ist aktuell damit beschäftigt, die Schulentwicklungsplanung zu überarbeiten. Dazu sollen auch die Eltern aller Drittklässler im Kreisgebiet befragt werden. Die Gemeinde Südbrookmerland hatte, wie berichtet, bereits eine eigene Befragung durchgeführt. In der hatte sich die Mehrheit für ihre Kinder den Besuch einer Realschule gewünscht. Einzige Möglichkeit: Die Friederikenschule in Großheide. Dort haben sich 24 Südbrookmerlander Kinder angemeldet.

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