Kinderfußball im Umbruch  Zukünftig werden Nachwuchsteams und Tore kleiner

| | 15.06.2022 19:32 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Einen Torwart gibt es beim 3 gegen 3 nicht mehr. Das Tor wird mit den Füßen verteidigt.
Einen Torwart gibt es beim 3 gegen 3 nicht mehr. Das Tor wird mit den Füßen verteidigt.
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Neue Spielformen im Kinderfußball sorgen für großen Zuspruch in den Vereinen. Aber es gibt auch Kritik.

Ostfriesland - Er hatte zwar auf eine positive Resonanz gehofft, aber nicht mit einem so deutlichen Zuspruch wie er sie auf dem Fußballplatz derzeit erlebt. Der Ihlower Alwin Harberts macht sich mit seinen Mitstreitern vom Fußballkreis Ostfriesland seit gut einem Jahr stark für die Einführung neuer Spielformen beim Kinderfußball. Dabei spielen G- und F-Jugendliche im Modus Drei gegen Drei auf einem kleinen Feld auf sogenannte Minitore.

Vom Zuspruch überrascht

Im Herbst letzten Jahres ging es los, erzählt Harberts und seit Mitte April rollt der Ball auch schon wieder. Im Zwei-Wochen-Rhythmus werden Turniere für die Kinder ausgespielt.

„Sie kommen bei den Vereinen und den Kindern gut an“, meint Harberts und weiter „ich war wirklich überrascht, wie gut sie angenommen werden.“

Harberts zählt in dieser Saison jeweils rund 80 Bambini- und F-Jugendmannschaften, die diese Turniere besuchen.

Im Fußballkreis Ostfriesland werden seit Mitte April Turniere mit Minitoren auf kleinen Feldern für G- und F-Jugendliche ausgespielt. Die Vereine melden einen großen Zulauf. Fotos: privat
Im Fußballkreis Ostfriesland werden seit Mitte April Turniere mit Minitoren auf kleinen Feldern für G- und F-Jugendliche ausgespielt. Die Vereine melden einen großen Zulauf. Fotos: privat

Dazu zählt auch Tamme Bölts vom SV Großefehn. Der Sportliche Leiter der SVG betreut eine G-Jugend. Er bekennt: „Das 3 gegen 3 auf zwei kleinen Toren ist einfach grandios. Die Kinder sind begeistert. Alle kommen zum Einsatz und die Spiele sind schnell vorbei.“

Seit der Saison 2019/20 hat der Deutsche Fußballbund (DFB) über seine Landesverbände in zahlreichen Fußballkreisen die neuen Spielformen mit Hilfe von Pilotprojekten im Kinderfußball getestet.

Reform greift 2024 bundesweit

Ziel ist es, dass jedes Kind aktiv am Spielgeschehen teilnehmen soll. Dies wird erreicht durch das sogenannte Rotationsprinzip. Nach jedem Tor wird jeweils ein Spieler in beiden Teams ausgewechselt. Die Kinder sollen Spaß am Spiel haben, lässt der DFB wissen. Nach der Testphase werden die neuen Spielformen Schritt für Schritt flächendeckend angeboten, ehe sie ab der Saison 2024/25 bundesweit umgesetzt werden sollen.

Claus Dirks, Vorsitzender vom TuS Westerende, lobt die Änderungen im Kinderfußball. Er meint im Gespräch mit den Ostfriesischen Nachrichten: „Früher war es doch so, die guten Spieler gaben den Ton an. Sie wurden selten ausgewechselt. Die anderen liefen mit oder hinterher oder sie pflückten am Spielfeldrand Blumen. Das ist vorbei. Alle Kinder kommen nun zum Einsatz und haben Ballkontakte.“

Minitore sind gefragt

Beim TuS stehen die neuen Spielformen auch bei den Trainern hoch im Kurs. Hatte der Verein am Anfang acht Minitore geordert, so hat er noch einmal sechs Tore nachbestellt.

Der Niedersächsische Fußballverband (NFV) förderte die Anschaffung der Minitore. Vereine, die zwei Stück kauften, erhielten noch zwei vom Verband kostenlos dazu.

Der SVG Großefehn hat bisher zehn Minitore angeschafft. Vier aus Metall und sechs zum Aufklappen. Der Klappmechanismus sei etwas gewöhnungsbedürftig, flachst Bölts. Aber ansonsten geht der Daumen bei ihm nach oben, wenn er an die neuen Spielformen denkt. Auch deshalb, weil die Spiele sehr entspannt verlaufen und die Frage nach Sieg oder Niederlage nicht mehr die entscheidende Rolle bei den Turnieren spielen würde.

Leistungsgedanke geht verloren

Ein Punkt, den die Kritiker immer wieder einwerfen. Sie heben hervor, dass der leistungsfördernde Gedanke verloren geht, weil es nicht mehr um Tore und Punkte, nicht mehr um Sieg oder Niederlage gehen würde. Der Kreisvorsitzende Winfried Neumann kennt diesen Einwand. Er sagt auf ON-Nachfrage: „Klar geht es beim Fußball immer auch um Sieg oder Niederlage. Aber muss man damit schon bei den Jüngsten anfangen“, gibt er zu bedenken.

Auch der Hinweis der Kritiker, dass der Übergang von der G- über die F-Jugend mit Kleintoren ohne Torwart später in die E-Jugend wieder mit Torwart schwierig sei, nehmen die Befürworter den Wind aus den Segeln.

Harberts meint: „Der Übergang erfolgt gleitend. Diese und andere Sorgen verschwinden oft, wenn Kritiker vor Ort ein oder zwei Turniere erlebt haben. Viele verstummen dann.“

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