Folge der Inflation  Landkreis Aurich verzeichnet Zunahme bei Wohngeld-Anträgen

| | 13.06.2022 21:32 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Treibt die Inflation auch die Mieten hoch? Der Landkreis verzeichnet erste Anzeichen darauf. Foto: DPA
Treibt die Inflation auch die Mieten hoch? Der Landkreis verzeichnet erste Anzeichen darauf. Foto: DPA
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Laut Landkreis dürfte das mit den steigenden Mieten zusammenhängen. Der Konzern LEG Immobilien sieht bei vielen Verträgen keinen direkten Zusammenhang – doch es gibt Ausnahmen.

Aurich - Die Worte von Rolf Buch, Vorstandschef des größten deutschen Immobilienkonzerns Vonovia im „Handelsblatt“ haben Anfang Juni aufhorchen lassen: „Wir können nicht so tun, als wenn die Inflation an den Mieten vorbeigeht.“ Angesichts der hohen Inflationsraten seien deutliche Mieterhöhungen unausweichlich, so Buch.

Vonovia ist kein Platzhirsch in Aurich. Dennoch scheinen die Mieten auch hier schon jetzt zu steigen. Das Amt für Jugend und Soziales hat nach Auskunft von Landkreissprecher Rainer Müller-Gummels sowohl mehr Neuberechnungen aufgrund gestiegener Mieten als auch einen Zuwachs an Neuanträgen auf Wohngeld zu verzeichnen. Hinzu komme eine ebenfalls steigende Zahl telefonischer Beratungsanfragen zu dem Thema.

Kreissprecher: Das ist schon erheblich

Genau beziffern lasse sich der Grund der Antragstellung allerdings derzeit nicht. Die Zahl der Wohngeld-Erstanträge liege momentan jedoch „auf und über dem Niveau der Corona-Jahre 2020 und 2021. Das ist schon sehr erheblich und dürfte auch auf die zum Teil starken Mietanstiege zurückzuführen sein“, so Müller-Gummels.

In Aurich ist der Mietwohnungsmarkt durchmischt. Neben etlichen kleineren Vermietern gibt es seit vergangenem Herbst die Noratis GmbH mit knapp 100 Wohnungen. Und es gibt die LEG Immobilien mit nun 779 Wohnungen, die bis zum Jahreswechsel der kriselnden Adler Real Estate gehörten. Noratis antwortete am Montag noch nicht auf eine Anfrage der ON.

LEG-Sprecher: Standard ist Mietvertrag nach ortüblicher Miet-Niveau

LEG-Sprecher Mischa Lenz teilte mit, dass der Standard-Mietvertrag beim LEG-Konzern Anpassungen anhand der ortsüblichen Vergleichsmiete vorsehe. Bei diesen Verträgen habe die allgemeine Steigerung der Verbraucherpreise keine direkte Auswirkung auf die Mieten. „Anpassungen der Miete hängen hier von der Entwicklung der Mieten bei Neuverträgen der jüngeren Vergangenheit und den individuellen Gegebenheiten des Mietvertrags und der Wohnung ab.“

Zudem müssten gesetzliche Regelungen wie die Kappung der Mietsteigerungen innerhalb bestimmter Zeiträume beachtet werden.

Altbestand an Indexmieten übernommen

In Aurich sei eine Sache jedoch anders, als bei LEG sonst üblich, so Lenz: „Am Standort Aurich liegt im Vergleich zum LEG-Durchschnitt ein höherer Anteil an Indexmietvereinbarungen vor, da viele solcher Verträge vom Voreigentümer übernommen wurden. Hier kann die Inflationsentwicklung eine Anpassung der Miete nach sich ziehen.“

In Sandhorst befinden sich die Immobilien der LEG vor allem an der Wiesenstraße und der Schulstraße. Foto: Romuald Banik
In Sandhorst befinden sich die Immobilien der LEG vor allem an der Wiesenstraße und der Schulstraße. Foto: Romuald Banik

Bei einem Indexmietvertrag wird eine Basismiete vereinbart, die sich dann parallel mit dem Verbraucherpreisindex für Deutschland entwickelt. Eine hohe Inflationsrate würde sich entsprechend deutlich auf Indexmieten niederschlagen. Dafür seien dann jedoch weitere Formen der Mieterhöhungen, beispielsweise aufgrund von Modernisierungen, ausgeschlossen. Die konkrete Inflationsentwicklung und damit das Mieterhöhungspotenzial hänge von vielen – auch mieten- und geldpolitischen - Faktoren ab. „Eine konkrete Prognose trauen wir uns derzeit nicht zu“, so der Unternehmenssprecher.

Noch keine Entscheidung über bauliche Maßnahmen

Derzeit würden keine Modernisierungsmaßnahmen mit Mieterhöhungen in Aurich durchgeführt. Diese Art der Mieterhöhung wäre laut Lenz auch nur bei nicht-indexierten Mietverträgen möglich. „Daraus können wir jedoch keine Aussage für die Zukunft ableiten.“

In Aurich ist der Mietwohnungsmarkt durchmischt. Neben etlichen kleineren Vermietern gibt es seit vergangenem Herbst die Noratis GmbH mit knapp 100 Wohnungen. Foto: Romuald Banik
In Aurich ist der Mietwohnungsmarkt durchmischt. Neben etlichen kleineren Vermietern gibt es seit vergangenem Herbst die Noratis GmbH mit knapp 100 Wohnungen. Foto: Romuald Banik

Bei Mieterwechsel werde eine Leerwohnungssanierung vorgenommen, so Lenz. Hinzu kämen Maßnahmen im Rahmen der Quartiersentwicklung. „Zu weiteren Maßnahmen, also insbesondere baulichen, sind wir aktuell noch dabei, uns ein genaues Bild der angekauften Bestände zu machen und mögliche Maßnahmen und Investitionen zu prüfen“, so Lenz. Die Entscheidungsfindung dauere an.

Ziel: Mieter halten

„Generell ist es natürlich so, dass wir unsere Bestände weiterentwickeln und, wo möglich und im Sinne unserer Mieter, den Wohnkomfort steigern. Das tun wir allerdings immer mit Augenmaß, denn wir wollen niemanden wirtschaftlich überfordern“, so der Sprecher.

Ein besonderes Augenmerk liege auf der finanziellen Leistbarkeit durch die Mieter. Auf Quartiersebene würden mögliche Maßnahmen und deren Kosten-Nutzen-Verhältnis geprüft. „Generell wollen wir unsere langjährigen Mieter halten und ihnen gutes und zeitgemäßes Wohnen zu einem fairen Preis bieten“, so Lenz.

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