Sitzung der Synode in Victorbur  Kirchenkreis Aurich: Drei weitere Pfarrstellen fallen weg

| | 10.06.2022 18:14 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Der Vorsitzende der Kirchenkreissynode, Dieter Emler, leitete die Sitzung in Victorbur. Foto: Aiko Recke
Der Vorsitzende der Kirchenkreissynode, Dieter Emler, leitete die Sitzung in Victorbur. Foto: Aiko Recke
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Zwar hat die evangelisch-lutherische Kirche in Ostfriesland noch relativ viele Mitglieder. Doch die Tendenz ist ganz klar rückläufig. Das hat Folgen für die Gemeinden vor Ort.

Aurich - Wegen der sinkenden Zahl an Mitgliedern muss der evangelisch-lutherische Kirchenkreis künftig weitere Pfarrstellen einsparen. Die Kirchenkreissynode hat auf ihrer Sitzung am Donnerstagabend in Victorbur beschlossen, dass im kommenden Planungszeitraum 2023 bis 2028 weitere drei Stellen eingespart werden müssen, jeweils eine in den Regionen Aurich, Großefehn/Wiesmoor und jeweils eine halbe Stelle in Ihlow und Südbrookmerland.

Welche Gemeinden am Ende konkret von den Kürzungen betroffen sein werden, steht aber noch nicht fest. Darüber soll der Kirchenkreisvorstand flexibel entscheiden, sagte Richard van Düllen vom Vorstand der Kirchenkreissynode.

Zwischen 2023 und 2028 gehen 17 Pastoren in Ruhestand

Allerdings gehen zwischen 2023 und 2028 voraussichtlich auch 17 Pastorinnen und Pastoren und zwei Diakone in den Ruhestand. Der Kirchenkreis rechnet wegen des Pastorenmangels mit länger andauernden Vakanzen. Die Frage wird dann auch sein, für welche freiwerdenden Stellen es Bewerbungen gibt und für welche nicht.

Zugleich lässt sich durch Vakanzen auch Geld einsparen. Zum Ende des Planungszeitraum, also ab 2028, wird der Kirchenkreis jährlich rund 600.000 Euro einsparen müssen. Wie der Leiter des Auricher Kirchenamts, Holger Dierks, auf ON-Nachfrage sagte, ist die Zahl der Gemeindeglieder von 70.828 im letzten Planungszeitraum auf 65.287 gesunken – ein Rückgang von fast acht Prozent, der etwa einer großen Gemeinde entspricht.

Kritische Stimmen aus Gemeinden in Großefehn

Bereits Ende 2015 war beschlossen worden, mehrere Pfarrstellen zu reduzieren, unter anderem in Tannenhausen-Georgsfeld, Ostgroßefehn, Strackholt und Bagband. Dieser Beschluss wurde jedoch bis Ende 2022 ausgesetzt.

Und durch finanzielle Unterstützung der Landeskirche Hannover können mehrere Stelleninhaber nun darüber hinaus bis zum Ruhestand weiterarbeiten, so Dierks. Sobald die betroffenen Pastoren aber in den Ruhestand gehen, müssen auch diese Stellenreduzierungen noch umgesetzt werden, so Dierks. Gleichwohl gab es kritische Stimmen zu Stellenreduzierungen vor allem im Bereich Bagband und Strackholt. „Es kann nicht sein, dass wir auf dem Land verkommen“, hieß es.

Pastor Pothmann: „Bringt nichts, über Nuancen zu streiten“

Doch Pastor Joachim Pothmann (Ihlow) machte deutlich, in welche Richtung es für die Kirche geht: „Wir werden uns neu erfinden müssen. Es bringt nichts, über Nuancen zu streiten.“

Kirchenamtsleiter Dierks machte ebenfalls klar: Die Zukunft liege in der Zusammenarbeit von Kirchengemeinden. Die jetzigen Kürzungen seien noch „moderat“, gerade im Vergleich zu anderen Regionen in Niedersachsen und Deutschlands, wo der Anteil der Kirchenmitglieder sehr viel geringer ist als in Ostfriesland.

Ein erhebliches Problem werden aus Sicht von Dierks die steigenden Energiekosten der großen Kirchenräume werden. Dasselbe gilt für Baukosten. Aktuelle Projekte in Engerhafe und Ihlow werden zum Beispiel um sechsstellige Summen teurer als geplant, hieß es.

Superintendent mahnt zum Energiesparen

Superintendent Tido Janssen betonte ebenfalls: „Wir tun gut daran, Mut zur Veränderung zu haben.“ Jede Gemeinde sollte überlegen, mit welchen innovativen Projekten man vorangehen könne.

So müsse man zum Beispiel überlegen, ob man im Winter wirklich die großen Kirchen für Gottesdienste benötigt oder auch in Gemeindehäuser ausweichen kann. Zugleich solle man schauen, sich für Gottesdienste und Veranstaltungen mit Nachbargemeinden zusammenzutun.

Janssen berichtete auch von einer neuen Banner-Aktion. Darauf zu lesen ist der Bibelvers: „Selig sind die, die Frieden stiften.“ Der Superintendent betonte in diesem Zusammenhang: „Ja, die Ukrainer sollen sich verteidigen. Und wir dürfen sie unterstützen.“ Doch er sagte zugleich: „100 Milliarden Euro für die Bundeswehr benötigen mindestens noch einmal 100 Milliarden Euro für Krisenprävention und zivile Konfliktlösungen.“

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