Millionen für Retter Politik will Südbrookmerlander Feuerwehren stark aufrüsten
Die Südbrookmerlander Politik hat einen millionenschweren Bedarfsplan für die Feuerwehren verabschiedet. Eine Vorgabe daraus lässt sich mit Geld allein aber nicht lösen.
Südbrookmerland - Es ist ein klares Bekenntnis zu den Einsatzkräften: Die Südbrookmerlander Politik hat am Donnerstagabend den von einem Fachbüro erstellten Feuerwehrbedarfsplan für die Gemeinde abgesegnet. Was nach einer Formalie klingt, bedeutet für die Retter vor allem eines: Planungssicherheit und die Gewähr, dass die Politik voll und ganz hinter ihnen steht. Für die Gemeinde ist dieses Bekenntnis jedoch mit Kosten in Millionenhöhe verbunden.
Formal muss der Empfehlungsbeschluss des Fachausschusses für Feuerschutz noch vom Rat abgesegnet werden, was aber als Formsache gilt. Einer der wichtigsten Punkte: Die Gemeinde hält an ihren fünf Ortsfeuerwehren fest. Wirklich strittig war das zwar nicht, jedoch kam der Gutachter, wie berichtet, zu dem Schluss, dass auf die Ortsfeuerwehr Oldeborg theoretisch hätte verzichtet werden können. Dafür ausgesprochen hat sich aus der Politik jedoch niemand. Mittelfristig dürfte diese Entscheidung jedoch Kosten in Millionenhöhe für die Gemeindekasse bedeuten. Zwei neue Feuerwehrhäuser, nämlich in Uthwerdum und Wiegboldsbur, wurden bereits gebaut, in Victorbur beginnt bald der nächste Neubau und für die Ortsfeuerwehr Münkeboe-Moorhusen läuft die Suche nach einem Grundstück. Spätestens wenn dies gefunden ist, dürften Planungen für ein neues Gerätehaus in Oldeborg beginnen. Für langfristig höhere Kosten dürfte auch der Passus sorgen, wonach künftig bereits nach 20 Jahren für den Ersatz von Feuerwehrfahrzeugen gesorgt werden soll. Bislang beginnen die Verfahren etwa nach 25 Jahren, die Wagen sind somit länger im Dienst. Die Feuerwehr Victorbur wird laut dem Feuerwehrbedarfsplan zu einer sogenannten Stützpunktfeuerwehr aufgewertet. Damit sind bestimmte Mindestanforderungen an Ausrüstung und Fuhrpark verbunden. Wie berichtet, soll dort beispielsweise eine Drehleiter stationiert werden, wenn in Uthwerdum die geplante Zentralklinik gebaut wird.
Hinter der Geschichte: Mehr als das Gesetz verlangt
Leistungsfähige Feuerwehren aufzustellen ist für jede Stadt oder Gemeinde Pflicht. Das schreibt das Niedersächsische Brandschutzgesetz vor. Wie diese Feuerwehren ausgestattet sein müssen, steht in einer Feuerwehrverordnung. Weil beide Vorschriften jedoch für ganz Niedersachsen gelten, wird auf Besonderheiten in den einzelnen Städten und Gemeinden kaum eingegangen. Deshalb lassen immer mehr Kommunen von Fachleuten Feuerwehrbedarfspläne erstellen. Meist greifen die Empfehlungen darin weiter als das Gesetz. Die Umsetzung ist zudem mit hohen Kosten verbunden. So ist es auch in Südbrookmerland. Am Ende senkt die Gemeinde damit aber das Risiko, sich irgendwann vorwerfen lassen zu müssen, nicht genug für die Sicherheit ihrer Einwohner getan zu haben.
Feuerwehren brauchen mehr Personal
Während sich viele Vorgaben aus dem Feuerwehrbedarfsplan dadurch lösen lassen, dass die Gemeinde Geld in die Hand nimmt, ist bei einem anderen Punkt noch mehr Engagement gefragt: beim Personal. Wird der Plan wie erwartet endgültig beschlossen, gilt der sogenannte Personalfaktor 3. Das bedeutet: Jede Ortsfeuerwehr muss dreimal so viele Mitglieder haben, wie zur Abarbeitung der Einsatzaufgabe eigentlich nötig wären. So sollen ausreichend Reserven vorhanden sein. Insbesondere wenn die Zentralklinik kommt, müssen drei der fünf Südbrookmerlander Ortsfeuerwehren hier nachlegen. Ohne die Klinik gälte dies nur für die Ortsfeuerwehr Münkeboe-Moorhusen.
Eine Idee, mit der der Dienst in der Feuerwehr attraktiver werden soll, wurde am Donnerstag gleich auf den Weg gebracht. Einstimmig votierte der Ausschuss dafür, den Feuerwehrmitgliedern die Teilnahme am sogenannten Hansefit-Programm zu ermöglichen. Teilnehmer erhalten dabei die Möglichkeit, für einen festgelegten monatlichen Eigenanteil von 20 Euro beispielsweise in Fitnessstudios zu trainieren oder schwimmen zu gehen. Die Gemeinde lässt sich dies voraussichtlich knapp 30 000 Euro kosten, wobei der Eigenanteil der Einsatzkräfte davon noch abgezogen werden muss. Ob sich durch dieses Angebot am Ende wirklich die benötigte Zahl an zusätzlichen Mitgliedern gewinnen lässt, ist fraglich. Letztlich dürfte es vor allem darum gehen, die Nachwuchsarbeit in den Kinder- und Jugendfeuerwehren weiter zu stärken.
Neues Fahrzeug wird bestellt
Einmal mehr ums Geld ging es in Sachen Fahrzeuge. Voraussichtlich rund 300 000 Euro wird ein neues Tanklöschfahrzeug (TLF 3000) für die Ortsfeuerwehr Wiegboldsbur kosten. Die Verwaltung soll nach einhelliger Meinung des Ausschusses beauftragt werden, ein solches Fahrzeug als Ersatz für das abgängige Wiegboldsburer Fahrzeug zu beschaffen. Laut Gemeindebrandmeister Focko Westerbur, beruflich selbst in der Fahrzeugbranche tätig, liegt das Problem dabei vor allem in den Lieferzeiten. Allein die Hersteller der Fahrgestelle geben laut Westerbur derzeit Lieferfristen von bis zu zwei Jahren an.
Die Zeit, in der aus einem normalen Lastwagen ein Feuerwehrfahrzeug gebaut wird, kommt noch hinzu. Im Umkehrschluss bedeutet dies vermutlich, dass sich die Gemeinde in den nächsten Jahren noch häufiger mit der Beschaffung neuer Fahrzeuge beschäftigen muss. Schließlich müssen diese teilweise spätestens dann in den Gerätehäusern bereitstehen, wenn die Zentralklinik ihre Pforten öffnet. Mit ihrem Schritt, dem Feuerwehrbedarfsplan nahezu diskussionslos zuzustimmen, hat die Politik aber gezeigt, dass sie dazu bereit ist.