Mühlentag im Brookmerland Gute Nachrichten über Schewelingsche Mühle
Die Mühle im Ortskern von Marienhafe verfällt zusehends. Kurz vorm Mühlentag wurde nun bekannt, dass zumindest finanziell erste Schritte zur Besserung unternommen wurden.
Brookmerland - Am Montag ist Internationaler Mühlentag. Die windbetriebenen „Motoren“ früherer Zeiten rücken an diesem Tag in den Fokus. Fünf Mühlen gibt es noch im Brookmerland – plus die Ruine der Mühle von Rechtsupweg. Zwei von ihnen werden von Vereinen gepflegt und betreut. Drei sind in Privatbesitz.
Verdruss gab es zuletzt über eine der Mühlen in Privatbesitz. Die Friesenborgsche/Schewelingsche Mühle beim Bahnübergang in Marienhafe gehört Torsten Scheweling und seinem Bruder Gundolf.
Im Oktober 2020 war sie Thema im Marienhafer Gemeinderat. Samtgemeindebürgermeister Gerhard Ihmels (SPD) sagte damals, dass der Verwaltung bei Privateigentum die Hände gebunden seien. Er sagte aber auch deutlich: „Was da passiert, ist eine Frechheit“, weil öffentliche Mittel in die Sanierung der Mühle geflossen seien. Sprichwörtlich mahlen Gottes Mühlen langsam, doch nun zeichnet sich eine Wendung ab: „Hinsichtlich der Mühle am Mühlenloog hat sich zwischenzeitlich eine überaus erfreuliche Entwicklung ergeben“, teilte Vize-Ratshauschef Jochen Behrends auf ON-Nachfrage mit. Aufgrund der besonderen ortsbildprägenden Bedeutung von Mühlen sei die Erhaltung und Sanierung der Bauten bereits in die frühe Dorfentwicklungsplanung der Dorfregion Brookmerland eingeflossen.
Der Bericht dazu stammt von Juni 2020. Darin heißt es, dass an der denkmalgeschützten Mühle binnen vier bis fünf Jahren die Galerie, des Achtkants inklusive Reetdach, der Kappe und der Windrose. Zudem sollen die derzeit fehlenden Flügel restauriert werden und das Dach der großen Lagerhalle saniert werden. Die Teilnehmer des Arbeitskreises stellten sich zudem ein Café in den Mühlenräumen vor.
Förderantrag ist gestellt
Laut Behrends wurden die Pläne seitdem fortgeführt: „Gemeinsam mit der Umsetzungsbegleitung, Dr. Christiane Sell-Greiser, wurden zum Stichtag 15. September 2021 Anträge auf Förderung aus dem vorgenannten Dorfentwicklungsprogramm und anschließend auch aus dem Mühlenfond des Landkreises Aurich gestellt.“
Da es sich um private Fördermaßnahmen handele, dürfe er keine weiteren Auskünfte geben, so Behrends. Er verwies an die Eigentümer. Torsten Scheweling reagierte am Freitag nicht auf eine Anfrage der ON.
Wasserpumpmühle einmalig in Deutschland
Ebenso wie an der Tjücher Mühle in Marienhafe und der Wasserschöpfmühle in Wirdum finden am Mühlentag auch an der Friesenborgschen/Schewelingschen Mühle keine Besichtigungen statt. Alle drei Mühlen sind in privater Hand.
Die Wasserschöpfmühle in Drennhusen in Wirdum, die 2015 umfassend saniert wurde und bei der es einen kleinen Parkplatz und Infotafeln gibt, ist die einzige bekannte funktionsfähige Doppelkolben-Wasserpumpmühle Deutschlands. Die diente der Entwässerung des Umlandes, später der Wasserversorgung für das Vieh. Seit 1984 steht die 6,70 Meter hohe Konstruktion unter Schutz, wurde in den 80ern erstmals saniert.
Besondere Malaktion in Leezdorf
Die Tjücher Mühle befindet sich auf dem Gelände des Pflegedienstes „Ambulant helfen“ und ist nicht öffentlich zugänglich. Sie ist aber von der Bundesstraße aus und von der Burgstraße aus zu sehen.Besichtigen können Mühlenfans am Pfingstmontag die Galerieholländer in Leezdorf und Upgant-Schott. In Leezdorf gibt es laut Gerke Hugen, dem Vorsitzenden des Heimatvereins, ab 10 Uhr Führungen durch die Bratlingsche Mühle und das Museum sowie Speis und Trank für die Gäste. Laut Hugen gibt es Tee, Grillwürste und kalte Getränke.
Als besondere Aktion haben 56 Schüler der Leezder Dörpschool Bilder von der Mühle gemalt. Seit Freitagvormittag hängen sie an einer Wäscheleine im Mühlenkomplex, der im Eigentum des Vereins ist. „So eine Aktion hatten wir vor ein paar Jahren schon“, sagte Hugen. Eine Jury soll das schönste Bild prämieren, das dann einen dauerhaften Platz in der Mühle finden soll.
Nächste Woche kommen die Maler
Doch es steht auch Arbeit an. In der Woche nach Pfingsten kommen die Maler, die sämtliche Farbflächen an der Mühle reinigen und erneuern. Bei den anderen Gebäuden will der Verein die Malerarbeiten selbst übernehmen.
Auch in Upgant-Schott gibt es ab 11 Uhr Führungen in der Sterrenbergschen Mühle. Der Mühlenverein hat die Flügel mit grünen Wimpeln geschmückt. Es werden Tee und Kuchen angeboten. Zudem gibt es einen Grill- und Getränkestand auf dem Gelände der Mühle.
Risse im Nebengebäude machen Sorge
Spätestens im nächsten Jahr soll laut Vereinschefin Tanja Luitjens die Galerie der Mühle erneuert werden. Das Geländer ist zwar noch neu, die Konstruktion insgesamt jedoch erneuerungsbedürftig. Besucher fühlten sich angesichts des Knarrens der Galerie zum Teil unsicher, sagte Vereinssprecher Werner Arendt. Er geht von Kosten in Höhe von rund 50.000 Euro aus. Zuvor muss noch ein kleiner Sturmschaden an der Kappengalerie behoben werden.
Ein Problem gibt es mit dem angrenzenden Schuppen. Auch er ist denkmalgeschützt. Der Teil, den der Mühlenverein gepachtet hat und für sanitäre Anlagen nutzt, ist noch in gutem Zustand. Der Rest des kleinen Gebäudes sackt ab, was Risse in der Wand schon deutlich zeigen. Die Gemeinde sei hier in der Pflicht, sagte Luitjens, dieser Teil gehöre ihr.
Noch etwas wird den Verein in nächster Zeit beschäftigen: Die Pläne der Dorfregion Brookmerland und der Verwaltung, das Mühlenareal und die Verkehrsführung an der Stelle zu ändern. Die nächste Sitzung der Arbeitsgruppe der Dorfregion ist für Mittwoch, 15. Juni, um 18 Uhr geplant.