Fußballverein reagiert auf Durchsuchungen Germania Wiesmoor trennt sich von Spielern
Zwei Fußballer stehen wegen des Verdachts auf Coronahilfen-Betrugs im Visier von Ermittlern. Der anfängliche Rückhalt des Vereins ist gewichen. Noch klarer distanziert der VfB sich von jemand anderem.
Wiesmoor - Am Dienstagmittag war das Maß offenbar voll: Der Vorstand des VfB Germania Wiesmoor hat, direkt nachdem Ermittler aus Osnabrück auch Wohnungen zweier Germania-Spieler durchsucht hatten, getagt und beschlossen, sich von diesen Spielern zu trennen. Die Fußballer stehen im Verdacht, als Geschäftsführer und Gesellschafter von Unternehmen in einem Firmengeflecht um die KS Consult GmbH in Wiesmoor unrechtmäßig Coronahilfen beantragt und zum Teil auch in Anspruch genommen zu haben.
Eine Stellungnahme steht seit Mittwoch auf der Internetseite des Vereins. Dort heißt es: „Aufgrund der veränderten Erkenntnislage und der aktuellen Entwicklung der behördlichen Ermittlungen hat der VfB Germania Wiesmoor die sofortige Trennung von den im Fokus der Ermittlungsbehörden stehenden Spielern, mit Datum vom 31.05.2022 um 13 Uhr, beschlossen und den betroffenen Spielern mitgeteilt.“
Ex-VfB-Geschäftsführer im Zentrum der Ermittlungen
Wie die OZ in den vergangenen Wochen berichtet hat, steht der Unternehmer und bis zum vergangenen Dezember amtierende Geschäftsführer des VfB Wiesmoor, Christian Rademacher-Jelten, im Zentrum umfangreicher Ermittlungen. Die zentrale Polizeiinspektion Osnabrück und die Staatsanwaltschaft in Oldenburg gehen nicht nur davon aus, dass Rademacher-Jelten hinter Betrugsfällen bei der Abrechnung von Corona-Tests mit Millionenschaden steckt, sondern dass er zudem ein Netzwerk von Firmen gründete, um damit unrechtmäßig Corona-Hilfen zu erschleichen.
Teil dieses Firmengeflechts, das die OZ öffentlich machte und als Wiesmoor-Connection betitelt, sind auch drei Spieler von Germania Wiesmoor. Bei zweien von ihnen wurden am Dienstag die Wohnungen durchsucht und Material beschlagnahmt.
Nachbarn beschreiben Fußballer als höflich und ruhig
Einer der Spieler lebt in Aurich. Nachbarn beschreiben ihn als sehr höflichen und ruhigen Menschen, den sie eigentlich nie mit Kriminalität in Verbindung bringen würden. Auffällig seien lediglich die schnellen Autos gewesen - mit Nummernschildeinfassungen mit Germania-Wiesmoor-Emblem.
Nach den ersten Berichten der OZ stellte sich der Fußballverein Mitte April noch hinter seine Spieler und distanzierte sich lediglich von Rademacher-Jelten. Der Verein habe sich im Dezember von ihm getrennt, heißt es ebenfalls auf der Internetseite. „Der Vorstand weist darauf hin, dass die Recherchen in der OZ ausnahmslos die Privatperson Christian Rademacher-Jelten betreffen.“
Verein wollte keine Vorverurteilung
Die Soccer-Halle, die sich die Anschrift mit etlichen der Firmen teilt, werde zu 100 Prozent privatrechtlich geführt. Die Bezeichnung „VfB-Arena“ sei irreführend. Christian Rademacher-Jelten werde schon seit geraumer Zeit aufgefordert, diese Bezeichnung nicht mehr zu verwenden und Beschilderungen zu entfernen. Der Vorstand werde weiterhin darauf hinwirken.
Mit den Spielern sei gesprochen worden, hieß es im April. Für den Vorstand sei nicht ersichtlich, dass gegen diese strafrechtlich ermittelt werde. Die Vereinsspitze wolle sich nicht an Vorverurteilungen beteiligen. „Die genannten Spieler stellen sich seit Jahren in den Dienst der Mannschaft und sind auch innerhalb des Vereins angesehen.
Aus diesen Gründen sieht der Vorstand aktuell keine Veranlassung diese Vereinsmitglieder vom Spielbetrieb auszuschließen“, hieß es: „Sollte sich die Erkenntnislage in den kommenden Wochen ändern, wird die dann vorliegende Situation neu beurteilt und entsprechende Konsequenzen folgen.“ Das ist nun offenbar passiert.
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