Messe in Aurich-Tannenhausen Trend: Automatisch melken, füttern, ausmisten
Die Landwirte in Ostfriesland stehen vor großen Herausforderungen. Erstmals nach Corona haben sie in Tannenhausen wieder die Möglichkeit zum direkten Austausch.
Aurich - Als Erich Fluß vor rund 30 Jahren die ersten Melkroboter in Ihlowerfehn installierte, da wurden noch zwei C 64-Heimcomputer zur Steuerung benötigt. „Heute geht das mit dem Smartphone“, erinnert sich der Geschäftsführer der Firma Landtechnik Fluß & Müller aus Hage.
Die heutigen Melkroboter, die Fluß für den großen schwedischen Hersteller Delaval in Ostfriesland vertreibt, sind nur eines von zahlreichen Beispielen für die zunehmende Automatisierung und Digitalisierung auf den Bauernhöfen. Mittlerweile kann nicht nur vollautomatisch gemolken, sondern auch gefüttert oder etwa ausgemistet werden. Zu sehen und zu erleben ist diese Entwicklung auf der dritten Landwirtschaftsmesse, die am Mittwoch auf dem Mehrzweckgelände Tannenhausen eröffnet wurde.
Auf Höfen mangelt es an Arbeitskräften
Ein moderner Melkroboter kostet mehr als 100.000 Euro, kein Pappenstiel für Landwirte, gerade in schwierigen Zeiten. Doch der Roboter bedeute vor allem mehr Lebensqualität für die Landwirte, berichtet Fluß. Der eigene Nachwuchs sei oft nicht mehr bereit, die anstrengende Melkarbeit auf herkömmliche Weise zu betreiben – und zugleich mangelt es auf vielen Höfen an Arbeitskräften.
Gerade angesichts der aktuellen Probleme durch hohe Energiepreise stelle sich die Frage für die Bauern, in was sie investieren, sagte der Direktor der Landwirtschaftskammer Niedersachsen, Dr. Bernd von Garmissen, bei einer kleinen Eröffnungsfeier. Genau deshalb gebe es keinen besseren Augenblick, Fachleute und Aussteller zusammenzubringen. Die Messe in Tannenhausen sei auch deshalb etwas Besonderes, weil zum ersten Mal seit mehr als zweieinhalb Jahren Corona-Pandemie die Beteiligten wieder direkt zusammenkommen, so von Garmissen, der aus Wittmund stammt.
Immer noch mehr als 1000 Betriebe im Kreis Aurich
Die stellvertretende Auricher Landrätin Antje Harms sagte, kaum ein Berufsbild habe sich in den vergangenen Jahren so gewandelt wie das des Landwirts. „Drohnen und Robotik haben Einzug gehalten“, so Harms. Nur eines habe sich nicht geändert: Die Bedeutung der Landwirtschaft für den Landkreis Aurich als wichtige Säule der Wirtschaft. Hier gebe es noch immer mehr als 1000 Betriebe. „Und das soll so bleiben“, betonte Harms.
Appell an Verbraucher: „Nur billig ist schlechte Devise“
Dafür müssten die Landwirte sich auf gute politische und gesetzliche Rahmenbedingungen verlassen können, so die SPD-Kreistagsabgeordnete. Aber auch die Verbraucher könnten Einfluss nehmen. „Immer nur billig ist eine schlechte Devise“, sagte Harms. Vielmehr müssten gute regionale Produkte den Kunden etwas wert sein.
Harms räumte ein, dass auch die Kreispolitik im Streit um die Ausweisung zusätzlicher Naturschutzflächen etwa am Fehntjer Tief Kompromisse mit den Landwirten machen musste. Man brauche eine ebenso nachhaltige wie wettbewerbsfähige Landwirtschaft.