Extase nach Abpfiff Auricherinnen machen Oberliga-Aufstieg perfekt und feiern
Fußballerinnen der SpVg liefern sich im letzten Saisonspiel einen packenden Schlagabtausch beim Verfolger und müssen bis zum Abpfiff zittern. Danach brechen die Dämme.
Lutten – Seine Stimme war am Montagvormittag noch rau. Tammo Pfeiffer, Trainer der Frauenmannschaft der SpVg Aurich aus der Landesliga, hatte am Sonntag ausgiebig gefeiert. Grund: Die Mannschaft hatte in der Aufstiegsrunde im letzten Spiel beim härtesten Verfolger TuS Lutten mit 4:2 Toren gewonnen. Damit machte sie den Sprung in die Oberliga perfekt.
Danach gab es kein Halten mehr für Spielerinnen und Trainerthema. Es begann mit Freudentänzen und Sektduschen auf dem Platz. Daran schloss sich eine feuchtfröhliche Heimfahrt an.
Bloß nicht verlieren
Die Ausgangslage vor dem letzten Spiel war klar. Den Auricherinnen reichte bereits ein Unentschieden für den Aufstieg. Vor rund 400 Zuschauern entwickelte sich am Sonntagnachmittag beim TuS Lutten, in der Nähe von Vechta, ein packendendes Spiel. Die Auricherinnen legten durch Mareike Assing nach einer Viertelstunde das 1:0 vor. Dieser Vorsprung hielt nur wenige Minuten, ehe Sina Schmedes zum 1:1 ausglich. Zugleich auch der Pausenstand.
Auch im zweiten Durchgang blieb es spannend. Lara-Marie Cordes legte mit einem Distanzschuss für die Gäste vor. Lutten steckte nicht auf, ging volles Risiko und wurde mit dem Ausgleichstreffer belohnt. Kaum hatte sich der Jubel der heimischen Fans gelegt, da rissen die mitgereisten Auricher Anhänger die Arme hoch, weil Hilka Behrends postwendend die Gäste mit 3:2 in Führung gebracht hatte. Knapp eine halbe Stunde lang mussten die Auricherinnen noch überstehen, dann wäre der Aufstieg perfekt.
Schlussphase in Unterzahll
Ein Dämpfer für die Euphoriewelle war Gelb/Rot für die Auricher Innenverteidigerin Fabia Feeken in der 76. Minute nach wiederholtem Foulspiel. Die SpVg Aurich überstand die Schlussoffensive von Lutten nicht nur schadlos, sondern sie setzte das I-Tüpfelchen in der Nachspielzeit mit dem zweiten Treffer von Behrends zum 4:2-Endstand in der Nachspielzeit. Danach ließen sich die Auricherinnen von ihren treuen Fans feiern.
Auch bei Trainer Pfeiffer war die Freude riesig. Er kam Mitte der laufenden Saison zu den Auricher Frauen. Zuvor war er seit Sommer 2020 Kotrainer bei der ersten Herrenmannschaft. Zuerst unter Trainer Rudi Zedi und ab der Saison 2021/22 zusammen mit Trainer Wilfrid Böhling. Dieses Tandem hielt nicht lange. Ende Oktober gingen beide Seiten wieder getrennte Wege. Offiziell schwiegen sich beide Seiten über den Grund für die Scheidung aus. Nach ON-Informationen war jedoch das Vertrauensverhältnis arg belastet.
Ein unerwarteter Anruf
Pfeiffer bekam kurze Zeit später einen unerwarteten Anruf. Der Frauen-Teammanager Hendrik Poppinga schlug ihm einen neuen Einsatzbereich bei der SpVg vor: Trainer der Frauenmannschaft aus der Landesliga. Bisher hatte Thorben Cordes die Mannschaft betreut und mit Platz zwei eine erfolgreiche Arbeit hingelegt. Pfeiffer bekannte in der Rückschau: „Ich hatte zwar kaum Erfahrungen im Frauenbereich, aber ich fand das Angebot interessant.“
Sein Einstand verlief vielversprechend. Anfang Februar gewann er mit seinem Team 1:0 beim DJK-SV Bunnen. Pfeiffer und seine Mitstreiter setzten den Erfolgskurs fort. Sie qualifizierten sich als Tabellenerster mit nur einer Niederlage für die Aufstiegsrunde zur Oberliga. Die einzige Niederlage kassierte Aurich beim 0:1 in Lutten. Dafür revanchierte sich Aurich nun am Sonntag eindrucksvoll.
„Mannschaft hat sich die Krone aufgesetzt
Der Weg dahin war hier und da knifflig, so Pfeiffer. Wichtige Spielerinnen wie Jane Rekowski oder Anna de Vries verletzten sich. Dafür kamen in der Winterpause mit Lara-Marie Cordes und Angelina-Michelle Wunder Spielerinnen zum Ellernfeld, die den Unterschied ausmachten.
Pfeiffer ist keiner, der sich mit fremden Federn schmückt. Thorben Cordes habe sehr gut in der ersten Saisonhälfte vorgelegt. Danach habe die Mannschaft souverän ihre Stärken ausgespielt und „sich mit dem Aufstieg die Krone aufgesetzt“, so der Trainer. Er sieht in der Formation „ein großes Potenzial“. Als Stärken nennt er „das schnelle Umschaltspiel, den Siegeswillen und die große Geschlossenheit“. Eigenschaften, die den Auricherinnen auch in der Oberliga nützlich sein werden. Pfeiffer erwartet in der vierthöchsten Frauenspielklasse mehr Tempo und auch körperlich werde es dort mehr zur Sache gehen. „Erfolgreich starten und in der Liga ankommen“, wünscht sich Pfeifer.
Noch ist aber die laufende Saison nicht zu Ende. Die Auricherinnen können am kommenden Donnerstag mit einem Sieg bei Olympia Uelsen im Bezirkspokal das Double perfekt machen. Es winken interessante Aussichten für die Fußballerinnen vom Auricher Ellernfeld.