Fußball-Weltmeisterschaft Senioren-Kicker aus Ostfriesland spielen in Dänemark
Eine U70-Fußballelf aus Ostfriesland ist das einzige deutsche Team bei der WM in Dänemark. Manager Franz Krieger muss knifflige Aufgaben lösen. Dabei geht es auch um den DFB-Bundesadler.
Ostfriesland - Für Franz Krieger aus Wiesmoor und seine Fußballfreunde beginnt die Fußballweltmeisterschaft schon Ende August, also rund drei Monate vor dem Eröffnungsspiel der WM in Katar. Er nimmt mit einer hiesigen U70-Mannschaft an der WM im dänischen Roskilde teil. Die Ostfriesen treffen auf Mannschaften aus Dänemark, England, Japan, Taiwan, USA und Wales.
Der 74-Jährige ist nicht nur Spieler, sondern auch Manager der Seniorenkicker. Er ist nicht alleine verantwortlich, sondern zusammen mit Detlev Schoone und Klaus Panzer werden die Dinge auf den Weg gebracht.
Das einzige deutsche Team
Wer ihn in diesen Tagen besucht, muss damit rechnen, dass er häufiger von einem Telefonklingeln aus dem Gespräch gerissen wird. Dabei drehen sich viele Anfragen um die WM. Es geht um Vorbereitungsspiele, Trainingspläne und wie die Trikots beflockt werden sollen.
Krieger hat auf seiner langen Aufgabenliste die dicksten Brocken bereits abgearbeitet. Er hat Unterkünfte gebucht, Fahrzeuge für die Reise organisiert und für die kommenden Wochen Testspiele vereinbart. Ebenso hat er den Kader zusammengestellt. Er ist unter dem Namen Ostfriesland/Deutschland gemeldet und zugleich das einzige deutsche Team.
Der älteste Spieler ist 75 Jahre alt
Im Kader stehen 16 Spieler. Sie kommen aus Wittmund, Warsingsfehn, Bad Zwischenahn und Papenburg. Dazu gesellen sich die Fußballer der MuWies vom SV Großefehn. Das sind Spieler aus Mullberg, Wiesmoor und Großefehn. Der älteste Spieler ist 75 Jahre alt, die jüngsten sind zwei 68-Jährige. Nach dem Regelwerk dürfen vier Spieler zum Kader gehören, die zwischen 68 und 70 Jahre alt sind.
Die Dänen fragten nach
Krieger und seine Mannschaft kamen auf Umwegen zur WM. Dazu merkt der Wiesmoorer an: „Die dänischen Veranstalter waren auf der Suche nach deutschen U70-Mannschaften mit elf Spielern. Davon gibt es nur noch wenige. Über einen Bericht von einem Spiel der Papenburger sind sie auf uns aufmerksam geworden. Als die Dänen bei den Papenburgern nachfragten, haben die auf mich verwiesen. Nach dem Motto, der Franz ist dafür der richtige Mann.“
Mit Englisch fing es an
Und so fiel dem Wiesmoorer die WM in den Schoß. Krieger nahm die Aufgabe an und legte los. Er kontaktierte die Dänen. Zuerst ging die Korrespondenz auf Englisch hin und her. Krieger nutzte dabei ein Übersetzungsprogramm. So kam die Sache langsam in Gang.
Mittlerweile gibt es bei den Dänen einen Ansprechpartner, der sich mit ihm auf Deutsch schreibt. Kriegers WM-Ordner wird von Woche zu Woche umfangreicher. Briefe, Mails, Informationsmaterial, Hotelbuchungen, Trainingspläne, Verabredungen für Testspiele sowie Meldebögen der Spieler.
Krieger ist einer, der sich kümmert, der von sich auch behauptet, er sei ein Leithammel. „Mitfahren ist nie meine Sache gewesen“, sagt er und stellt klar, „ich fahre gerne vorne weg und die anderen hinterher“.
Vom Zeugwart bis zum Mannschaftsarzt
So wird es wohl auch auf der Reise nach Dänemark laufen. Zwei Bullys für Spieler und Betreuer und ein Transporter für Gepäck und Proviant stehen bereit.
Zur Reisegruppe gehören neben den Spielern und einigen Spielerfrauen auch ein Betreuerstab. Dazu zählen Trainer, Zeugwart, Betreuer und Mannschaftsarzt. „Die wichtigen Dinge sind auf den Weg gebracht“, sagt Krieger, „aber es gibt noch einige Kleinigkeiten zu klären“.
DFB-Adler vorneweg?
Dazu zählt die Frage, ob der „DFB-Deutschland-Adler“ auf die Trikots gedruckt werden darf. „Wenn wir als deutsche Mannschaft zu WM fahren, dann wollen wir es auch richtig machen. Die Anfrage beim DFB läuft, aber bisher gibt es noch keine Antwort“, so Krieger. Er ärgert sich über die Funkstille beim DFB. Wenn es mit dem Adler auf der Brust nichts wird, dann hat er eine Alternative in der Hinterhand. Dann kommt das Ostfriesland-Wappen eben vorne drauf.
Die U70-WM wird zum vierten Mal ausgetragen. Ein Fußballturnier für „oldboys players“, wie die Veranstalter auf Englisch die Seniorenspieler bezeichnen. Gespielt wird auf Kunstrasen. Darauf bereiten sich auch die Ostfriesen und Papenburger vor. Einmal die Woche werden sie auf Kunstrasenplätzen in Ihlow oder Papenburg üben und sich fithalten.
Alkohol ist unerwünscht
Der quirlige Manager hat für die Premiere bescheidene Ziele vor Augen. Er meint: „Die Teilnahme ist das wichtigste. Wir wollen uns dort ordentlich präsentieren und nicht unbedingt Letzter werden.“ Täglich werden die Fußballsenioren bei der WM zwei Spiele austragen. Eine Begegnung dauert zweimal 25 Minuten. Krieger gibt zu bedenken: „Wir sind am Tag 100 Minuten im Einsatz. Das ist schon eine Herausforderung für uns. Wir müssen dort fit sein, sonst wird das nichts.“
Deshalb appelliert er an die Spieler, sich in der Vorbereitungsphase beim Alkohol zurückzuhalten. Auch auf der Hinfahrt nach Dänemark wird es kein Bier im Bully geben, so der Manager. Er stellt klar: „Wer abends zu viel trinkt, der spielt nicht.“
Ein wichtiges Ritual fehlt noch
Eine Sache muss die Crew bis zum WM-Beginn noch einstudieren. Ein wichtiges Ritual. Krieger setzt darauf, dass sich die Mannschaft bei der WM vor dem Anpfiff mit einem Spielerkreis Verhör und beim Gegner Respekt verschaffen soll. Nicht nur das, so Krieger, er soll auch den Teamgeist beleben und die Mannschaft zusammenschweißen. Wichtige Bausteine für einen erfolgreichen Turnierverlauf.
Was im Kreis der Spieler laut gerufen oder gesungen werden soll, das steht noch nicht fest. Aber dafür findet Krieger mit seinen Mitstreitern auch eine Lösung. Bei der WM wird die Choreografie zu sehen und zu hören sein, Hauptsache es zeigt Wirkung.