Hilfe für Flüchtlingshelfer Familienzentrum unterstützt beim Nicht-Ausbrennen
Das Auricher Familienzentrum bietet Treffpunkte und Unterstützung für Geflüchtete aus der Ukraine. Es will Helfer aber auch davor bewahren, über ihre Grenzen zu gehen.
Aurich - Sieben Jahre ist das Auricher Jugend- und Familienzentrum jetzt alt - und steht an einer Stelle doch vor der gleichen Aufgabe wie am Anfang.
2015 war eine der ersten großen Herausforderungen für das damals noch sehr kleine Team um Leiterin Sandra Grau, spontan Angebote für die neu ankommenden Flüchtlinge aus dem syrischen Bürgerkrieg und für die Flüchtlingshelfer zu organisieren. Jetzt will das Familienzentrum wieder seinen Beitrag leisten, wenn es um die Integration der Flüchtlinge aus der Ukraine geht, sagten Grau, ihre Stellvertreterin Tanja Munzig und Dorothea Seitz-Bahro von der Ehrenamtsagentur auf ON-Nachfrage.
Erstes Helfertreffen schon vor Ankunft der ersten Geflüchteten
Damals wie heute sei festzustellen, dass es sehr viele Menschen gebe, die helfen wollten, so Grau - und zwar oft mit einem ganz unterschiedlichen Hintergrund. Schon seit Ausbruch des Krieges meldeten sich nahezu täglich Menschen im Familienzentrum, die einen Beitrag leisten wollten. Ein erstes Helfertreffen habe es schon gegeben, noch bevor ukrainische Familien im Kreis Aurich angekommen seien.
„Manche bieten beispielsweise an, dass sie mit Geflohenen spazieren gehen wollen“, sagte Seitz-Bahro: „Aber so weit sind die meisten Geflüchteten jetzt noch gar nicht, die müssen erst mal ankommen.“ Dabei gehe es momentan vor allem um bürokratische Aufgaben wie die Anmeldung an einer Schule, bei der Tafel oder die Suche nach einem Arzt.
2016 waren viele Helfer an der Grenze der Belastbarkeit
Mit solchen Fragen seien auch viele Helfer konfrontiert, die jemanden aus der Ukraine bei sich aufgenommen haben. Das fordere sie und sei manchmal nicht das, was die Helfer sich vorgestellt hätten, sagte Seitz-Bahro. Deshalb sehe das Familienzentrum es auch als seine Aufgabe an, Hilfestellungen zu organisatorischen Fragen zu geben - und die Helfer davor zu bewahren, sich auszubrennen.
Dazu sei es 2015/16 verschiedentlich gekommen. Etliche Auricher hätten sich sehr aufopferungsvoll um die Integration der syrischen Flüchtlinge gekümmert - bis an die eigenen Grenzen und darüber hinaus, so Grau. Deshalb sei eine zentrale Aufgabe des Familienzentrums, die Helfer auf das vorzubereiten, was auf sie zukommt - und Ansprechpartner für sie zu bleiben.
Begeisterung über die Hilfsbereitschaft
„Die Helfer müssen sich bewusst machen: Was heißt mein Hilfsangebot eigentlich für mich? Es geht ja um große Verantwortung und Langfristigkeit“, sagt Seitz-Bahro. Mit seinem Netzwerk und den Kontakten zu den zuständigen Stellen könne das Familienzentrum auch ganz praktisch unterstützen.
Sie sei immer wieder begeistert, wie viele Menschen sich bei der Ehrenamtsagentur melden, weil sie sich engagieren wollten, sagte Seitz-Bahro. Wie beim Syrienkrieg, der Corona-Pandemie oder der Hochwasserkatastrophe im Ahrtal folge auf eine Katastrophe eine Welle der Hilfsbereitschaft.
Elektronische Übersetzungshilfen erleichtern den Alltag
Ein wichtiger Faktor sei diesmal, dass mit Halyna Yatsyshyn eine Ukrainerin im Familienzentrum tätig sei. Sie hatte, wie berichtet, schon gleich nach Kriegsausbruch mit Unterstützung des Familienzentrums erste Hilfsgütertransporte an die ukrainische Grenze organisiert und sei bei Übersetzungen eine wichtige Schnittstelle.
Doch auch Halyna Yatsyshyn dürfe nicht ausgebrannt werden, so Seitz-Bahro. Deshalb habe das Familienzentrum nun drei elektronische Übersetzungshilfen angeschafft, die die Alltagskommunikation schon sehr erleichtern. Sie seien auch eine wichtige Hilfe für die ehrenamtlichen Helfer. „Wenn die mit jemandem zu einer Behörde gehen, können sie das Gerät mitnehmen und haben schon mal eine Übersetzungshilfe“, sagt Seitz-Bahro.
Individuelle Betreuung nötig
Die Geflüchteten seien sehr verschieden. Auch das gelte es zu berücksichtigen, so Grau. Viele Frauen suchten sehr schnell nach einem Betreuungsplatz für ihre Kinder und wollten sofort arbeiten und Geld zu Verwandten schicken. Andere müssten ihre Erlebnisse erst mal verarbeiten und seien sich noch gar nicht so sicher, dass sie langfristig hierbleiben wollten.
Und dann gehe es um Abwägung. „Wenn die Leute im Kopf schon auf dem Weg zurück in die Ukraine sind, muss man das Kind dann noch in einer Kita anmelden und eingewöhnen oder reicht nicht auch eine Spielgruppe mit anderen ukrainischen Kindern?“, fragt Seitz-Bahro rhetorisch.
Mehrgenerationenhaus und Ehrenamtsagentur verstärken das Angebot
„Im Familienzentrum finden die Geflüchteten einen geschützten Raum, wo sie sich treffen können“, so Grau. Es gebe ein Sprach- und Begegnungscafé, das sehr gut angenommen werde. Und weitere Café-Angebote für Helfer sowie „Ankommen im Alltag“ von dem erfahrenen Flüchtlingshelfer Helmut Wendt.
Anders als 2015/16, als das Familienzentrum erst in den Anfängen gesteckt habe und vor allem Räumlichkeiten und wenige eigene Betreuungsangebote machen konnte, gebe es jetzt auch das Mehrgenerationenhaus mit seinen Gastgebern und die Ehrenamtsagentur als Ansprechpartner, so die Leiterin des Zentrums.