Kitas in Südbrookmerland Qualität hängt auch vom Geld ab
Die Politik in Südbrookmerland fordert Details zum Kostenausgleich für die Kitas in der Gemeinde. Dort geht deshalb nun eine Sorge um.
Südbrookmerland - Für Aufregung hat in den vergangenen Wochen ein Antrag der Südbrookmerlander CDU/FDP-Ratsgruppe gesorgt. Wie berichtet, möchte die von der Verwaltung wissen, wie die unterschiedlich hohen Beträge für den Defizitausgleich für Südbrookmerlander Kitas zustande kommen. Der Vorstoß weckte die Befürchtung, wonach in diesem Bereich Einsparungen vorgenommen werden könnten. Im Gespräch mit den ON machen Verantwortliche deutlich, wie sich mögliche Einsparungen auf die Arbeit und damit auf die Qualität in den Kindertagesstätten auswirken würden.
Seit August ist Dr. Nele Krampen Geschäftsführerin der Lebenshilfeeinrichtungen im Landkreis Aurich (Leila). Die gemeinnützige GmbH betreibt in Südbrookmerland mit dem Kindergarten Moordörper Nüst, der Kinderkrippe Lütje Nüst und dem Kindergarten Windspölers in Engerhafe gleich drei Einrichtungen. Sieben der elf integrativen Gruppen in der Gemeinde, in denen auch Kinder mit erhöhtem Förderbedarf betreut werden, arbeiten unter dem Dach der Leila. Nele Krampen ist überzeugt: Wird im Kitabereich Geld eingespart, wirkt sich das auf das Betreuungsangebot und damit auf die Qualität in den Einrichtungen aus.
Löwenanteil liegt in Personalkosten
Den größten Posten in den jährlichen Haushaltsplänen machen die Personalkosten aus, so Nele Krampen. Rund 70 Prozent des zur Verfügung stehenden Geldes fließen beispielsweise in Gehälter und Fortbildungen. Einsparpotenzial gebe es nur, wenn Betreuungszeiten eingeschränkt würden. Würde aber beispielsweise die Kita in Engerhafe nicht mit dem Frühdienst um 7 Uhr beginnen, würde das die Kosten senken. „Das entspricht aber nicht dem Bedarf der Eltern“, sagt dazu Dorothea Oberdick. Sie leitet die Kita und steht damit in ständigem Austausch mit den Eltern. Ihre Einschätzung wird auch durch den generellen Trend bestätigt. So weist der Landkreis Aurich regelmäßig in seiner Bedarfsplanung für Kindertagesstätten darauf hin, dass in der Gemeinde der Ganztagsbetrieb weiter ausgebaut werden muss.
Hinter vorgehaltener Hand wird in der Südbrookmerlander Politik hin und wieder auch die Frage gestellt, ob die einzelnen Gruppen nicht auch mit weniger Personal betrieben werden könnten. Laut Nele Krampen ist aber auch das nicht sinnvoll möglich. In Sachen Personal bewege man sich im Bereich der gesetzlichen Vorgaben. „Der Personalschlüssel ist genau definiert.“ Speziell bei den integrativen Gruppen habe die Gemeinde zudem den Vorteil, dass die dafür vorgeschriebene dritte Kraft nicht von der Gemeinde, sondern von anderer Stelle finanziert werde. Darüber hinaus profitierten davon nicht nur die Kinder mit erhöhtem Förderbedarf, sondern alle Kinder in der jeweiligen Gruppe, ergänzt Dorothea Oberdick. Und auch in Sachen Fortbildungen und Fachberatungen würden sich Einsparungen unmittelbar auf die Qualität der Arbeit auswirken.
Unterschiede bei den Gehältern
Einsparpotenzial bei den Gehältern gibt es laut Nele Krampen ebenfalls nicht. So seien diese bei der Leila an die Tarifverträge des öffentlichen Dienstes angelehnt. Dass dies nicht bei allen Trägern der Fall ist, legt den Schluss nahe, dass hier ein Grund für die unterschiedlich hohen Defizitausgleiche zu finden ist.
Im Gespräch mit den ON macht Nele Krampen keinen Hehl daraus, dass das derzeitige Finanzierungsmodell für die Einrichtungsträger durchaus ein Gewinn ist. Vereinfacht dargestellt läuft es so: Zu Jahresbeginn werden Haushaltspläne aufgestellt und von Kuratorien, in denen auch Vertreter des Gemeinderates sitzen, abgesegnet. Die Gemeinde zahlt das erwartete Defizit aus. „Natürlich schläft man da ganz gut mit“, so Nele Krampen. Die mögliche Annahme, die Einrichtungen würden vor diesem Hintergrund nicht so sehr auf das Geld achten, weil die Gemeinde schließlich zahlt, will die Geschäftsführerin aber gar nicht erst aufkommen lassen. „Wir haben immer im Blick, wofür wir dieses Geld, das ja Steuergeld ist, bekommen. Nämlich für die Kinder.“ Von dem Ausgleichsmodell scheint letztlich auch die Gemeinde etwas zu haben, denn: Es funktioniert in beide Richtungen. In diesem Jahr fließen laut Nele Krampen etwa 100 000 Euro an die Gemeinde zurück. Grund ist eine Nachzahlung des Landes Niedersachsen für die Jahre 2018 bis 2020.
Immer nur auf die Kosten schauen zu müssen, ist nach Worten von Dorothea Oberdick für die Arbeit kontraproduktiv. „Man stumpft ab und irgendwann fehlt die Motivation“, sagt sie. Gemeinsam mit Nele Krampen hofft sie, dass der Politik bewusst ist, dass sich finanzielle Einschnitte bei den Kitas unmittelbar auf die Arbeit in den Einrichtungen auswirken.